DVD BluRay

Donnerstag, 29. Januar 2009

Snapshot Shorts Vol. 3


Chocolate Prachya Pinkaew, Thailand 2008

Der Ong-Bak-Nachfolger überzeugt durch sympathische Darsteller und üble Fieslinge, atemberaubende Kampfszenen und einen zurückhaltenden Score. Der Plot trägt durchaus über die Spielzeit, lediglich gegen Ende wird es etwas Selbstzweckhaft. Doch da ist man schon längst dem kleinen Wirbelwind verfallen und genießt die Action - was für ein Augenschmaus. Ganz toller Film.


Blood: The Last Vampire Hiroyuki Kitakubo, Japan 2000

Die Vampirin Saya hat an Halloween im Jahre 1966 den Auftrag, auf einer US-Airbase vor Tokyo drei Dämonen zur Strecke zu bringen. Zum Glück ist sie eine versierte Schwertkämpferin!
Dieser Film begeistert vor allem durch seine umwerfende Dynamik: er ist zu Beginn langsam genug, um die Handlung aufzubauen, und geht dann in der zweiten Hälfte dermaßen zur Sache, daß man sich fühlt, als würde man zum ersten Mal einen Actionfilm sehen. Zur Faszination tragen ein guter Score und enorm detaillierte Hintergründe bei, eine ausgefeilte Licht/Schattenarbeit (man denke an die U-Bahn-Szenen!) sowie eine ausgeprägte Affinität zu blutigem Splatterspaß. Das Blut sieht hier so gut aus, wie einst auf dem Kimono von Lady Snowblood. Leider fehlt irgendwie ein Mittelteil und die gut 40 min Laufzeit sind allzu schnell vorbei. Schade. Ansonsten sehr toll.

Sha Po Lang Wilson Yip, Hong Kong 2005

Jetzt habe ich es auch endlich mal auf die Reihe gekriegt, den meistbejubelten HK-Film der letzten Jahre anzuschauen. Nun, ich war erstmal maßlos enttäuscht. Aus beinah jedem Bild quillt das Pathos und der Kitsch, dazu ein entsetzlicher Soundtrack, der noch ordentlich Sahne über alles gießt. Scheußlich.
Mit zunehmender Laufzeit entwickelt der Film allerdings einige originelle und interessante Handlungsstränge, vor allem das Thema Vaterschaft ist prominent. Die Intensität der Kämpfe und die Brutalität nimmt ebenso zu, um sich in einem superschnellen Finale zu entladen. Sammo Hung ist eine Augenweide. Da kommen die Twist gerade recht: sehr herb erwischt es einen, und wenn man denkt, man hat es geschafft, bekommt man nochmal einen übergebraten. Guter Film, aber die Bildästhetik sagt mir überhaupt nicht zu.


Infernal Affairs III / Wu jian dao 3 Andrew Lau/Alan Mak, HK 2003
Ein völlig unnötiger Film, der sich in seinem Zeitsprung-Patchwork verliert, auf seine Stars Andy Lau und Tony Leung setzt, dabei aber die Hauptdarsteller des ersten und zweiten Teils Eric Tsang und Anthony Wong verheizt. Schade schade, solide sieht das ja aus - man wird aber den Eindruck nicht los, daß da mit Gewalt an einer Story gestrickt wurde um noch ein paar Dollar aus dem Projekt rauszuholen.

An Autumn's Tale
von Mabel Cheung (HK 1987), gehört zu den großen Erfolgen an der Kinokasse im Heimatlande, und vermutlich hat so etwa jeder zweite Chinese mit einem Herz für Romantik dieses mehrfach prämierte Liebesdrama gesehn. Chow Yun-Fat und Cherie Chung sind aber auch zwei famose Grimassisten, die es ins Exil, nämlich nach New York verschlagen hat. Dort leben sie in einem 1a Abrißhaus und kommen sich langsam näher. Der Verlobte der Dame hat dummerweise 'ne andere usw usf, und es findet dann am Ende ein Herz zum andern - wer zu wem, verrate ich aber nicht! So der Hammer ist der Film jetzt nicht, daß er auf Platz 46 der besten HK-Produktionen aller Zeiten gewählt werden müßte, aber der Massengeschmack treibt's nei, gell, in die Bestenliste. Halt das übliche - und weniger, das finde ich schon, darf man aber auch nicht geboten bekommen.

