DVD BluRay

Donnerstag, 26. Februar 2009

Tora-San's Cherished Mother (Yoji Yamada, Japan 1969)



Im zweiten Teil der Serie kehrt Torajiro (Kiyoshi Atsumi) wieder einmal nach Hause zurück; dort erfährt er, daß seine Schwester Sakura (Chieko Baisho) einen Sohn geboren hat, Tora-chan nun Onkel geworden ist. Diese Neuigkeit setzt ihm sehr zu. Er windet sich aus der emotionalen Situation heraus, indem er behauptet, nur auf der Durchreise zu sein. Er schafft es aber nur ein paar Straßen weit, denn dort trifft er auf seinen ehemaligen Sensei Tsubouchi (Eijiro Tono), mit dem er gleich ein Saufgelage veranstaltet. Die attraktive Tochter des Lehrers hat es ihm außerdem sehr angetan. Der weise sensei überzeugt ihn schließlich, nach Kyoto zu reisen und seine verschollene Mutter aufzusuchen. Voller Angst macht er sich mit Natsuko (Orie Satoh) auf den Weg...

Teil zwei ist vor allem eines: narrativ stringenter. Schien der erste Teil noch etwas episodisch, so haben wir es hier mit zwei miteinander verknüpften Haupterzählfäden zu tun, die der Erzählung größere Geschlossenheit verleihen. Allerdings bietet sie auch weniger Witz, dafür ordentlich Tragik. Wer auf seichte Familienunterhaltung gesetzt hat, ist in dieser Episode falsch. Probleme des Erwachsenen, unter anderem die Auseinandersetzung mit dem Tod, stehen im narrativen und emotionalen Zentrum. Ein Film über verpasste Gelegenheiten und tragische Abschiede. So sagt Tora einmal: "das Gesicht lacht, aber das Herz weint."

Montag, 23. Februar 2009

Tora-san: Our Lovable Tramp / Otoko wa tsurai yo / Tora-San 1 (Yoji Yamada, Japan 1969)



Nach zwanzig langen Jahren des Umherstreifens kehrt Torajiro (Kiyoshi Atsumi) nach Hause zurück: nach Shibamata, einem Vorort von Tokyo. Seine Schwester Sakura (Chieko Baisho) lebt mittlerweile bei Onkel und Tante, da die Eltern verstorben sind. Dort wird er mit offenen Armen empfangen, auch wenn alle wissen, was er für ein Herumtreiber ist. Sakura steht kurz vor der Hochzeit mit dem Sohn eines reichen Industriellen. Somit wäre für ihre Absicherung gesorgt. Zum gemeinsamen Essen mit dessen Eltern nimmt sie Tora als Begleitung mit; das allerdings war ein Fehler: in fantastisch kopfloser Weise betrinkt er sich und ruiniert mit seiner gespielten weltläufigen Gesprächsführung die Zusammenkunft - er verstößt in jeder Form gegen die gebotene Etiquette. Wie er auch im Folgenden, wenn er sich in die Brust wirft, um etwas für andere zu regeln, ein pures Chaos schafft und alles durcheinander bringt.

Der Film allerdings ist keine reine Komödie. Denn Tora werden die Verfehlungen vorgehalten, ihm wird immer klar gemacht, was er für ein verantwortungsloser Herumtreiber und Tagedieb ist. Sein guter Wille allerdings wird auch erkannt, und letztlich werden beide Augen zugedrückt, und er wird in den Schoß der Familie wieder aufgenommen. Allerdings nur bis zum nächsten Debakel, das alle an den Rand der Verzweiflung bringt, Tora wieder seinen alten, abgenutzten Koffer packt und sich auf die Reise macht.

 
Regisseur Yoji Yamada hat mit seiner Tora-San - Figur bestes, intelligentes Feelgood-Kino geschaffen - aber nicht ausschließlich. Denn zugleich gelingt es ihm, Raum für ernstere Töne zu lassen und auch gesellschaftskritische Aspekte einzubinden. Deutlich wird das bei der Hochzeit Sakuras und der Rede des Brautvaters, gespielt von Takashi Shimura. Eine zugleich rührende Szene ist das. Aber hinter der Komödie scheint auch immer die Tragödie hindurch. Das Tragische ist Tora-sans Charakter inhärent; letztlich ist er zerbrechlicher, als es den Anschein hatte.

