DVD BluRay

Donnerstag, 23. Juli 2009

Daytime Drinking / Naj Sul (Young-seok Noh, Südkorea 2008)

Mit dem geliehenen Geld von seiner Mutter realisierte Noh diesen Independentfilm, bei dem er Regie führte, das Script schrieb, für den Schnitt verantwortlich war und die Musik selbst eingespielt hat. Auch der Cast setzt sich aus bisher völlig unbekannten Schauspielern zusammen.



Herausgekommen ist eine recht ruhige, tragikomische Loserballade über einen Typen, dem die Freundin weggelaufen ist und der von seinen Freunden bei der Reise von Seoul in die Provinz Gangwon-do versetzt wird. Dort allerdings erlebt der unfreiwillig Herumziehende einige ziemlich interessante Sachen und muß sich in manch prekärer Situationen behaupten. Dabei bleibt der Film immer sehr am Boden und vermeidet allzu skurile oder unglaubwürdige Momente. Etwas mehr Tempo hätte ihm im langen Mittelteil aber nicht geschadet, da braucht es etwas Sitzfleisch. Dennoch ein gelungener Erstling.

Sonntag, 19. Juli 2009

Tactical Unit: Human Nature (Andy Ng, HK 2008)


HUMAN NATURE ist der dritte Teil der von Johnnie To produzierten PTU-Fortsetzungen für das Fernsehen. Und so ist denn auch die Regieleistung von Andy Ng nicht immer ganz sattelfest; soll heißen: nicht immer auf Spielfilmniveau. Doch in den Nachtszenen, beim Finale, sowie bei einer wahnsinnig rasanten Autoverfolgung kann man sich nicht beschweren - da bekommt man typisch klassisches HK-Kino vom Feinsten.

Der Plot, der leider nicht immer ganz spannungsreich inzeniert wurde, ist eigentlich recht ordentlich: Lam Suet ist ein Cop der PTU, der sich durch Wettschulden in die Bredouille gebracht hat, und dummerweise die finanzielle Rettung mit Hilfe einer Gangsterbande von Festlanchinesen sucht, die bei einem Kurzbesuch eben mal kurz die Unterwelt aufmischt.

Das Tolle am Film ist also neben o. g. Szenen, daß hier einmal nicht Simon Yam im Zentrum steht, sondern der zumeist in Nebenrollen besetzte, sehr sympathische Lam Suet Gelegenheit bekommt, seine Darstellerkünste zu präsentieren. Das macht er, als ungepflegter Anti-Held der am Abgrund steht, jedenfalls sehr gut.

Sonntag, 12. Juli 2009

Snapshot Shorts Vol. 6

AGITATOR (Takashi Miike, Japan 2001)

...ist ein zunächst recht unübersichtliches Yakuza-Drama, das aber dann glücklicherweise in der zweiten Hälfte seiner langen Laufzeit ordentlich aufdreht und sehr zu unterhalten weiß. Die vielerorts negativen Kritiken kann ich jedenfalls nicht nachvollziehen. Hat mir - möglicherweise im Kontrast zum direkt zuvor gesehenen CLOSED NOTE - sehr gut gefallen.


RED CLIFF 1 / Chi bi (John Woo, HK 2008)

Fulminantes Historienepos, das sehr gut ausbalanciert ist zwischen schneller und deftiger Action sowie penibler Figurenzeichnung. Die durchaus kitschige Inszenierung passt gut zum Genre, lediglich der enorm opulente Soundtrack regte meinen Unwillen. Aber so ist das wohl bei Bombastkino.


BLIND MOUNTAIN / Mang shan (Yang Li, China 2007)

Äußerst bedrückender Arthouse-Film über die gewaltsame Entführung zweier junger Frauen in Chinas Norden, wo sie dann an Bauernfamilien verkauft und zur Heirat gezwungen werden. Gerade in der Darstellung der ausweglosen Situation und der Unmöglichkeit des Entkommens, des skandalösen Verhaltens der Mutter des Bräutigams, ist BM ein enorm aufwühlender Film, der zudem in der Darstellung der bürokratischen Apparate und der Polizeigewalt noch sehr unaufdringlich politische Kritik übt. Yang Lis vorheriger Film BLIND SHAFT soll immer noch indiziert sein.


THE BEAST STALKER / Ching yan (Dante Lam, HK 2008)

Schon lange hat es mir kein Actionfilm mehr so besorgt, wie dieser vorzüglich inszenierte Kracher. Die erste Actionszene mit der zersplitternden Windschutzscheibe und die im weiteren Verlauf sich nachträglich aufklärende Kofferraumszene sind schlicht der Hammer. Zum Glück liegt hier schon sein neuster Film, THE SNIPER, herum.

Donnerstag, 9. Juli 2009

Closed Note / Kurozudo noto (Isao Yukisada, Japan 2007)


Als ihre beste Freundin Hana aus der gemeinsamen Wohnung auszieht um ein Jahr im Ausland zu studieren, findet Kae Horii (Erika Sawajiri) zufälligerweise das Tagebuch der Vormieterin in einem geheimen Fach des aufklappbaren Spiegels an der Wand. In den folgenden einsamen Stunden beginnt sie das Tagebuch der Lehrerin zu lesen, ein Beruf den sie selbst ergreifen möchte, und wird immer tiefer in diese Biographie, diese Geschichte hineingezogen. Zeitgleich verliebt sie sich in einen hübschen jungen Mann, der komischerweise ab und an melancholisch vor dem Haus steht.