Montag, 26. Januar 2009

Falten und Fallen: Außerasiatische Verirrung Pt. 2

Twentynine Palms Bruno Dumont, D/Fr/USA 2003

Man könnte es sich leicht machen und so Sachen sagen wie: „Der eigentliche Protagonist dieses Films ist die Landschaft!“, eine Augenbraue gewichtig hochziehen und mal die Worte so richtig einsinken lassen und darauf warten, ob einem anderen in der Runde noch was Gescheites dazu einfällt. Das erinnert mich an einen Freund, einen Philosophiestudenten, der davon überzeugt war, dass Miteinander-Reden prinzipiell ein Disput sei, den man mittels rhetorischen Könnens für sich entscheiden könne. Als gäbe es etwas zu gewinnen, ein battle der Argumente sozusagen. Und wenn man keine mehr habe, dann sagt man halt was mithilfe eben jener Tricks, die ich nicht kenne. Ich habe dummerweise nie Philosophie studiert und viele der Gespräche ‚verloren’ – komisch, unsere Freundschaft hat dann auch nach dem Studium nicht lange gehalten.

Das Miteinander-Sprechen ist vielleicht das Eigentliche um was es hier geht, bzw. das Nicht-Miteinander-Sprechen-Können. Das macht schon die unterschiedliche Herkunft der Protagonisten deutlich, die dann aber, ganz anders als es im Booklet verlautbart wird, nicht zu völliger Kommunikationsunfähigkeit führt. Das Problem ist vielmehr, daß sich die beiden wenig bis nichts zu sagen haben. Ging mir auch schon so, muß ich zugeben. Im Urlaub ist das natürlich dann doof. In Frankreich geht man in solchen Fällen Kaffee-Trinken oder mietet ein Kajak um die Ardèche hinunter zu paddeln. Im Joshua Tree-Nationalpark geht das leider nicht. Da ist nämlich nix (– hätten prima Klettern gehen können, allerdings). Die beiden sind also neben dem Location-Scouting vor allem mit sich selbst beschäftigt – oder gewichtiger ausgedrückt (Augenbraue!): auf sich selbst zurückgeworfen. Bei ihm bedeutet das, sehr viel Zeit für seine Gefühle unter der Gürtellinie zu haben, wogegen sie sich eher schlecht wehren kann. Sie ist ja eine Frau, die kräftemäßig unterliegt. Der Sex ist dann auch wenig romantisch, sondern abstoßend brutal und überschreitet für meine Begriffe die Grenze zur Vergewaltigung mehrfach (Blow-Job-Szenen). Was will uns Dumont damit sagen? Vermutlich, daß es gar nicht um den Sex geht, sondern um etwas anderes: die Einsamkeit der Figuren. In der gelebten Sexualität offenbart sich diese Einsamkeit lediglich. Die stärkste Waffe der Frau jedoch ist das Mundwerk, aus dem oft Widersprüchliches quillt. Nun ja, das mag beim Flirten noch spannend sein, „die mysteriöse Frau“, beim Alltag in der Wüste aber ist das oft eher nervig. Schon wieder Distanz...

Er hat dann auch die tolle Idee, sie mal mit seinem Hummer fahren zu lassen, einem Panzer von Jeep, sozusagen. Das bringt Abwechslung in die Bude,!, doch es kommt dann recht schnell raus, daß sie zu dicht an Büschen vorbeifährt, durch tiefe Schlaglöcher usw. Das geht natürlich nicht! Da kommt direkt Stress auf, und das ist hier natürlich dann gleich Beziehungsstress. Man fragt sich, warum er sich das antut. Schreiben viele so, überall. Ich sage: warum tut sie sich eigentlich dieses Brutaloarschloch an, der sie permanent missbraucht? Ihre Worte der Liebe dienen denn auch eher zur Selbstversicherung und können nicht erwidert werden. In der Wüste merkt man, daß einer lügt.

