DVD BluRay

Mittwoch, 24. Juni 2009

Snapshot Shorts Vol. 5

L - CHANGE THE WORLD (Hideo Nakata, Japan 2008)

In seiner Öko-Terrorismus-Großtuerei inhaltlich schwachsinnig geraten und langweilig gefilmt. Der Schluß ist konsequenterweise zum Brechen und der Score, wie überhaupt im dritten Teil, nichtssagender, pathetischer Quark. Die Dynamik aus DEATH NOTE Teil 1 ist nicht vorhanden und das eingegangene Riskio aus Teil 2, Dinge falsch zu machen, fehlt völlig bei diesem uninspiriert heruntergekurbelten Sicherheitsgurtfilm.


SLUMDOG MILLIONAIRE (Danny Boyle, GB 2008)

Entweder war das Kamerastativ kaputt, oder der Kameramann vom Danny Boyle hatte nen verspannten Nacken. In diesem Film gibt es nur gekippte Bilder. Ach, und Spaß macht er auch. Und ein bißchen blöd ist er auch. Das ist aber egal, man schaut ihn sowieso nur ein mal.


TOKYO! (Gondry /Carax /Bong, D/Fr/J 2008)

Gelungene Kurzfilmcompilation wenn man gewillt ist, den prätentiösen Carax-Schwachsinn zu überspringen. Gondry macht das skurril übliche und verdreht seine liebenswerte Meta-Geschichte zu einem Beziehungstragödchen über eine hübsche Jungdarstellerin, die sich von aller Welt benutzt fühlt und sich in einen Stuhl verwandelt. Das Ich als Gebrauchsobjekt, sozusagen. Bei Bong (THE HOST) darf ein Hikikomori wieder zurück in die Welt, nachdem er sich in die Pizzalieferantin (Yu Aoi) verkuckt hat. Bezaubernd und schön.


DIE STAHLFAUST /The Invincible Armor (See-Yuen Ng, HK 1977)

Unterhaltsamer Martial-Arts-Klopper mit zunehmend absurden Dialogen in der deutschen Synchro und ordentlichen Kampfszenen. Kann man sich zwischendurch mal ansehen.

Dienstag, 16. Juni 2009

Under the Blossoming Cherry Trees (Masahiro Shinoda, Japan 1975)


Der Erzähler kündet von einer Geschichte von Unterdrückung, Wahnsinn und Mord: denn einst sei das Wandeln unter blühenden Kirschbäumen keine frühlingshafte Erquickung gewesen, sondern ein gefährliches Unterfangen, das die Dämonen wachrufe und den Flanierenden in den Wahnsinn treibe. Als ein Mörder und Dieb (Tomisabura Wakayama) einen vorüberziehenden Edelmann überfällt und meuchelt, ist er von der Schönheit der Ehefrau so in den Bann gezogen, daß er sie mit in sein Haus im Wald führt, und ihr unter ihrem autoritärem Regime völlig verfällt. Zuerst einmal bringt sie ihn dazu, seine neun Ehefrauen abzuschlachten. Aber das ist erst der Anfang...

Shinoda, einer der Autorenfilmer der japanischen Nouvelle Vague, erzählt seine grausame Geschichte in wunderbaren Bildern, welche in ihrer Schönheit in groteskem Gegensatz zur Irren- und Geistergeschichte stehen. Dass die entführte Schöne bald die Herrin markiert und mit immer debileren Einfällen ihren Gatten in den Untergang treibt, erinnert ein wenig an UGETSU MONOGATARI, um dann nach einem ausgiebigen Spiel mit Leichenteilen in ein fulminantes, beinah surreales Ende zu münden. Die fantastische Filmmusik von Toru Takemitsu darf nicht unterschlagen werden.


Donnerstag, 11. Juni 2009

Afterlife / Wandâfuru raifu (Hirokazu Kore-eda, Japan 1998)


Angekommen in einem nüchternen Zwischenreich, müssen zehn Verstorbene den schönsten Moment ihres Leben auswählen, um mit dieser Erinnerung anschließend ins Jenseits einzugehen.

