DVD BluRay

Donnerstag, 30. April 2009

Falten und Fallen: Außerasiatische Verirrungen Pt. 4


Electra Glide in Blue/Harley Davidson 344
(James W. Guerico USA, 1973)

Ein sehr ungewöhnlicher Bikerfilm, sowohl inhaltlich als auch bildgestalterisch. Die Motorradfahrer sind in diesem Film die Cops, die während ihrer langen, öden Schichten im Monument Valley außer die Aussicht zu genießen, nichts zu tun haben. Klar, da wird dann eigentlich jeder der durchkommt kontrolliert oder gehasselt (vgl. UNTER KONTROLLE von Jennifer Lynch). Insbesondere, wenn der noch nach Sub- oder Alternativkultur aussieht.

Wer jetzt nicht an EASY RIDER denkt, hat was falsch gemacht. Und so wirkt der Film auch über weite Strecken wie ein gegenteiliges Komplementärstück zum Hopper-Film. In einer markanten Szene wird das auch verdeutlicht; als der Held (Robert Blake), ein untersetzter Bulle und bekannter Peniskünstler, der mehr vom Leben will (nämlich zur Mordkomission) als "nur" auf dem Motorrad zu sitzen, im Schießstand seine Waffe erprobt. Und richtig, er feuert auf ein Plakat aus EASY RIDER, die bekannte Einstellung wie Hopper und Fonda mit ihren Motorrädern über die Brücke fahren.

Daß der Film einige Längen aufweist und durchaus zäh wirkt, liegt daran, daß hier keine Rücksicht auf einen kohärenten Spannungsaufbau genommen wurde, noch auf eine Verhältnismäßigkeit der Szenen. Die Haupthandlung wird immer wieder durch unbedeutendere Nebenhandlungen unterbrochen, die aber ellenlang Spielzeit erfahren. Ein Beispiel hierfür ist der Besuch der beiden Cops in der Bar, in der die Verführung in Form einer leicht durchgeknallten, stets angetrunkenen und männerverzehrenden Blondine lockt. Diese bekommt Spielzeit für einen Monolog shakespearschen Ausmaßes, der in überhaupt keinem Verhältnis zum sonstigen Geschehen steht, und so eminent für Verstörung sorgt. Eine skurrile Szene. Und toll zugleich, da man während der Betrachtung der Andersartigkeit gewahr wird, und die -nebenbei sehr unterhaltsame- Zäsur bereits reflektiert.

Eine weitere ist die Szene, die zum Abspann führt (und die mit der allerersten korrespondiert). Die Kamera ist auf ein Auto montiert und rollt auf einer kerzengeraden Straße langsam durch das beeindruckende Monument Valley, die Blickrichtung geht nach hinten, evoziert also ein Verlassen des Handlungsortes. Die Geschwindigkeit ist sehr niedrieg, langsam entfalten sich die Bilder der Weite, ein Song spielt dazu. Plötzlich friert das Bild ein, die Musik geht weiter. Das Bild steht. Nichts passiert. Man hört nur die Musik. Und das für gefühlte Minuten. Dann plötzlich läuft der Abspann durch das Bild in einer wenig passenden Westernschrift-Typo. Rohr frei zur Interpretation. Hier werden amerikanische Mythen zu Grabe getragen, die Melancholie läßt einen an THE SEARCHERS denken. Staubig ist es, dort draußen.

Mittwoch, 29. April 2009

Connected / Bo chi tung wah (Benny Chan, China/HK 2008)


Das chinesische Remake von Cellular (US 2004), den man anscheinend kennen muss, da er in jeder Kritik erwähnt wird, ist ein überzeugender Mainstream-Actionfilm geworden. Mit einem Trottel (Louis Koo), der, in eine üble Situation geraten, plötzlich Großes zu leisten im Stande ist, ist der knallharten Action ein komödiantischer Gegenpol gesetzt worden. Die Action hingegen manifestiert sich hier hauptsächlich in halsbrecherischen Verfolgungsjagden jeglicher Art.

Es geht um eine Entführung und skupellose Erpresser, dabei natürlich um Leben und Tod, eine fragile Mobiltelefonleitung, die die entführte Frau mit dem Helden verbindet, und um ein Video, dem alle hinterherjagen. Dieses ist lange Zeit nur ein McGuffin, der hier alles am Rotieren hält. Man weiß längere Zeit nicht, um was es eigentlich geht, oder wer tatsächlich die Guten, wer die Bösen sind. Gröbere Schnitzer sind glücklicherweise vermieden worden, Unwahrscheinlichkeiten selbstredend nicht. Das ist aber tolerabel, bekommt man hier "realitätsnahe" old-school-action präsentiert, die sich durch interessante Darstellungsformen auszeichnet und keinem Superlativismus verpflichtet ist.