Die Tora-San Filme wurden ein riesiger Erfolg in Japan und bescherten der Produktionsfirma Shochiku ein gesichertes finanzielles Fundament. Kein Wunder also, daß Yamada bald im Jahreshythmus ein bis zwei neue Folgen der Serie abdrehte - und alle wurden begeistert aufgenommen. So entstand eine der größten Serienfilmreihen der Welt. Yamada drehte 46 der insgesamt 48 Teile, und man weiß nicht, wieviele noch gekommen wären, wäre nicht 1996 der Hauptdarsteller Kiyoshi Atsumi verstorben. Yamada allerdings dreht weiter und weiter; so folgte mit großem internationalem Aufsehen seine Samurai-Trilogie TWILIGHT SAMURAI, THE HIDDEN BLADE und LOVE AND HONOR, sowie jüngst sein emotional überwältigendes Familiendrama KABEI: OUR MOTHER.


Sonntag, 22. Februar 2009

Who can kill a child? / Ein Kind zu töten...

Weitere Kritiken zur DVD von Bildstörung finden sich auf deren Homepage. Den Link findet ihr in der Sidebar.
Hervorheben möchte ich noch die Ehrung zur GIPFEL-VÖ bei DVDHeimat, einer sehr ausführlichen und fundierten Review-Seite. Hier geht's lang: click. Wer sich mehr für die philosophischen Aspekte interessiert, sollte sich mal den Text bei f.lm ansehen: clack.
Ich freue mich über die sehr positive Aufnahme der Scheibe und werde demnächst mal eine teure Flasche Rotwein drauf köpfen. Salute!

Im Todesnetz der gelben Spinne / Web of Death (Chu Yuan, HK 1976)


[o.T.: Wu Du Tian Luo]

Wer in Besitz des Netzes des Todes gelangt, das eine magische Spinne unter Hochdruck aussprühen kann, wird alle Macht der Welt vereinen können - oder zuminest die Herrschaft über die in der Nähe ansässigen, konkurrierenden Clans. Die Bruderschaft der Five Venoms scheut keine fiesen Tricks, um in das Kloster zu gelangen und die Spinne aus der Grabanlage zu rauben.

Die Ehrbaren bleiben zunächst mal auf der Strecke, das ist klar. Und als der Film immer mehr das Thema Rache thematisiert, erhalten die Charaktere die Möglichkeit, über sich hinauszuwachsen und persönliches Leid unter ein größeres Schicksal unterzuordnen.

Dieser kitschige Shaw-Brothers-Film kann ziemlich Spaß machen. Es ist ein reines Studioprodukt, das voll auf seine Schauwerte setzt. Tolle Bauten, unterirdische Anlagen, kitschige Außenszenen und in Farbfilterlicht verfremdete Szenen harmonieren auf das Beste mit schnellen Kampfszenen, die eher ungekonnt inszeniert wurden. So geht halt alles sehr schnell und mit der Seilunterstützung muß dann eben etwas weiter gehüpft werden.

Der durchweg wirre Plot trägt nicht gerade zu einer ausgeklügelten Spannungskurve bei, aber wie gesagt: es sind die Schauwerte, die überzeugen. Besonders erwähnenswert ist die Flucht durch die unterirdischen Gänge, wobei in jedem Raum und in jedem Tunnel ein anderes, unvorhergesehenes tödliches Problem überwunden werden muß. So schleicht sich auch ein wenig Abenteuerfilm durch die Hintertür herein und man fühlt sich direkt an die entsprechende Szene in FROM DUSK TILL DAWN 3: THE HANGMAN'S DAUGHTER erinnert.

WEB OF DEATH ist kein Shaw Brothers-Pflichtprogramm, aber eine schöne Angelegenheit für Freunde des Bizarren.