Kore-eda ist ein Regisseur der vom Dokumentarfilm kommt. Das sieht man ihm auch bei seinen filmischen Mitteln im feature film an. Die Kreation irrwitziger Filmwelten ist nicht sein Ding. Stets führt die ruhige Kamera in langen Einstellungen "reales" Leben vor, das sich nicht den Gesetzen des Entertainments unterwirft. Lange Einstellungen, Stille, Respekt vor den Menschen, dem kleinen Moment des Besonderen.
Seine Mittel der Authentizitätserzeugung wählt er gründlich: neben den bereits erwähnten technisch-strukturellen Komponenten ist es auch die Wahl der Schauspieler und Laiendarsteller, für die er sich enorm viel Zeit genommen hatte. So werden die Toten (etwa 10 Personen) allesamt von Laien dargestellt, die Kore-eda nach 500 geführten Interviews ausgewählt hatte. Zudem waren nur die Dialoge der professionellen Schauspieler gescriptet, die Laien, die im Film von ihrem Leben erzählen, sprechen frei und ohne Vorgaben. Auf diese Weise erreicht der Regisseur natürlich eine völlig eigene Form des Authentischen.

Die Suche nach dem schönsten Moment im Leben wird bei Kore-eda zunächst in oben erwähnten sehr konstruierten Plot gepreßt, der reichlich Platz für Kitsch und Pathos geboten hätte. Das wird glücklicherweise durch die nüchterne Realisation eben jenes quasi-dokumentarischen Stils vermieden, der in seiner zurückhaltenden Art den "Banalitäten" des Alltags ihren Platz einräumt. Es ist nicht die "große Liebe", die wir als Erinnerung mit ins Jenseits nehmen, sondern der sommerlichen Luftzug in einem Bus auf dem Weg zur Schule. Auch das nüchterne Ambiente des beinah verkommenen Gebäudes, in dem die Toten untergbracht sind, entbehrt jeder Verklärung und ätherischer Magie. AFTER LIFE ist ein sehr schöner, eindrücklicher Film voller Würde und mit einer kleinen Pointe am Ende, die es nicht gebraucht hätte.

Sonntag, 7. Juni 2009

Sharasojyu / Shara (Naomi Kawase, Japan 2003)

Als Shuns Bruder beim Fange-Spielen und durch-die-Gassen-Rennen plötzlich verschwindet, bricht der Ernst in den Film ein. Außerdem will das bevorstehende Basara-Fest organisiert werden, in dessen Komitee Shuns Vater den Vorsitz inne hat. Die hübsche Nachbarstochter hat es auf Shun abgesehen und versucht diesen aus seiner Schüchternheit herauszulocken.



Soweit die nüchternen Fakten. Gefilmt wir dieser Alltag in Nara mit extrem langen Einstellungen. Die Vermeidung des Schnitts ist Stilmittel der Autorin Kawase: minutenlang begleitet die Kamera die Protagonisten oder fängt auch mal klassisch anmutende japanische Petitessen ein - eine schöne Blume am Wegesrand, schwenken wir mal hin! Das Fehlen von Filmmusik und Beleuchtung ist obligatorisch, und am Ende sehen wir die Regisseurin selbst in der Rolle der Hochschwangeren, die ein Kind zur Welt bringen wird. So vermengen sich dokumentarisch anmutende Aufnahmen mit einem extrem künstlichen, besser: künstlerischen Stil, der uns scheinbar "ungefiltert" am Leben der Personen Teil haben läßt und zugleich sein ästhetisches Programm, das sicherlich manche als zäh und langweilig bezeichnen würden, immerzu deutlich formuliert. Prägendstes Mittel ist sicherlich die lange Einstellung, die uns nicht aus der Filmwelt erlöst in eine Unterhaltung hinein: eine 7minütige, repetetive Tanzszene wird so ein rauschendes, beinah magisches Filmerlebnis, da man sich als Teilhabender wähnt. Ebenso die Annäherungsszenen der Nachbarstochter: schüchtern sitzen die beiden minutenlang nebeneinander, bevor sich einer getraut, was zu sagen oder gar zu machen! Wenn dann etwas passiert, das ist klar, haut einen auch die Kleinigkeit um wie ein Ereignis.

Mittwoch, 3. Juni 2009

Little Cheung (Fruit Chan, HK 1999)

Der 9 Jahre alte Cheung wächst in der Gegend um die Portland Street im Hongkonger Stadtteil Mongkok auf: Arbeiterklasse, Armut, extreme Enge, Triaden. Das sind die lebensweltlichen Koordinaten. Als Deliveryboy hilft er seinem Vater im Schnellrestaurant aus und verkuckt sich ein wenig - wenn man das so nennen kann in diesem Alter - in seine Nachbarin Fan, Tochter illegaler Einwanderer aus den Philippinen. Sein Vater muß sich zudem gegen die Schutzgelderpressungen der lokalen Gang erwehren, und die Tage der Großmutter gehen langsam dem Ende zu.



