DVD BluRay

Sonntag, 28. Dezember 2008

Samurai III: Duel on Ganryu Island (Hiroshi Inagaki, Japan 1956)

Der dritte Teil ist vielleicht der beste, weil ausgeklügeltste. Dennoch hab ich mich öfter (ja, ich gebe das einfach mal zu:) gelangweilt. Doch weshalb? Hier finden alle Themen zusammen in einer schönen Ausgewogenheit: Inagaki findet eine tolle Balance zwischen actionreichem Swordplay und Liebesmelodram; die offenen Fäden werden zusammengeführt und ausformuliert, und trotzdem... war es irgendwie...langweilig, teilweise.
Mifune alias Takezo alias Musashi Miyamoto findet zu erhabener Samurai-Größe, der nichts mehr beweisen muß. Er spielt ihn mit einer Würde und Reife, da kann man sich kaum vorstellen, wie er noch im 1. Teil ein wildes Pferd war. Koji Tsuruta (als Kojiro Sasaki) ebenso: gut. Der Geck, der Faun und Karrierist im Samurai-Pelz gefällt als Opponent und teils zwielichtig-abstoßende, teils eitle Verführergestalt. Plötzlich taucht Takashi Shimura auf, wie aus dem nichts, und ebenso verschwindet er wieder...wie schade. Otsu (Kaoru Yachigusa) leidet wieder unglaublich unter den Komplexen Musashis, dem sie doch schon längst vergeben hat. Zwischendurch wird noch ein 7 Samurai-ähnlicher Plot eingefügt, der die beiden zusammenfinden läßt, und zeigt, wie relaxt Musashi geworden ist. Bauer sein ist auch schön! Und außerdem kann man so den Film auf über 1,5 Stunden aufblasen. Nu ja, schlecht ist er beileibe nicht, aber da fehlt etwas die Leidenschaft des Filmemachers, dem vor Begeisterung die Gäule durchgehen. Das ist irgendwie zu ordentlich strukturiert, und nimmt dem Film gerade dadurch die Kraft. Anders kann ich mir meine (relative) Enttäuschung nicht erklären...
Ach ja, der Schlußkampf -Mifune vor der aufgehenden Sonne am Meer- ist schlicht: geil.

Samstag, 20. Dezember 2008

Samurai II: Duel at Ichijoji Temple (Hiroshi Inagaki, Japan 1955)

Das Sequel zu Musashi Miyamoto zeichnet sich vor allem durch einen hohen Bodycount aus; mittlerweile ist Takezos Ruhm gewachsen, alle kennen den ihm vorauseilenden Ruf eines meisterhaften Swordmans, und die Neider und jungen Sturm und Dränger wollen natürlich ihre Kräfte messen. Dafür liegen sie bald mit dem Gesicht unten im Dreck.
Musashi jedoch ist keine Heldengestalt. Der Zuschauer sieht hinter die Fassade; von verschiedenen Seiten wird Musashi gesagt, daß ihm das Zeug zum richtigen Samurai abgehe. Er sei zwar unglaublich stark, aber geistige Größe habe er nicht, er könne z. B. nicht vergeben. Zudem streiten sich zwei Frauen um seine Zuneigung; Otsu aus Teil 1, und jetzt auch Akemi. Musashi jedoch liebt sein Schwert.
Im Zentrum der Handlung steht die Auseinandersetzung mit dem Yoshioka-Clan, mit dem es am titelgebenden Tempel erst ein Gemetzel, dann ein Duell mit deren sensei Seijuro Yoshioka geben wird. Außerdem wird die Person des Kojiro Sasaki eingeführt, einem weiteren Schwertmeister,der sich mit Musashi messen will. Dieser scheint ein wahrhaftiger Gegner zu sein, doch bis die Zeit reif für das Duell ist (ich vermute im Teil 3), vergewaltigt er erstmal Akemi.
Trotz der neuen Personen und zahlreichen Kämpfe dümpelt der 2. Teil etwas vor sich hin. So richtig Zug ist da nicht dahinter; postiver ausgedrückt: relaxt aber mit Gewaltspitzen.

