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Man of Pa'aling (E. del Mundo, Philippinen 2017)

In langsamen, kontemplativen Bildern erzählt die junge philippinische Regisseurin E. del Mundo eine Geschichte über das Altern, über einen Fischer vor der Küste, der mit seinem Leben nicht mehr zufrieden scheint. Gesprochen wird wenig, und die schwarz-weißen Bilder des Filmes erzählen ihre Geschichte von selbst, aus sich heraus. Der wortkarge Mann, der wie ein Protagonist aus einem Film von Lav Diaz wirkt, geht seiner Wege, ohne sich um einen Zuschauer zu kümmern. Der Film ist nicht auf Vermittlung eines Plots aus, sondern auf einen Moment in der Zeit. 
 Entsprechend sind die Szenen des Films montiert: nicht kontinuierlich entlang eines Zeitstrahls, sondern nach einem assoziativen Prinzip. Immer wieder etwa kehrt der Film in die Perspektive des Tauchers zurück, der hinab zum Riff abtaucht um dort die Netze zu kontrollieren, sie einzuholen. Wunderschöne Einstellungen, wie die Männer mit primitivster Ausrüstung wie schwarze Schatten über die HD-Oberfläche der Unterwasserwelt gleiten, …

Ein Mann ist nicht zu fassen: MAIN AUR CHARLES von Prawaal Raman (Indien, 2015)

"Charles is an intellectual, he is the reincarnation of Buddha!"

 In diesem indischen Caper-Movie ist nicht nur der Protagonist Charles (Randeep Hooda) nicht zu fassen, sondern der Film als solches ebensowenig. Die weithin als Biopic angekündigte Gangsterballade ist die Idealisierung eines Verbrechers, der mit seinem Charme vor allem die Damenwelt betören konnte, um sie anschließend auszunehmen. Dabei hat er auch keinerlei Hemmungen, wenn Blut fließt oder es zu schwereren Kollateralschäden kommt.
 Der Film, der als 80er-Hommage angelegt ist, dabei aber ständig den Geist der 70er atmet, etwa in Klamotten, Lebenseinstellung und Musik, ist ein schwer erträglicher Mischmasch aus Dingen, die Spaß machen sollen, und dabei nur nerven. Denn eine eigentliche Geschichte erzählt er nicht. Was nicht schlimm wäre, würde man sich in interessanten visuellen Bildwelten verlieren können, etwa beim permanenten Drogen- und Alkoholkonsum der Darsteller, oder dem ständig verfügbaren Geschlechtsv…

Ritt durch die Hölle: SHAITAN von Bejoy Nambiar (Indien 2011)

Ein Hindi-crime-Film, produziert von Anurag Kashyap und mit Kalki Koechlin, noch sehr jung, in der Hauptrolle. Einmal hat sie eine gelbe Mütze auf, was dann wie ein Komplementärbild zu Kashyaps selbst gedrehtem GIRL WITH THE YELLOW BOOTS wirkt. Hier hat er nur produziert, der wilde Mann des Hindi-Kinos, und das Projekt dem damaligen Neuling Nambiar anvertraut. Der Film wirkt dann auch bei weitem nicht so souverän inszeniert wie der geistesverwandt ruppige RAMAN RAGHAV, so ein Niveau darf man nicht erwarten - aber SHAITAN ist dennoch ein ziemlich wahnsinniger Ritt durch die nächtliche Hölle. Unrund, wild, anarchisch, extravagant und oft einfach nachgemacht. Nambiar hat mittlerweile eine ganze Handvoll Filme realisiert, am bekanntesten sicherlich der von 2016, WAZIR mit Amitabh Bachchan, der mir leider nicht sonderlich gefallen hat.
 Die junge Amy/Amrita (Kalki Koechlin) schließt sich einer Gruppe hedonistischer Vergnügungssüchtiger an und feiert die Nächte durch. Drogen, Alkohol, Dis…

Eine Geschichte von Kunst und Tod: Tharai Thappatai (Bala, Indien 2016)