Der nicht im herkömmlichen Sinne existierende Plot handelt lose von diesen Erzählfäden, die immer wieder aufgenommen werden und doch auch alle zugleich stets präsent sind. Als Erzählerin dient eben jene Fan, die wie in einem Rückblick über Little Cheungs Kindheitsjahre, und so auch über die eigenen, erzählt. Dies kontrastiert stark mit Chans bekannnten stilistischen Mitteln des Authentischen: die Entscheidung für Laiendarsteller, für die Handkamera, gegen jede Ausleuchtung, dichte, vollgestopfte Bilder der Enge, lange Einstellungen, ein aus dem Bild gleiten lassen der Personen bei hektischen Situationen (die Kamera kommt nicht mehr hinterher), (zu) schnelle Dialoge in verschiedenen Sprachen, allerminimalster und nur sehr sporadischer extradiegetischer Musikeinsatz, eine Handlungsführung ohne scheinbares Ziel. Dass Chan auch das Drehbuch geschrieben und selbst geschnitten hat, muß man kaum mehr erwähnen.



LITTLE CHEUNG gehört zu Fruit Chans HK-Trilogie (MADE IN HONGKONG, THE LONGEST SUMMER), die sich mit den Ereignissen der Übergabe Hongkongs an die Volksrepublik China beschäftigt und dabei große einschneidende politische Ereignisse in der Realität der kleinen Leute wiederspiegelt. Zudem dient LC als Vorläufer zu DURIAN DURIAN (2000), die Grenzen sind also auch hier fließend. Brillantes Kino.

Montag, 1. Juni 2009

Cowboy Bebop - The Movie (Shinichiro Watanabe, Japan 2001)

In einer fernen Zukunft hat die Menschheit eine gesellschaftlich hybride Megalopolis auf dem Mars erschaffen. Der Terrorist Vincent versucht jedoch mit Hilfe eines Krankheiterregers die Menschheit auszurotten. Ein Grüppchen Kopfgeldjäger um den Helden Spike macht sich daran, ihn zu fangen um die Belohnung zu kassieren.



Ein utopischer Anime als Großstadtwestern, so vielleicht eine Kurzcharakterisierung. Ich mußte natürlich auch an EIN TRIO MIT VIER FÄUSTEN denken, das Team hier aufgepeppt mit einer großbusigen, schnellfeuernden Schönheit. Der Film bietet liebevolle Charakterzeichnungen und fulminante Actionsequenzen (Hochbahn-Szene), dazu ein funkiger Score aus Bebop, Jazz, Breakbeat und Klassik: sehr toll das alles. Im Vergleich aber zu heutigen Standards, Hintergrundtexturen etwa (TEKKONKINKREET sei genannt), wirkt er etwas passé, aber das stört ja nicht.



Sehr deutlich wird der Westernkontext des Films: die Prärie ist die Stadt, das Pferd die motorisierten Fortbewegungsmittel, usw. usf. Er bildet den Hintergrund für die gebrochenen Helden, die Gutes nur um des Geldes willen tun. Lichtgestalten gibt es hier nur bedingt. Die Opposition Gut-Böse hat sich in COWBOY (!) aufgelöst, jedoch nicht die klassische konfrontative Standardsituation im Western per se: das Duell Mann gegen Mann. Im Film gibt es mehrere solcher Szenen.
Die Verweise und komplexen Schichtungen der Bedeutungsebenen des Films kulminieren immer wieder in prächtigen Szenen, etwa wenn einer der Bösen beim Videospiel gefasst wird und die Heldin ihn in die Realität zurückholen muß, indem sie ihm den Bildschirm zerschießt. Klar, er beschwert sich erstmal, daß sie ihm den Highscore versaut hat.
In einer weiteren Szene befinden sich die Personen in einem Drive-In Kino: es läuft ein klassischer Western, der Zuschauer sieht aus dem Auto heraus aus der Perspektive der Charaktere eine Duellszene. Und am Ende reitet der Cowboy in den Sonnenuntergang.



COWBOY BEBOP ist ein spannender und actiongeladener, futuristisch-utopischer Großstadtwestern, der trotz seiner komplexen Topoi nicht überkonstruiert wirkt und eine gelungene Balance aus Unterhaltung und Brainfood bietet.