Das Ende hätte ich so nicht erwartet, da dreht der Film dann auf und setzt einen finalen Gewalthammer. Vielleicht ein wenig viel, aber: die Bestie in uns ist eben manchmal nicht mehr zu kontrollieren, und was weiß ich schon vom Leben!

Nun denn: ein großartiger Film, wie ich finde. Man könnte jetzt noch etwas über die Kamera schreiben, wie sie ihre Protagonisten aus dem Bild laufen läßt, usw. Aber das dann vielleicht nächstes Mal. Daß man bei diesem Film auf sich selbst zurückgeworfen wird (!), beim Versinken in diesen Bildern der Weite, ist sicherlich nicht das Schlechteste. So wie da muß es nicht sein, klar, und wer viel Angst hat sagt: niemals, bei m i r ist das nicht so! Ich freu’ mich schon auf den nächsten Urlaub, auf die ganzen Pärchen, die genau davon felsenfest überzeugt sind, SO nicht zu sein. Und dann mal kucken, was die so machen, wie die so miteinander reden. Wer wem wie an den Arsch fasst. Ich glaube dir nicht - die Wüste ist auch in dir!

Sonntag, 18. Januar 2009

Sasori - Grudge Song (Yasuharu Hasebe, Japan 1973)

Nach drei SASORI-Filmen konnte Meiko Kaji den Scorpion noch nicht ruhen lassen, und fand in Hasebe, mit dem sie schon STRAY CAT ROCK: SEX HUNTER! gedreht hatte, einen von ihr präferierten Regisseur für dieses Sequel.

Leider kann der vierte Teil visuell nicht ganz mit den übrigen dreien mithalten, auch wenn man sieht, wie sehr sich Hasebe bemüht, stilistisch Itos Linie weiterzuführen. Auch sind einige Einstellungen für mein Gefühl etwas zu lang geraten.
Positiv fest zu halten ist jedoch eine deutliche Fokusverschiebung auf ein gutes Drehbuch - inhaltlich und politisch wirkt dieser Teil sehr ausformuliert. Der Plot um den ebenfalls durch die Polizeigewalt mißbrauchten politisch-aktiven Studenten, in dem Matsu einen Gefährten findet, trägt zur Qualität der Erzählung einiges bei. Plotentwicklung: eine Sache, die im zweiten Teil etwas kurz kam. Der sich anschließende Part im Gefängnis ist dann wieder sehr herb geraten (Vergewaltigungssequenz der Wärterin durch die Polizisten), um am Ende in einem furiosen Duell unter dem Galgen zu enden. Auch sehr schön ist die auf Kontraste abzielende Musik.

Also: glaubt nicht den Unkenrufen! Jeder der Teile ist mehr als sehenswert - und würden sie alleine stehen und nicht im direkten Vergleich gewertet werden, wäre jeder Film für sich genommen absolutestes Pflichtprogramm.

Dass die Serie jetzt ein Ende hat, ist tatsächlich kaum zu ertragen. Hat sie mir doch noch besser gefallen als etwa LONE WOLF AND CUB oder die HANZO-Reihe.

Samstag, 17. Januar 2009

Sasori - Den of the Beast (Shunya Ito, Japan 1973)




Als die gesuchte Mörderin Sasori (Meiko Kaji) zufällig von einem Polizeiinspektor in der U-Bahn entdeckt wird, sieht er die Chance zu einer spektakulären Festnahme gekommen; die wird es auch, denn als er sie mit den Handschellen an sich kettet werden sie von den sich schließenden Bahntüren getrennt. Sasori jedoch zieht ein großes Messer aus dem Umhang und schlägt dem Inspektor mit zwei, drei Hieben den Unterarm ab. Da fährt die Bahn los, und Sasori flüchtet mit dem durch die Luft schwingenden halben Arm am Handgelenk durch die U-Bahn-Gänge.