Sonntag, 15. Februar 2009

Kikis kleiner Lieferservice (Hayao Miyazaki, Japan 1989)

[Kiki's Delivery Service / Majo no takkyubin - 102 mins)]

Bei den Hexenfamilien ist es ein uralter Brauch, daß die Kleinen mit dem 13. Lebensjahr ihr Zuhause verlassen, um ein Jahr in einer fremden Stadt alleine leben zu lernen und so ihre Hexenkenntnisse vervollkommnen zu können. Kiki macht sich mit ihrem Kater Jiji auf den Weg zu einem Städtchen an der Küste, wo sie bei einer schwangeren Bäckersfrau unterkommt, die gerade gut Hilfe gebrauchen kann. Dort betreibt Kiki recht bald einen florierenden Lieferservice, da sie auf ihrem Hexenbesen schnell überall hin gelangt. Aber es läuft nicht alles so, wie sie es sich wünscht...

Ein Kinderfilm, ein Coming-of-Age-Drama, eine gesellschaftskritische Liebesgeschichte - Kiki bietet für jeden etwas, denn der wohl temperierte Film ist mit feinen Actionsequenzen gespickt, vor allem die furiosen Besenritte sind da zu nennen, sodaß auch das adrenalinhungrige Auge verwöhnt wird. Ansonsten bekommt man Miyazaki in Reinkultur: das idyllische Dorf, liebende Eltern, europäisch anmutende Großstädte, Nebendarsteller die zu Typen verkürzt sind (Polizisten), tolle Landschaftsanimationen.

Aber auch als politische Allegorie kann der Film verstanden werden: als ein fernes Japan, das sich aus der Isolation aufmacht um Anschluß an die Welt zu bekommen. Auffällig ist zudem eine Art feministische Kraft: sind doch die Protagonisten des Filmes alles Frauen - die Männer jedoch relative Trottel bis maximal liebende Ehemänner. Hier bestimmen die Frauen, sie besitzen die Kraft, Dinge zu bewegen, zu verändern, und haben Männer als Autoritäten oder als Familienoberhäupter ganz sicher nicht mehr nötig.

Die Meisterschaft Miyazakis liegt vielleicht auch gerade darin, solch unterschiedliche Topoi in einem Film vereinen zu können, und ihn trotz der tonnenschweren japanischen Traditionen und Mythen, auf denen er fußt, federleicht wirken zu lassen. Und wenn die Menschen mit all ihrer Technik versuchen in den Himmel zu schweben, da muß die kleine Kiki nur auf ihren Besen springen und saust an ihnen allen vorbei - oder rettet sie, wenn sie wieder mal herunterfallen.

Donnerstag, 12. Februar 2009

Ein Kind zu töten... erscheint am 13. Februar!


Endlich ist es soweit: morgen ist offizieller VÖ-Tag für Narciso Ibanez Serradors Quien puede matar a un nino? / Who can kill a child?, der bislang in Deutschland indiziert war.
Das noch junge DVD-Label BILDSTÖRUNG hat nun diesen Mißstand endlich behoben - der Film erscheint in ausgezeichneter Qualität mit schönem Schuber, exklusiver Soundtrack-CD von Waldo de los Rios und dickem Booklet.

Einer der Gründe, weshalb mein Film-Marathon zu Beginn des Jahres nicht so richtig doll lospreschte war eben genau diese DVD-Veröffentlichung, da ich mich mit der Fertigstellung des Essays sputen mußte, das eben nun in Form des Booklets der DVD beiliegt - und im Layout mit Bildchen 13 Seiten ausmacht. Also: ein fettes Teil, dessen Titelseite übrigens das originale spanische Filmplakat ziert. Hier gibt es eine erste Kritik zur DVD von Marcus Stiglegger auf IKONEN.

Recht frisch ist auch die Nachricht, daß nun endlich das neu restaurierte Master der IM GLASKÄFIG - Veröffentlichung angekommen ist. Noch so ein prächtiger Film! Super.

