Direkt zum Hauptbereich

BEAST COPS (Dante Lam, HK 1998)

Als sich der Bandenboss Big Brother Fai kurzzeitig aus dem Staub macht, übernimmt frecherweise dessen Ziehsohn Pushy Pin (Patrick Tam) seinen Posten und führt ein hartes Regiment im Vergnügungsviertel. Brother Tung (Anthony Wong), seines Zeichens korrupter und spielsüchtiger Polizist, versteht sich hervorragend darauf, die Machtverhältnisse im Viertel auszubalancieren und so ein illegales, aber dafür stabiles Miteinander zu garantieren. Als ihm ein neuer Chef vor die Nase gesetzt wird (Michael Wong, der Mann mit dem hölzernen Gesicht) muss er diesen erstmal einnorden. Unguterweise zeugt Cheung aber erstmal ein Kind mit der Ex von Big Brother Fai. So destabilisiert sich die Lage zusehends, und als Big Brother plötzlich wieder auftaucht geht die Hackerei mit den Macheten los.

Was sich hier nach viel Handlung anhört, ist es eigentlich gar nicht. Der Film gefällt sich in ausgiebigen Nachtdarstellungen Hongkongs und in der peniblen Portraitierung seiner Charaktere. Insbesondere Anthony Wong muss lobend erwähnt werden, der liefert eine der Rollen seines Lebens. Und auch wenn der Film etwas Anlaufzeit benötigt, im Mittelteil wenig Action zu bieten hat, dann -man vermutet es bereits- kann es nur geballt am Ende kommen. Und so ist es auch: ein grimmiges Schlachfest wird da abgeliefert und zugleich hält Dante Lam die Balance in der der Humor nicht zu kurz kommt. Wie das gemacht wird, über Dialoge und den Musikeinsatz etwa, müßte man sich nochmal genauer ankucken. BEAST COPS ist jedenfalls ein erstklassiger Hongkong-Film.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Nippon Connection 2017 ~ Love lost and found in Hakodate: Over the Fence von Nobuhiro Yamashita (2016)

Eine Frau (Yu Aoi) rennt über die Straße, sie streitet sich mit ihrem Begleiter – er soll sich gefälligst mehr um die Kinder kümmern. Plötzlich führt sie einen abgehackten Stakkato-Tanz auf, der, wie man später erfährt, das Balzritual eines (Vogel) Straußes ist. Aus einiger Entfernung betrachtet Joe Odagiri diese absurde Szene und fragt sich  – wie der Zuschauer – ob diese Frau noch alle Tassen im Schrank hat. Er selbst hat Tokio vor ein paar Monaten den Rücken gekehrt, nachdem ihn seine Frau mitsamt der Tochter nach einem tragischen Vorfall bereits vor Jahren verlassen hatte. Nun ist er traumatisiert und arbeitslos und muss an einem Lehrgang zur Schreinerlehre teilnehmen, um weiter Arbeitslosengeld zu beziehen. Mit ihm eine ganze Reihe von Berufsjugendlichen, und diese gründen eine Softball-Mannschaft, da auch die sportliche Fitness vom Staate vorgeschrieben ist. Allerdings stehen sie lieber rauchend in der Ecke und unterhalten sich über alles mögliche, vor allem aber das Leben un…

I Am a Hero (Shinsuke Sato, Japan 2016)

Hideo Suzuki ist der Protagonist dieses Films und sein Vorname lässt sich in Kanji geschrieben wohl auch als Held lesen. Eine Tatsache, die der schüchterne Hideo verlegen weit von sich weist. Das sei er nämlich ganz sicher nicht. Vielmehr ist er, wie seine langjährige Freundin stets betont, vor allem ein richtiggehender Loser, der immer noch einem jahrzehntealten, realitätsfernen Jugendtraum nachhängt, ein echter Mangaka, ein Mangazeichner, zu werden. Nicht nur ein namenloser Assistent, der er nämlich ist. Der Filmtitel darf also getrost ironisch gelesen werden - und deutet doch darauf hin, dass mit seinem Protagonisten etwas passieren wird: ein Reifeprozeß, als es eben nicht mehr anders geht, als er dazu gezwungen wird, "seinen Mann zu stehen". Das muss er für seine Ersatzfamilie, eine Krankenschwester und das Schulmädchen Harumi, das sich zur Hälfte in einen Zombie verwandelt hat. Aber eben nur halb, und da sie sich kaum mehr richtig bewegen kann - dabei aber schubweise …

Nippon Connection 2017: Kohei Taniguchis Independent-Wrestling-Komödie DYNAMITE WOLF (Japan, 2017)

Der kleine Hiroto, oben links außen auf dem Bild, steckt in der Krise: er ist zwar erst in der Grundschule, doch kann er sich partout nicht dafür entscheiden, welchen Freizeit-Kurs er an der Schule belegen soll. Es versucht es mit Fußball, das endet aber dramatisch als Desaster. Da gerät er zufällig in ein Wrestling-Match mit dem berühmten Dynamite Wolf und ist wie elektrisiert: das Spektakel, die Inszenierung, das Toben der Leute vor Begeisterung - ja, da schlägt sein Herz höher und zum ersten Mal lächelt er dann im Film. Seinen Eltern und den Mitschülern erzählt er erstmal nichts von seiner neuen Leidenschaft, ist doch seine einzige Möglichkeit zu trainieren die Bekanntschaft mit einem merkwürdig abgerissenen Gesellen am Flußufer (oben rennend), der mit einer umgebauten Dummy-Sexpuppe als Sparringspartner trainiert. Ob das der richtige Umgang für einen Jungen ist, das darf mit Fug und Recht bezweifelt werden.
 Aber natürlich, so will es das Gesetz des Films: es hätte ihm nichts Be…