Bala gilt als einer der großen Erneuerer des indischen Kinos. Genauer: des Südindischen, als Vertreter der Tamilischen Neuen Welle. Er macht mit wenig Geld wütende Filme, die mit eingefahrenen Konventionen brechen und die sich nicht an den fertigen Konzepten der Filmindustrie wie auch den Sehgewohnheiten der Zuschauer orientieren. Sein Bezugspunkt ist die Realität mit all ihren Untiefen, nicht der romantische Eskapismus. Besonders erwähnenswert wäre etwa sein arg ungestüm unrundes Debüt, der ungeschliffene SETHU (1999), wie auch einer meiner liebsten indischen Filme überhaupt, der zehn Jahre später entstandene, völlig durchgedreht wilde NAAN KADAVUL (2009). Bala ist einer der markantesten Hoffnungsträger einer Generation Filmemacher, die das Potenzial haben, die Vormachtsstellung eines in Südindien sich schon längst etabliert habenden Mainstreamkinos - in all seinen Varianten - zu erschüttern und zu erneuern. Auch wenn THARAI THAPPATAI etwas zahmer ausfällt als der eben genannte NAA…

Liebe in korrupten Zeiten: NOOR von Sunhil Sippy (Indien, 2017)

Mumbai, you're killing me.

 Immer wieder diese dreckigen Bilder aus den Slums von Mumbai, den Vorstädten, den vor sich hin schimmelnden Wohnblocks eines Molochs. Aber auch immer wieder die reiche Vorstadt, dort, wo man noch Luft zum Atmen bekommt und wo morgens die Sonne golden zum Fenster hereinscheint. In NOOR treffen diese beiden Welten aufeinander, und Sunhil Sippy macht sich gar nicht die Mühe, diese krassen Gegensätze nicht gegeneinander auszuspielen. Er tut es bewusst. Und was uns im Westen wie eine ästhetische Fehlleistung aussehen mag, ist vielleicht das tatsächliche Abbild einer Realität der Gegensätze, in der die Menschen dort tagtäglich leben.
 Die junge und attraktive Noor Choudhary (Sonakshi Sinha) ist eine engagierte Journalistin, die allerdings ziemlich frustriert ist. Ihre gut recherchierten Artikel über soziale Missstände in Mumbai werden vom Chefredakteur regelmäßig abgewiesen und stattdessen werden ihr Celebrity-Quatsch und Lokalnachrichten aufgebrummt, die an …

Komödie mit äußerst trockenem Humor: SAWAKO DECIDES von Yuya Ishii (Japan, 2010)

Das mangelnde Selbstbewusstsein und eine niedrige Meinung von sich selbst haben: das ist das Motto, das Yuya Ishiis Komödie SAWAKO DECIDES wie einen roten Faden durchzieht. Diese Charaktereigenschaften betreffen eigentlich das gesamte jüngere Personal des Films, vor allem aber die Anti-Heldin Sawako. Sie stutzt dann auch alle in ihrer Umgebung zurecht, wenn wieder einmal eine(r) größe Töne spuckt und kräftig aufschneidet. Und wie ihr Weg dann zu mehr Selbstbestimmtheit, Souveränität und Autonomie führt, das erzählt dieser Film.
 In Tokyo quält sie sich durch den Alltag eines öden und demütigenden Bürojobs, der häufig darin besteht, dass sie den Herrschern dieser Welt, also den männlichen Angestellten, irgendwelche Akten bringen muss, oder auf Wunsch auch Kaffee. Ihr Freund ist einer aus der Kreativabteilung - er wurde aber gerade geschasst, da die "Mama-Puppe", die er entworfen hatte, eine Pleite war. Zuhause strickt er gerne blaue Pullover und seine Ex-Frau hat ihn sitzen…

Erneuter Liebeskonflikt in Indien: 2 STATES von Abhishek Varman (2014)

Dieser indische Liebesfilm, der wie eine typisch klischeehafte Komödie beginnt, ist insofern direkt ungewöhnlich, als dass hier nicht - wie so häufig - das Kastensystem das Problem darstellt, oder die Diskrepanz Ost gegen West, sondern dass es ein inner-indischer Konflikt ist: der aus dem Norden stammenden Punjabi Krish (Arjun Kapoor) verliebt sich auf dem College in die aus dem südindischen Chennai stammende Tamilin Ananya (Alia Bhatt). Und wer sich vor allem gegen eine zukünftige Ehe stellt, das ist klar: es sind die Eltern. 
 Krish hat zudem mit einem trinkenden Patriarchen zu kämpfen, der auch mal handgreiflich werden kann; ein Vater, der sich ihm nie geöffnet hat und auch seine Zuneigung nur in Schimpftiraden äußern kann. Nach dem College macht sich das Paar an die schier unmögliche Aufgabe, die Eltern umzustimmen. Krish reist Ananya nach und entdeckt die farbenfrohe tamilische Welt. Das Essen, die Sprache, findet bald schon einen Job und kann trotz Vorbehalten immer mehr zum T…