Daß in einer chinesischen Erfolgsproduktion Hong Kong schöner aussieht als New York, muß man freilich akzeptieren; die Autos sauberer, alle gut gestylt, aalglatt und die Frauen mit Schmuck behangen sind, und natürlich auch die Wohnräume, etwa die Lofts, schöner designt sind als sonstwo auf der Welt. Die scheinbar notwendige, exzessive Darstellung kapitalistischer Kulturgüter verdeutlicht ein noch unvollständiges Selbstbewußtsein, das die Abbildung zweifelhafter production values als Zeichen von Reichtum, Wohlstand und Erfolg mit Souveränität verwechselt und ähnlich peinlich wirkt, wie die gelackten Oberflächenthriller aus Südkorea. Von Krise keine Spur. Daß solche Filme in diesem Land möglich sind, ist eine feine Sache; es sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß engagierte Filmkunst etwas anderes ist: eine Zensur wird obsolet, wenn sich der Markt selbst zensiert.
 
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Sonntag, 26. April 2009

Kung Fu from Beyond the Grave / Yin ji (Zhao Li, HK 1982)



Wenn die Ananas vom Tische schwebt und sich die Banane erhebt, dann ist die Zeit der Magie gekommen. Anläßlich des Ghost Festival erscheint dem Helden Billy Chong der Geist seines Vaters, der ihn um Rache an seiner Ermordung bittet: Kam Tai Fu sei der Übeltäter, doch muß sich Billy "Willy" noch mit dem "Arschloch-Magier" (Klotz) herumärgern, der mit allerhand hinterhältiger schwarzer Magie ihm selbst nach dem Leben trachtet.

Daß Billys Mission größere Dimensionen anschlägt als die schnöde Rache wird spätestens dann klar, als sich Kam durch die Kräfte der Magie unverwunderbar zu machen trachtet um so noch rücksichtsloser sein grauenhaftes Gewaltregime durchzusetzen. Die Blutsuppe, die Kam zur Desensibilisierung ins Gesicht und auf den Rücken gespuckt werden muß, setzt sich vor allem aus den beiden Herzen jungfräulicher Liebender zusammen, die im Moment des Orgasmus getötet werden und sich justament in diesem Moment von ihrem Lebensmuskel trennen müssen. Der kleine Tod geht im großen auf. Dazu darf der Magier dann böse lachen; aber auch Graf Dracula kommt zu Hilf in übler Situation, doch die hüpfenden Vampire Billy Chongs stehen auf der guten Seite. Open the coffins and awake the dead for the good cause!

Wer's trashig und hilarious mag ist hier richtig - und die Finesse der Martial Arts-Kämpfer ist auch nicht zu verachten. Die Produktionsfirma ist einen Film später pleite gegangen. Schade eigentlich. Tolles Kung Fu-Horror Teil, das!

Sonntag, 19. April 2009

True Story of a Woman in Jail: Sex Hell / Jitsuroku onna kanbetsusho: sei-jigoku (Koyu Ohara, Japan 1975)





Als Mayumi (Hitomi Kozue) die Liebhaberin ihres Freundes ersticht, landet sie im Knast - selbstredend in einem gefürchteten Frauengefängnis, in welchem nicht nur üble Wärter ihr Unwesen treiben, sondern auch die Mitinsassinnen klare Hierarchien und Machtstrukturen aufgebaut haben. Und wo die Schwachen und die Neuzugänge erstmal nichts zu lachen haben.

Mayumi hält sich dann auch erstmal bedeckt und im Hintergrund - eine erste Attacke von der Frauengang in ihrem Zellenblock kann sie noch halbswegs parieren und sich etwas Reputation aufbauen. Anschließend kapriziert sich der Film auf die Darstellung des Gefängnisalltags, wobei die Kamera keine Gelegenheit auslässt, nackte Hintern, blanke Busen und Formen der sexuellen Ausbeutung ins Licht zu rücken. So wird etwa das Thema Schwangerschaft/Abtreibung mehrfach aufgegriffen, die Einzelhaft mit ihren langen Nächten der Isolation, und der intime Warenaustausch von Wärter und Insassin. Überhaupt eines der zentralen Motive des Films: der Körper als Ware. Denn Sex ist, ob erzwungen oder erkauft, immer ein virulentes Thema im Aufeinanderprallen der Geschlechter. Dass man im Film auch innig empfundene Frauenliebe bewundern darf, versteht sich von selbst.