Man muß kein Hellseher sein um den Plot des Filmes recht früh zu entschlüsseln. Allerdings, darauf kommt es auch nicht unbedingt an. Dieses ist ein typisches jun'ai - Melodrama für empfindsame Mädchen; also ein Liebesfilm über aufrechte Menschen mit reinem Herzen, die zu schüchtern sind um laut zu sprechen, deren Wohnungen stets tiptop aufgeräumt sind und denen der Beruf (ihre Aufgabe) viel bedeutet, die sowieso nach Höherem streben (also einer "reinen" Liebe des Herzens, die jede Körperlichkeit ausblendet). Sie werden letztlich unglücklich lieben, da sie einem Ideal nachjagen. Auch die Motive sind offensichtlich, etwa das des Bildes und des Abbildes. Der Geliebte ist Künstler und malt (Ab-)Bilder seiner Geliebten, die schreibt das Buch und legt es in den Spiegel , durch den sich ein weiteres Bild der Protagonistin zeigen wird, welche durch Nachahmung immer mehr zu ihrem Lektürevorbild entwickelt und sozusagen in die Rolle eines anderen Menschen schlüpft.Das zweite Gesicht der Kae sozusagen.

So zeigen sich vor allem zwei weiter Merkmale dieses Filmes: eine eigentümliche Gleichzeitigkeit von Vergangenheit und Gegenwart (wie man das auch etwa aus Shunji Iwais Filmen kennt) und eine etwas unangenehme Schicksalsergebenheit. Jeder macht soviel wie er kann und wie ihm erlaubt ist, das Übertreten einer Grenze ist dabei in jeder Hinsicht bemerkenswert.

Da schaut man lieber melancholisch Schmetterlingen am Flußufer nach, bereit all den Schmerz auf sich zu nehmen, als das Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Die "Kraft des starken Herzens", ein Bild, das mehrfach im Film bemüht wird, dient dann auch zum ausdauernden Ertragen von Zuständen, nicht als Resource zur selbstbewußten Veränderung von Verhältnissen. Insofern ist CLOSED NOTE ein konservativer Film (und da eben ganz anders als der aufbegehrende GO! vom selben Regisseur) und - weil immens populär - ein guter Gradmesser für die Seelenlage zumindest eines Teils der japanischen Gesellschaft.

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Dienstag, 7. Juli 2009

The Girls Rebel Force of Competitive Swimmers (Kôji Kawano, Japan 2007)

[Joshikyôei hanrangun / Attack Girls' Swim Team versus the Undead]

Nach einer Impfung beim Schularzt bricht an einer japanischen Mädchenschule ein Zombievirus aus. Nur die Mitglieder des Schwimmteams scheinen resistent zu sein und kämpfen bald um ihr Leben...



Kreisch! Ein wunderbarer Video-Trash-Film voll erlesener Splatterszenen und Softporno-Erotik, der auch in handwerklicher Hinsicht ziemlich überzeugt. Sicher, die große Vision hat noch gefehlt, aber variierende Schnittrhythmen und ein äußerst abwechslungsreicher Soundtrack lassen keine Langeweile aufkommen. Die Überdrehtheit erfährt gegen Ende einen miikeschen Höhepunkt, wenn aus Twist und Gegentwist des Doppelgängermotivs und einer alptraumhaften Gewalteruption aus dem Leben der Sexsklavinnen das Finale in Szene gesetzt wird. Die Blutdusche der inmitten von Leichenteilen nackt am Boden liegenden Protagonistin ist ein wunderbar eindrückliches Bild. Jetzt aber ab in den Pool, Schatz!

Mittwoch, 1. Juli 2009

Freeze me (Takashi Ishii, Japan 2000)

Fünf Jahre nach einer Vergewaltigung in ihrem Heimatdorf wird die mittlerweile in Tokyo lebende Protagonistin von den einstigen Peinigern erneut heimgesucht.



Wieviel kann ein Mensch ertragen?, scheint Ishii hier zu fragen. Die besondere Leistung besteht sicher darin, daß er aus einem Rape- & Revengemovie, deren es unzählige in der japanischen Filmhistorie gibt, einen behutsamen und beinah "leisen" Film zu machen versteht. Verstörend ist dabei nicht nur das ausgezeichnete, nuancierte Spiel der Harumi Inoue zwischen Erinnerung, Verzweiflung, Wut und Aufbegehren, sondern auch die Gestaltung der Peiniger, dreier extrem gewalttätiger Individuen mit ihren Ticks und Abgünden. Die mehrfach wiederholte, enorm zynische Prämisse, mal wieder ihre "alte Freundin Chihiro in Tokyo zu besuchen" gibt davon Zeugnis. Gegen Ende gönnt sich Ishii dann allerdings doch ein paar "Breast-shots", die er bislang diskret vermieden hatte. Allerdings erst ab dem Zeitpunkt, als sie sich zu wehren beginnt - möglich, dass eine erwachte Souveränität ins Bild gesetzt werden soll.



Ein aufwühlender und faszinierender Film, der allzu einfache schwarz/weiß-Zeichnungen vermeidet und in seiner Komplexität umso stärker wirkt. Mit Exploitationkino hat das überhaupt nichts zu tun.