Inspektor Hondo (Mikio Narita, der übrigens physiognomisch ein wenig wie Susumu Terajima aussieht, ein toller Schauspieler aus der leider zweiten Reihe, der aber auch in Sabus Filmen oder  in HUNTER IN THE DARK und KARATE BULLFIGHTER, GRAVEYARD OF HONOR und THE HOODLUM SOLDIER von Yasuzo Masumura mitgespielt hat) hat nun selbstredend seine persönlichen Revenge-Gelüste zu stillen und jagt Sasori mit unerbittlicher Härte, die sich schlussendlich nur noch in die Kanalisation retten kann. Dort bekommt sie Hilfe von der Prostituierten Yuki (Yayoi Watanabe), die sie durch die Kanaldeckel mit Nahrungsmitteln versorgt. In diesen Momenten zeigen sich die schönsten Stellen des Filmes: Yuki zündet ein paar Streichhölzer an, und läßt diese durch die Schlitze in die Gänge der Kanalisation hinabregnen, sodass, die Kamera nun unten in der dunklen, schmutzigen Anlage, sich Sasori ein feinleuchtender fallender Lichtregen zeigt, ein poetischer Hoffnungsschimmer, der vor dem Hintergrund der endlosen Gänge eine halluzinatorische Schönheit offenbart. Die Solidarität der Frauen rührt zu Tränen.

Dieser poetische Impetus steht der krassen, realistischen Gewalt (siehe etwa die Armszene vom Anfang des Films) entgegen - und so ist gerade in der Gegensätzlichkeit der Inszenierungsmodi einer der Reize dieses Sasori-Films zu finden. Die herbe Bitterkeit, mit der die Gewalt hier ausgestellt wird, hat nichts von einem genüsslichen Ausstellen des Skurrilen, das dem Exploitationkino gerne vorgeworfen wird. Davon ist dieser Film meilenweit entfernt. Matsu kämpft um ihr Leben, der Dreck ist der Dreck, und die Gewalt in ihrer herben Realität zum Fürchten. Bombastisch guter Film.

***
 

Montag, 12. Januar 2009

*** Gast - Review ***

[ Bereits seit einiger Zeit spukt mir immer wieder im Kopf herum, auch andere Leute auf dem Blog zu Wort kommen zu lassen. Umso mehr freut es mich, daß der von mir besonders geschätzte Forenkollege PASHEKO, filmforen-Urgestein und grandhomme der Trashologie, hier den Anfang macht. Über diesen Link gelangt ihr zu seinem Filmtagebuch, das wirklich unzählige Kostbarkeiten enthält. Viel Spaß! ]


KANZO SENSEI /Dr. Akagi (Shohei Imamura, Japan/Frankreich 1998)

1945: Der Landarzt Akagi rennt von einem Patienten zum nächsten, nur um doch jedesmal Hepatitis zu diagnostizieren. Das trägt ihm den Spitznamen "Dr. Leber" ein und obwohl die Krankheit zu diesem Zeitpunkt wirklich stark verbreitet ist, scheint der Mediziner auch ziemlich besessen von ihr zu sein. Als er einen geflüchteten holländischen Kriegsgefangenen bei sich versteckt, um dessen Folterwunden zu heilen, bekommt er bald Ärger mit dem Militär...

Ein Jahr nach dem fabelhaften Unagi ist Imamura wieder eine wundervolle Mischung aus komischen und traurigen Momenten gelungen, die einem gehörig das Herz erwärmt. Neben all den liebenswerten Figuren, die trotz ihrer Fehler, Spleens und Schwächen in einer unmenschlichen Zeit die Courage besitzen, nicht von ihren ethischen Grundsätzen abzuweichen, überläßt der Film durch seine Offenheit und Ambivalenz es auch dem Zuschauer, die Geschehnisse endgültig zu bewerten. Von Pathos, Kitsch und Klischees weit und breit keine Spur. Feinstes Kino.
(Alex Klotz)

Sonntag, 11. Januar 2009

Tekkonkinkreet (Michael Arias, Japan 2006)