Montag, 15. Dezember 2008

Musashi Miyamoto / Samurai I (Hiroshi Inagaki, Japan 1954)

Takezo (Toshiro Mifune) und Matahachi, zwei jugendliche Grünschnäbel, wären ach so gerne richtige Samurai und rennen begeistert in den Krieg. Man will sein Mannsein beweisen und gerät unverblümt in die bekannteste spätmittelalterliche Schlacht Japans: in den Kampf von Sekigahara (1600). Diese markiert historisch den Wendepunkt von der chaotischen Sengoku-Zeit hin zur (gewalttätig) befriedeten Tokugawa-Periode. Mehr tot als lebendig überleben sie das Gemetzel, und eines müßte selbst ihnen klar sein: zum Samurai ist es ein weiter Weg. Hier wiederholt sich Mifunes Begehr, denn im bekannteren Seven Samurai von Kurosawa -entstanden im selben Jahr!- spielt er die ganz ähnliche Rolle eines Bauernlümmels, der so gern ein Samurai wär. Er tollt herum, schreit, grimassiert, strampelt mit den O-Beinen und holt die Laute ganz tief hinten aus der Kehle heraus. Denn er wird gejagt und verfolgt. Takezo rennt. Nur einmal, da baumelt er an einem Baum 15 Meter über dem Boden: der weise Mönch Takuan hat ihn gefangen, und will ihn zum "echten" Samurai erziehen, und dazu ist erstmal die mentale Einstellung wichtig, wie wir wissen. Takezo sieht das allerdings anders, und wird zu seinem eigenen besten für drei Jahre in einen Raum gesperrt, in dem sich nur Bücher befinden. Eigentlich eine schöne Vorstellung. Doch das Schwert juckt, und die Zeit wird auch zur harten Prüfung, da Akemi ein zartes Pflänzchen der Liebe in sein Herz gepflanzt hat. Am Ende wird er als gereifter Samurai aus dem Schloß entlassen, um sich Ruhm und Ehre auf seinen Wanderungen zu verdienen.
Fantastisch gefilmt, tolle Naturaufnahmen in schöner kräftiger Farbe wechseln mit etlichen Kämpfen, bei denen Takezo häufig gegen eine Übermacht an Gegnern bestehen muß. Verknüpft ist alles mit einer sehr melodramtischen Liebesgeschichte, die sich um mehrere Ecken windet, bis sich die richtigen finden. Der Film ist bisweilen sentimental und auch altbacken, aber auf eine schöne Art und Weise; man denke an Doktor Schiwago. Und dann kommen ja noch zwei Teile...

Samstag, 13. Dezember 2008

Shôwa Karesusuki / Der Polizist und seine Schwester (Yoshitarô Nomura, Japan 1975)

Harada (ein Polizeibeamter) lebt in Tokyo mit seiner Schwester in einer kleinen Wohnung nah den Bahnschienen. Die Kinder vom Lande, früh verlassen von den Eltern, mußten sich selbst durchschlagen; umso erfreulicher, daß sie es nun aus eigener Kraft zu bescheidenen Verhältnissen geschafft haben. Jeden Morgen fahren sie gemeinsam in die Stadt. Er geht ins Präsidium, Noriko in die Schneiderschule. Fröhlich winkt er ihr zum Abschied, wie er sich Richtung Stadtzentrum wendet, sie lächelt zurück. Auf der obersten Stufe jedoch wendet sie sich um, geht zurück, und streunt den Rest des Tages durch die Megalopolis.