Gewalt, Sex, Folter, Vergewaltigung, Dusch- und Badeszenen, Lesbensex und gynäkologische Experimente: hier bekommt man alles, unterlegt mit funkig-bluesigen Rhythmen von der Tonspur. Nichts, was besonders herausragen würde im WIP-Genre also, aber dennoch individuell grundiert mit einem dunklen Ton, einer Atmosphäre der Verzweiflung. Vor allem aber wird hier sehr deutlich, wie Nikkatsu das um nur wenige Jahre jüngere und erfolgreiche Toei-Konzept der SASORI: FEMALE PRISONER SCORPION - Reihe mit Meiko Kaji in der Hauptrolle zu kopieren versucht - eine Vorlage, die radikaler, sowie auch visuell und ästhetisch deutlich ambitionierter ist. So hatte Nikkatsu ja Anfang der Siebziger vollständig die Filmproduktion auf Erotikfilme umgestellt (und sich bei den Regisseuren Ärger eingefangen), auf ihren so genannten Roman Porno.  Um dann in zwei Dekaden eine riesige Menge von um die 700 Pink-Filme zu produzieren. Die Nachahmung glückt in TRUE STORY OF A WOMAN IN JAIL leider nur bedingt, doch sind die Höhepunkte grotesk genug, sowie der Film von einer sehr goutierbaren bahnhofskinomäßigen Pinku-Länge von knapp über einer Stunde, daß man bei der Stange bleibt. Das Finale ist dann doch überraschend originell und sauber ausgeführt, sodaß man anschließend vergnügt und zufrieden in sein harmloses Leben zurückkehren kann.

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Dienstag, 14. April 2009

Zatoichi – The Tale of Zatoichi continues/ Zoku Zatoichi monogatari (Kazuo Mori, Japan 1962)

Teil zwei der Reihe führt die Ereignisse aus dem Vorgänger konsequent fort, verwendet dabei teilweise auch bereits bekannte Charaktere. Aber nicht nur Zatoichis Figur scheint tiefgründiger ausformuliert, sondern auch die Anzahl der Schwertkämpfe nimmt zu, der Leichenberg ist deutlich höher.



Das jedoch muß nix heißen. Höher und weiter ist nicht gleich besser. Und ich hatte große Probleme mit diesem allerorts hochgelobten zweiten Teil, denn mir fehlte der "emotionale" Zugang. Denn irgendwie sind diese Geschichten ja alle gleich, oder zumindest sehr ähnlich. Hier passiert eigentlich nix besonderes, nur daß der Held mal wieder auf der Liste steht und sich der Übermacht eines Clans erwehren muß. Auch die Liebesgeschichte zu Tane ist kaum ausformuliert. Nach einigem Grübeln kam ich auch drauf: es fehlt ein wirkmächtiger Gegenspieler.



Zatoichis Bruder ist zwar ein Fiesling, aber doch ein Bruder. Und keine Persönlichkeit wie Hirate aus Teil 1 (oder Yojimbo, the One Armed Swordsman,...). Mit jemandem wie Hirate zu angeln ist halt doch was besonderes. Dies hier war mir nur ordentliche Unterhaltung, leider.

Dienstag, 7. April 2009

Kekexili - Mountain Patrol (Chuan Lu, China/Hongkong 2004)


In der Region Kekexili, die im tibetanischen Hochland auf über 4000 Metern liegt, ist die tibetanische Antilope kurz vor dem Aussterben. Der Grund: Wilderer. Eine selbstorganisierte Bergpatrouille versucht dem ein Ende zu setzen, und ein Reporter aus Peking begleitet sie bei der Jagd nach den Übeltätern. Massig Platz für esoterisches Lokalkolorit und Weltkino-Bilder, sollte man meinen. Doch nicht so hier. Vielmehr ist es ein beständiger Kampf ums Überleben, der uns gezeigt wird. Die Schönheit der endlosen Weite und der Berge ist als Raum jenseits aller Zivilisation in seiner Erhabenheit immer auch menschenfeindlich gezeichnet. Und die Menschen, die wahrlich so gut wie nichts besitzen, die auch ein ganz eigenes Verständnis von Zeit haben, vom Sinn und Zweck des Lebens, stemmen sich der Weite entgegen.

Umso erstaunlicher, daß der Film kaum zu berühren vermag. Vielleicht fehlt so etwas wie die "mythische Dimension" - der Film kommt seltsam nüchtern daher. Die Erklärung im Abspann, daß durch die Berichterstattung des Reporters nun ein Naturschutzgebiet entstanden sei, und sich dadurch die Population der Antilope auf 30000 vermehrt habe, verzweckt den Film im Nachhinein und beraubt ihn noch stärker einer menschlichen Dimension. Gutmenschenkino mit Auftrag, ziemlich übel.
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