In 'Treasure Town' leben die beiden Straßenkinder Kuro (Black) und Shiro (White), zwei 'Cats', die sich katzengleich fortbewegen, aber durchaus auch mal durch die Lüfte segeln können. Ihr Alltag allerdings ist wenig lustig: die elternlosen Kinder müssen ständig ihr Revier gegen eindringende Straßenbanden verteidigen. Als der Gangster 'Snake' sich mit den örtlichen Yakuza assoziiert, um aus 'Treasure Town' einen Freizeitpark zu machen, ist es schlecht um unsere Helden bestellt; denn zu allem Unglück heuert er nicht nur schießwütige Revolverexperten an, sondern auch alienartige Superpowermonster mit wahnsinnigen Kräften und einem ausgeprägten Hang zum Töten.

Ein wunderbarer Anime, der sich aus dem Prinzip des Ying und Yang aufbaut. Als die beiden Protagonisten getrennt werden, fehlt dem anderen die komplementäre Hälfte, die ihn zu bändigen weiß. So sind die beiden ohne den anderen jeweils unvollständig. Gespiegelt wird das an der Familiensituation eines Yakuza, aber auch bei den beiden Protagonisten wird das deutlich formuliert: Shiro habe die Schrauben, so sagt er, die Kuros Herzen fehlen, um richtig funktionieren zu können. Wenn man niemanden habe, um den man sich kümmern könne, dann sei das Leben sinnlos, usw. usf.

Dies sind nun wahrlich keine Neuigkeiten auf dem Esoterikmarkt, Arias gelingt allerdings eine ziemlich kitschfrei Einbettung der Elemente in ein soziales japanische Mythengefüge, das im Zusammenspiel mit der (schon immer) herausragenden Musik der Band PLAID, zu einem ergreifenden, schließlich erhabenen Zustand der Rezeption führt. Für solch eine Rührung muß man sich nicht schämen - ähnlich ergriffen war ich wohl nur zuvor bei Isao Takahatas Werken oder bei Darren Aronofskys THE FOUNTAIN. Auch die Entscheidung, die bildgestalterische Homogenität beim Abdriften in Phantasie-, Traum- und Schmerzwelten aufzugeben, bereichert den Film ungemein (der so die Brücke zu Shiros selbstgemalten Bildern schlägt) und macht aus all der Dynamik und dem Reichtum der Ideen ein wahres Kunstwerk. Ich bin begeistert.

Mittwoch, 7. Januar 2009

Sasori - Jailhouse 41 (Shunya Ito, Japan 1972)


Nachdem Sasori ein ganzes Jahr im Gefängnis in Isolierhaft verbringen mußte (eigentlich in einem feuchten Kellerloch), gelingt ihr mit einigen Mitinsassinnen der Ausbruch. Ziel ist wieder einmal, Rache an den Peinigern zu üben.

Auch im zweiten Teil dieser Women-In-Prison-Serie wird kein gutes Haar an den Männern gelassen - es sind alles debile Vollkretins, die nichts anders als Mißbrauch und Demütigung im Kopf haben. Zu erleiden haben es natürlich die Frauen, die sich unter Bedrohung dann auch nicht anders zu helfen wissen, als mit äußerster Gewalt zu reagieren. Gut so. Interessanterweise ist dies alles im zweiten Teil weit züchtiger gestaltet als im ersten. Man sieht wenig nackte Haut, bei Gewalttaten sieht man nicht die Taten selbst, sondern das Ergebnis. Häufig werden die Szenen verfremdet, etwa ein Weglassen des Tones bis zur totalen Stille, Slo-Motion, Einsatz farbigen Lichtes, Verzicht auf Kulissen, Punktstrahler, konterkarierende Musik, Theaterbühnenzitate. Das wirkt oft wie ein subjektiver Einschub und die Szene wird tatsächlich so stark überformuliert, bis deutlich wird, daß im Abstrakten der Verfremdung neuer Sinn produziert werden soll. Das erinnert dann manchmal sehr an Brecht (Dreigroschenoper, z.B. - einmal kommt sogar eine Drehbühne zum Einsatz!), oder an JIGOKU.