Sonntag, 8. Februar 2009

The Quiet Family (Kim Ji-woon, Südkorea 1998)


Nachdem die Familie Kang endlich den Mut dazu hatte, die hektische Großstadt Seoul zu verlassen und in den Bergen eine Pension zu eröffnen, werden die Probleme nicht weniger: denn schon die ersten Mieter suchen die Abgeschiedenheit nicht wegen des Naturerlebnisses auf, sondern um sich das Leben zu nehmen. Vater Kang fürchtet den schlechten Ruf und überredet die anderen dazu, die Leichen im Wald zu vergraben. Als die Behörde allerdings endlich die langersehnte Straße baut, die Touristen heranspülen soll, kollidiert das dummerweise mit den an dieser Stelle verbuddelten Leichen. Nun gibt es kein zurück, also: alle ausgegraben, und woanders wieder eingeerdet. Das ist aber nur das kleinste Problem, mit dem die Familie zu kämpfen hat.

Schwarze Komödien aus Korea können ja so gut sein! Kims Debut hat noch nicht die narrative Dichte vom nachfolgenden THE FOUL KING (2000), dem Kurzfilm MEMORIES von der Kurzfilmkompilation THREE (2002) oder dem glänzend inszenierten A TALE OF TWO SISTERS (2003), ist aber nicht nur wegen Choi Min-sik und Song Kang-ho einen Blick wert, sondern ist mit einem feinen Gespür von Humor inszeniert, der ständig in die Groteske umzuschlagen droht. Dabei hat dieser Film noch deutlich mehr Bodenhaftung als der nicht minder großartige japanische Crazy-Family-Film DIE FAMILIE MIT DEM UMGEKEHRTEN DÜSENANTRIEB (1984, Sogo Ishii), der sich aber mehr an Problemen der japanischen Gesellschaft abarbeitet, als QUIET FAMILY an koreanischen, welcher nur bedingt mit glaubwürdigen Prämissen arbeitet.
Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, daß Takashi Miike mit THE HAPPINESS OF THE KATAKURIS (2001) ein gelungenes Remake kreierte. Den Schauspieler Song Kang-ho wird man übrigens hoffentlich bald in Park Chan-wooks Vampirfilm THIRST sehen können.

Freitag, 6. Februar 2009

The Guard Post 506 (Kong Su-chang, Südkorea 2008)


Nachdem an der entmilitarisierten Zone am Wachtposten 506 ein Massaker stattgefunden hatte, soll der Fall von Major Noh aufgeklärt werden. Seine Vorgesetzten geben ihm dafür genau eine Nacht Zeit. Im weitverzweigten unterirdischen Bunker der Anlage wurde der Soldaten Yoo mit der Axt in der Hand gefunden, um ihn herum ein Blutbad und allenthalben zerstückelte Körper. Was hatte ihn dazu gebracht, diese Tat zu begehen? Und weshalb beginnen bereits die Männer von Detektiv Noh verrückt zu spielen? Da scheinen sich plötzlich die Vorgänge zu wiederholen - ein gefährlicher Aggressionsvirus scheint die Ursache zu sein...

Eine Art Armee-Horrorfilm wird da geboten, weniger stimmungsvoll als THE BUNKER (Rob Green, 2001) leider, dafür ordentlich koreanisch brutal. Ob das nötig gewesen ist, weiß ich nicht - die gorehounds werden ihren Spaß haben. Die Inszenierung ist ansonsten ordentlich, mehr aber auch nicht; ja, teilweise sogar unfreiwillig komisch in den "Zombie-"Momenten, wenn etwa vom Virus entstellte Soldaten gezeigt werden. Die Musik ist durchweg zurückhaltend im Hintergrund, wenn aber vorhanden, dann eher scheußlich altbacken.
Inhaltlich ist die Grundidee durchaus interessant, doch aber durch eine zusätzliche Anhäufung von Subplots sehr unübersichtlich ausformuliert, was im narrativen Ablauf durch eine komplexe Flashbackstrategie noch intensiviert wird. Sich in den Zeitebenen zurechtzufinden ist nicht immer leicht, und wenn man sich verortet hat, muß man sich wieder die Hauptfiguren des entsprechenden Zeitraumes ins Gedächtnis hochladen. So gesellt sich ein Problem zum anderen.

Insgesamt durchaus spannend, allerdings in vielerlei Hinsicht überfrachtet. Zudem verschenkt der Film leider sein atmosphärisches Setting.