Die Kamera findet tolle Bilder der Menschenmassen, und wie sich nach und nach das Schicksal dieser beiden herausschält, da ist deutlich, daß hier noch tausende Geschichten erzählt werden könnten. Noriko läßt sich mit zwei üblen Typen ein, und ihr Bruder kommt zufällig dahinter. Als er ihr den Umgang mit ihnen verbieten will, zeigt sie sich wenig einsichtig. Alles Zureden hilft nichts. Er beginnt, ihr heimlich zu folgen. Hinein in ein Liebeshotel etwa, wo sie sich zum Schäferstündchen mit dem schleimigen Nakagawa trifft. Im weiteren Verlauf spitzt sich die Handlung zu, bis plötzlich der Liebhaber tot am Boden liegt: und Noriko scheint schuldig zu sein. Die Beziehung der beiden Geschwister steht vor einer harten Prüfung.

Für das Drehbuch war Großmeister Kaneto Shindo (Edo Porn, Battle of Okinawa, Onibaba) verantwortlich, und -ganz im Ernst: was hier Hideki Takahashi (Irezumi ichidai und Elegy of Violence, Seijun Suzuki; Friendly Killer, Teruo Ishii) als Harada abliefert ist ganz großes Darstellerkino. Der Mann hat eine Präsenz, der füllt den ganzen Film damit. Und daß aus dem Großstadt-Darstellerkino ein kleiner feiner Thriller wird, das hat der Spannung auch nicht geschadet.

Dienstag, 9. Dezember 2008

Snapshot Shorts Vol. 2

Shinobi - Heart under Blade Ten Shimoyama, Japan 2005

Romeo & Julia zur Zeit des Tokugawa-Regimes. Ieyasu Tokugawa sieht sein befriedetes Land nur noch durch zwei im Wald lebende Ninja-Clans bedroht und beschließt -gerissen wie er ist- sie sich gegenseitig eleminieren zu lassen. Die 5 besten Kämpfer beider Clans sollen gegeneinander antreten. Nun haben sich natüüürlich die beiden besten Kämpfer Gennosuke und Oboro an einem sprudelnden Bächlein tief in die Augen geguckt,... was allerdings bei den Augen von Yukie Nakama fatale Folgen haben kann, das versteht ein jederMann.
Was folgt ist ein pathetisches Martial-Arts-Fantasy-Märchen, das leider weder in der Figurenzeichnung überzeugen kann, noch in den Kampfszenen. Zwar sind diese fast alle als Duelle angelegt, bei denen die Kontrahenten ihre besonderen Fähigkeiten zur Schau stellen können (den Absurditäten sind keine Grenzen gesetzt), doch ist das alles sehr konsumierbar: kein Blut, kein Leid, und ästhetisch völlig verfremdet. Das liegt wohl auch an der Vorlage, ein Manga, das sich aber aus einem literarischen Erzählungsband speist. Aber für die Computerjugend sieht das dann doch aus wie in einem Videospiel. Sterben kann so schön sein!
Reines Unterhaltungskino, bei dem es nach dem Abspann halt zwei Stunden später geworden ist.


Sarkar Ram Gopal Varma, Indien 2005

Zunächst: dieser Bollywood-Film konnte mich gut unterhalten. Angelehnt an Coppolas Der Pate spielt Amitabh Bachchan einen Gangsterboss, der sich um die Sorgen und Nöte der armen, gebeutelten Mitmenschen kümmert. Gleichzeitig allerdings hat er es mit dunklen Machenschaften (wie wird nicht erzählt) zum mächtigsten Mann in Bombay gebracht. Nun kehrt sein Sohn aus Amerika zurück und bringt seine neue Flamme mit. Sein Bruder, Filmproduzent, verheiratet mit Kind, scharwenzelt hinter einer Actrice her und muß sich eines Konkurrenten erwehren. Der Hauptplot aber ist, daß ein geheimes Syndikat den Drogenhandel in Bombay übernehmen will, und sich bei Sarkar -ob seiner großen Macht- die Erlaubnis einholen muß. Dieser verwehrt es ihnen (Moral Moral), und muß fortan um sein Leben bangen.