Die Frauenfiguren sind demgegenüber aber nicht ausschließlich positiv gezeichnet - auf so einen simplifizierenden Feminismus läßt sich Ito nicht ein. Die Damen hassen sich, ja - töten sich sogar, wenn es die Situation erfordert. Selbstredend hat auch Sasori in diesem Teil wieder eine Antagonistin, eine besonder fies blickende Kräuterhexe. Die Ausreißerbande ist also nur eine Gemeinschaft auf Zeit, die sich in jedem Moment auflösen kann.

Durch ein Anreißen der persönlichen Schicksale der Frauen kommt doch mehr Tiefe in die Charaktere, als man zunächst vielleicht meinen möchte, und die Komplexität der Erzählung, die künstlerische Gestaltung ist eine doch weit bedeutendere Leistung, als wenn sich der Film in reinen Exploitationgewässern suhlen würde. SASORI - JAILHOUSE 41 ist davon weit entfernt.

Sonntag, 4. Januar 2009

Sasori - Scorpion (Shunya Ito, Japan 1972)

Nami Matsushima (Meiko Kaji) läßt sich vom gerissenen Polizisten Sugimi als verdeckte Ermittlerin in einer Drogensache anheuern - und auch das Bett darf sie mit ihm teilen. Als er die Bande auffliegen läßt, verrät er seine Geliebte und benutzt sie als Köder. Matsu wird von den Gangstern vergewaltigt. Beim Versuch sich an Sugimi zu rächen, wird sie geschnappt und kommt in den Knast. Dort allerdings wird sie von sadistischen Aufsehern mißbraucht und von rivalisierenden Mitinsassinnen gefoltert, beschimpft und verraten. Sasori sinnt auf den Ausbruch um sich an den Männern rächen zu können, die ihr das angetan haben.

Japan-Exploitation at it's very best. Ein Augenschmankerl jagt das andere, die Inszenierung ist wirklich sensationell kreativ und der Score phantastisch. Die Story trägt in ausreichendem Maße und bietet einen wunderbaren Women-in-Prison-Film, der sich nicht zu schade ist, in jedem ausbeuterischen Schmutztümpel ein Bad zu nehmen. Oben ohne, versteht sich. Und dann gibt es immer wieder diese kleinen Momente voller Aufrichtigkeit, beeindruckender Poesie, in der die Bilderkraft, die Musik und die großartige Meiko Kaji zusammenfinden. Fantastisch.

PS: Alex' Verweis auf diesen Film im Kommentar zu KICHIKU war sehr gut erinnert: ja, da gibt es diesen Blutfleck, der auf dem Laken sich zur roten Sonne der japanischen Flagge weitet, aber auch am Ende fast eine parallele Szene zu obigem Fim; denn beim Schlußkampf oben auf dem Hausdach wirft der sterbende Sugimi das Messer hoch in die Luft und, wie man beim Flug erst sieht, auf die japanische Flagge, die dort weht. Der Selbsthaß auf das eigene Land scheint durchaus vorhanden! Vielleicht sind ja die Japaner die Österreicher Asiens... :-)

Der Tempel der Shaolin / Siu Lam Chi (Chang Cheh, HK 1976)


Unter dem Terrorregime der Ching-Dynastie findet sich im entlegenen Shaolinkloster eine Vielzahl junger Novizen ein, die zumeist auf politischen Widerstand aus sind oder aus persönlichen Rachemotiven die hohe Kampfkunst der Mönche erlernen möchten. Viele entbehrungsreiche und schmerzvolle Jahre stehen ihnen bevor, bevor sie in unterschiedlichen Stilen zu Meistern heranreifen.

Dieser Film gehört für mich neben den 38 KAMMERN mit zu den schönsten historischen Martial-Arts - Bootcampfilmen. Eine Fülle origineller Ideen finden sich hier, und oft ist die Pointe die, daß angesichts der unwürdigen Dienste, zu denen die Aspiranten verdonnert sind, man zunächst nicht erahnen kann, wozu das gut sein soll. Später zeigt sich aber die Schläue der erfahrenen Mönche, die den Schülern gerade mit ihren primitiven Aufgaben die Grundlagen zu höchster Technikperfektion verhelfen -und dabei über die Demut noch ein wenig Respekt einflößen können. Ein überproportional langer Schlußkampf zieht das Ende etwas in die Länge, was aber den positiven Eindruck kaum schmälern kann.

Samstag, 3. Januar 2009

Kichiku dai enkai (Kazuyoshi Kumakiri, Japan 1997)


Als der Anführer Aizawa einer linksradikalen Studentengruppe in den Knast kommt, beginnt unter seinen Anhängern der Kampf um die Nachfolge. Hier tut sich insbesondere seine Ex hervor, die als nymphomanische Verrückte es recht schnell versteht, die Männer für sich einzunehmen. Wenig später allerdings rächt sich dieses Auserwähltsein, denn im angrenzenden Wald wird sich dieser Emporkömmlinge entledigt. Als die Gewaltschranken fallen gibt es kein Halten mehr, und der Alptraum zieht sich bis in die Schlußsequenzen im verfallenen Gebäude im Wald hin.

In meinen Augen ein echtes Highlight, den ich mindestens genauso gerne kucke wie Tsukamotos TETSUO. Wie Kumakiri hier den Ton zur DV-Kamera einsetzt ist großartig, immer verstörend, und umso faszinierender. Die Atmosphäre in der ersten Hälfte des Films ist enorm dicht um dann in der zweiten in eine Odysse der Gewalt abzudriften, die am Ende mit den Mythen und Traditionen Japans abrechnet, emblematisch eingefangen in dem Bild, als der wiedergekehrte Samurai sein Schwert in den roten Kreis der japanischen Flagge stößt.

Fantastischer Film des aus Osaka stammenden Regisseurs, der mit seinen Folgefilmen bewiesen hat, daß er zu den ganz großen Hoffnungen der japanischen Filmkunst gehört. KICHIKU ist immer wieder atemberaubend toll.

Hunter in the Dark / Yami no kayudo (Hideo Gosha, Japan 1979)

Edo im Jahre 1784: das Ende des Tokugawa-Shogunats. Eine korrupte Politik führt die zerstrittenen Clans zu gewalttätigen Machtkämpfen, bei denen jedes Mittel recht ist. Die allgemeine Korrupion führt zur Gründung von Geheimorganisationen, den Schattenkriegern. In diesen Wirren lebt der einäugige Ronin Yataro Tanigawa (Yoshio Harada), und verdingt sich als Auftragskiller. Zwischen den Rivalitäten zweier Banden scheint er zerrieben zu werden.

Gosha präsentiert uns ein enorm düsteres Chambara-Werk, das mehr an einen Yakuza-Film, als an einen Samuraistreifen erinnert. Und er packt eine ordentliche Portion Sleaze oben auf. Die Nackttänzerin reckt die Arme nach oben, und von der getöteten Hure regnet es das Blut auf die bloßen Brüste der Tanzenden. Im ersten großen Kampf, den Harada gegen eine Überzahl an Gegenern führt und der ihn fast das Leben kostet, kommt eine grimmige Wut zum Ausdruck, eine scharfe Blutwut, die frösteln macht. Enorm brutal, sehr realistisch (nun ja) werden Gliedmaßen abgehackt und die Leiber zerstochen.Nie tat das Stechen so weh wie hier. Und dann wird der Griff gedreht...
Allerdings muß man auch sagen, daß der Film gehörige Schwierigkeiten hat, in Fahrt zu kommen. Atmosphäre stellt sich erst mit zunehmender Laufzeit ein, und der wirre Plot mit der Großzahl an Figuren tut sein übriges. Da nutzen auch die Namen Tatsuya Nakadai und Sonny Chiba nichts. Die spielen alle gut, aber was genau da passiert, erschließt sich nicht so einfach. Die Kamera ist experimentell unkonventionell, was zusätzlich verstört und zugleich belebt. Der Schluß ist allerdings eine gehörige Lektion in Sachen Tristesse. HUNTER ist definitiv ein grimmiger Film.
Da die DVD leider enorm beschissen ist (Panorama HK), also sehr dunkel, sieht man bei den vielen Nachtszenen recht wenig, und die Untertitel, nun ja, die sind mal wieder die hinterletzte Grütze. Und das Booklet verrät bereits das Ende im Text. Schade um den Film...