Ein Bollywood-Film ganz ohne Tänze und Gesänge, dagegen ein düsterer Gangsterplot. Viel Schatten, saturierte Farben und Weichzeichnereffekte. Schöne Menschen allenthalben und gute Schauspieler. Dennoch: mit dem Paten kann dieser Film niemals mithalten. Mehrere offensichtliche Logiklöcher sabotieren zudem die Stimmigkeit der Erzählung. Auch ist der Film nach 2/3 Spielzeit ziemlich behäbig. Hier hätte man straighter auf den Schluß zumarschieren, und diesen durchaus noch mehr ausschlachten können. Der Showdown ist fast etwas beiläufig und verschenkt.


Retribution / Sakebi Kiyoshi Kurosawa, Japan 2006

Der Film handelt von einem Cop (Koji Yakusho), der erst einen, dann mehrere Morde aufklären muß. Sich wiederholende Motive deuten auf einen Serienmörder hin, wobei wir in der ersten Einstellung bereits ihn selbst als Mörder der Frau gesehen haben. Diese tote Frau kehrt dann als haunting ghost wieder und in der Folge wird alles immer komplizierter. Das Drehbuch schlägt daraufhin mehrere Haken, was zunächst interessant ist, dann aber irgendwann bei der Fülle der Themen überladen wirkt, letztlich dann leider sogar beliebig.
Die Idee der zurückkehrenden Toten als Geist, der dem Täter sogar vergibt, ist zwar (für mich) neu, aber die Verknüpfung etwa mit der Asyl-Geschichte und diese unglaublich lächerlichen Episoden mit dem Psychologen verhunzen etwas den Film. Ansonsten ist es ein typischer Kurosawa-Film: ein Genre-Mix aus Polizeithriller und Geistergeschichte. Und auch die Bilder sind vorzüglich, der Ton ebenso.


Lange Phasen kompletter Stille bauen enorm Spannung auf. Letzlich scheint mir der Film also durchaus sehenswert, wobei er sicherlich kein großer Wurf im an Höhepunkten nicht armen Werke Kiyoshi Kurosawas ist.

Donnerstag, 4. Dezember 2008

9 Souls (Toshiaki Toyoda, Japan 2003)



Toyodas vielgelobter Film ist eine Komödie, ein Road-Movie und ein tragisches Drama zugleich: Neun Kriminelle brechen aus dem Gefängnis aus - draußen angekommen merken sie, daß sie eigentlich gar nicht so genau wissen, wo sie jetzt hin sollen. Dummerweise werden sie von der aufdringlichen Polizei gejagt, und nachdem ihre Gesichter im Fernsehen gezeigt wurden und von Plakatwänden herunterschauen, erkennt sie auch noch jeder Dorftrottel. Sie kommen vom Regen in die Traufe.

Die erste Hälfte des Films kommt ziemlich sabuesk daher, allerdings mit einem etwas feineren Ton und weniger grotesk. Wenn die -mittlerweile sympathische gewordene- Männertruppe dann in der zweiten Hälfte nach und nach durch die unterschiedlichsten Ereignisse dezimiert wird, sind einem die Figuren bereits so nahe geworden, daß der Film in derDarstellung der Schicksale sehr berührt und dann enorm traurig wird. Und das völlig ohne Kitsch oder Pathos. Ein phantastischer Gitarrensoundtrack findet ebenfalls Verwendung, ebenso wie der Mut zu experimentelleren Grenzgängen, wenn etwa Szenen in Zeitlupe dargestellt werden oder in subjektive Wunschräume abdriften und imaginierte Geschichten weitererzählt werden - lediglich mit der Brechung, daß die Stimmen nun verhallt sind. Da erreicht der Film Momente voller Traurigkeit und großer Sehnsucht und erzeugt eine Stimmung großer Innigkeit. Freiheit sieht anders aus.