The Place Promised in our early Days (Makoto Shinkai, Japan 2004)

[o.T.: Kumo no mukô, yakusoku no basho]

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Japan zwischen den Siegermächten aufgeteilt, welche fortan in Konkurrenz standen. Familien wurden getrennt, das Land geteilt, die Politik siegt über die Bedürfnsse der Menschen. Zum Zeichen ihrer omnipotenten Macht errichtete die Union einen Turm, der unendlich in den Himmel ragt.
Dieser Turm, und was es damit auf sich hat, wollen die Jugendfreunde Hiroki und Takuya herausfinden. Mit einem selbstgebastelten Flugzeug wollen sie über die Grenze fliegen und das Geheimnis lüften. Als sich die Schulfreundin Sayuri den Jungs anschließt, verlieben sie sich in das Mädchen, das auf schicksalhafte Weise mit dem Turm verbunden ist. Plötzlich aber verschwindet Sayuri...
Als Jahre später der Krieg zwischen den Mächten ausbricht, finden die Freunde erneut zusammen um nicht nur ihre Freundin zu retten, sondern auch um dem Krieg ein Ende zu setzen.

Shinkai konstruiert einen hanebüchenen Plot von einer Parallelwelt, in der die beiden Helden nicht nur ihre Adoleszenz meistern, sondern auch noch gleich die Welt retten müssen. Unterlegt mit so mancher philosophischer Anspielung erlaubt das dem Film auf der Bildebene in Vorstellungswelten und Träume abzugleiten, das aus dem ohnehin schon äußerst beeindruckenden bildgewaltigen Werk ein variantes Kaleidoskop der Kreativität macht, welches aber in seiner Farbenfülle nicht immer stilsicher ist und leider allzuoft in kitschige Bilder abdriftet. Wie auch die Handlung nicht nur gewöhnungsbedürftig sondern auch pathetisch ohne Grenzen ist. Das ist harter Tobak, geizt Shinkai auch nicht mit Effekten, ebensowenig wie mit zuckersüßer Musik, die an Herzschmerz kaum zu überbieten ist. Natürlich muß man auch hier die Entwicklung der japanischen Jugendkultur miteinrechnen, also: die Zielgruppe. Welche sich von unserer ja in so einigen Belangen deutlich unterscheidet, so auch in den Rezeptionsgewohnheiten.

Nun denn, ein bildgewaltiges Werk, das von traurigen Jugendlichen erzählt, unerfüllter Liebe und Verwicklungen in staatspolitischen Dimensionen vor dem Hintergrund einer alles okkupierenden Parallelwelt.

Lobend erwähnt sei die tolle Aufmachung der Rapid Eye Movies-DVD, die den Film im O-Ton mit guten UT bietet, aber auch mit einer exzellenten deutschen Synchronisation. Interviews mit den Verantwortlichen werden ebenso geboten wie ein Schmankerl vom Pons-Verlag, der noch einen kurzen Aufriß eines Sprachkurses dazupackt und an einigen wenigen Szenen des Films die Basics der japanischen Sprache erläutert. Eine rundum gelungene Veröffentlichung also.

Es ist soweit, der Marathon beginnt...

Bestes Wetter draußen, wahrscheinlich ist es also saukalt - da ist es doch gut, wenn man drinnen bleiben darf. Der Filmtag ist übrigens nicht geplant, ich ziehe einfach was aus dem noch-zu-schauen-Regal, was mir gerade behagt... Der erste Kaffee ist getrunken, Wasser war auch schon im Gesicht, es kann losgehen!