DVD BluRay

Sonntag, 29. November 2009

Snapshot Shorts Vol. 6

The Cat Returns / Neko no ongaeshi (Hiroyuki Morita, Japan 2002)

Die zurückhaltende Schülerin Haru rettet einer Katze, die die Hauptstraße überqueren will, das Leben. Das gerettete Tier entpuppt sich als der mit menschlicher Sprache sprechende Katzenprinz Lune und verspricht Haru, daß sie für ihre mutige Tat belohnt werde. Daß sie den Thronfolger im Königreich der Katzen, so der deutsche Titel, ehelichen soll, ist zwar eine große Ehre, doch Haru hat sich ihren Gatten anders vorgestellt. Als sie schließlich entführt wird, da der gestrenge Katzenkönig ein zwar wohlwollender Regent ist, der aber keinen Widerspruch duldet, kann ihr nur eine kleine Truppe, angeführt vom Katzenbaron von Gikkingen, noch zur Hilfe kommen.

Temporeiche, witzige, liebevolle, charmante und enorm kurzweilige Angelegenheit aus dem Hause Studio Ghibli, die wie so häufig die Türe aufstößt zu einer Fantasie-Welt, die gar nicht so weit von unserer eigenen entfernt liegen muß. Das zeigt vor allem auch der ernste und gesellschaftskritische Ton, der sich immer dann einschleicht, wenn die phantasievolle Erzählung ihre Krallen zeigt: das Versprechen auf das neue, zauberhafte Land beinhaltet immer auch das Fremde, das Unbekannte und Unheimliche. Das "Land of Milk and Honey" gibt es nirgendwo, nicht mal im Reich der Schmusekatzen.


Shûdan jisatsu: Saigo no bansan / Ambiguous (Toshiya Ueno, Japan 2003)

Über das Internet lernen sich die Charaktere dieses Pink-Films kennen - alle frustriert, depressiv, lebensmüde. Ein gemeinsamer Suizid soll sie von ihrem Leid erlösen - doch quasi in der allerletzten Stunde, die sie miteinander verbringen, entdecken sie Nähe, Zuneigung und fassen neuen Mut.
Viel erwartet hatte ich ehrlich gesagt nicht; doch ist AMBIGUOUS ein gut gefilmter und zwischen seinen nicht unansprechenden Softsex-Szenen eine enorm gesellschaftskritische Angelegenheit. Sehenswert.


Hanzo the Razor: Who's got the Gold? (Yoshio Inoue, Japan 1974)

Der von Yasuzo Masumura gescriptete dritte Teil der Hanzo-Reihe entpuppt sich als exploitativ gemäßigte Seherfahrung, in der zunächst bereits bekannte Ermittlungsverfahren des Investigatoren nochmals kurz eingeführt werden, um dann in einen spannenden Plot um illegale Gold-Leihgeschäfte zu münden. Höhepunkte der Ekstasen sind ein moralisch enorm problematischer, erzwungener Liebesdienst mit herrlichem Kotospiel und psychedelischen Nahaufnahmen, sowie die finalen Schwertkämpfe, in der die Ordnung wiederhergestellt wird. So ist der dritte Teil wohl der Unspektakulärste und zugleich Gesellschaftskritischste der Reihe; und aufgrund seines hohen Niveaus weit mehr als nur eine Pflichtübung für Komplettisten.


Appurushîdo / Appleseed (Shinji Aramaki, Japan 2004)

Die Endzeit, die böse Menschheit, die Biohumanoiden, ein Mega-Superhirn, der ewige Krieg und eine hübsche Kämpferin mit Brüsten und einer Schnellfeuerwaffe, die sich für Recht, Liebe und Freiheit einsetzt.

Nu ja, plotmäßig also alles beim Altbekannten. Kompliziert wird's nur, weil der Plot künstlich verschlungen erzählt wird. An optischer Rasanz mangelt es dem Film allerdings nicht, wohl aber an der adäquaten musikalischen Untermalung. Das paßt nicht immer so ganz optimal zusammen. Eine durchwachsene Angelegenheit, leider.

Mittwoch, 25. November 2009

Jun kissa Isobe / Authentic Café Isobe (Keisuke Yoshida, Japan 2008)


Als Yujiro Isobe, ein Bauarbeiter und liebenswerter, von seiner Frau getrennt lebender Loser eine Menge Geld erbt, entschließt er sich aus einer Laune heraus, ein Café zu eröffnen. Seine verantwortungsbewußte Tochter, die bei ihm aufwächst (und auf ihn aufpaßt), schlägt bei diesem Himmelfahrtsprojekt nur die Hände über dem Kopf zusammen: das kann ja nicht gut gehen!
Doch nach und nach füllt sich das Kaffeehaus, vor allem Dank der hübschen Serviererin Kumiko, die, kurz berockt, die Gäste lockt. Auch ein gut aussehender Schriftstellerjüngling sitzt Tag für Tag an seinem Platz, und ein zartes Pflänzchen der Liebe sproßt in Tochter Sakikos Herzen; plötzlich ist das Kaffeehaus auch zu ihrem Mittelpunkt im Leben geworden. Doch dann kommt alles anders...

Yoshida gelingt eine wirklich wundervoll inszenierte Komödie, die Dank ausgezeichneter Darsteller und extrem gut getimter, häufig leiser, Pointen enorm zu unterhalten weiß. Da das Leben aber keine Sahnetorte ist, schleicht sich zusehends ein ernster Ton in den Film, der dann - völlig überraschend - mit ein paar emotional hammerharten Szenen aufwartet. Umso mehr steigt meine Bewunderung und Verehrung für diesen stilsicheren Film, der es schafft, beinah jedes Klischee zu umschiffen und in seinen Dialogen völlig zu überzeugen weiß. Ein ausgezeichneter Film.

Sonntag, 22. November 2009

Violent Cop / Sono otoko, kyōbō ni tsuki (Takeshi Kitano, Japan 1989)

Als sich Takeshi Kitano mit Kinji Fukasaku, der den Film eigentlich drehen sollte, überwarf und dieser den Regieposten abgab, übernahm der völlig regieunerfahrene Hauptdarsteller des Films das Ruder, nachdem ihn der Produzent in lockerem Scherzton gefragt haben soll, ob er das nicht machen wolle. Ein Glücks- und ein Zufall, entstand doch in diesen Wirren der erste "echte" Kitano-Film - mit einer Filmcrew, die äußerst skeptisch war. Auch Kitanos Anweisungen, die Kamera nicht zu bewegen, stieß zunächst auf Unverständnis. Ein Element, das sich stilistisch durch alle Filme des Mannes ziehen wird, und das, ein weiteres Markenzeichen, dazu führt, daß die "Action", die Handlung, häufig Offscreen geschieht. Das Filmbild fängt das Geschehen eben gerade nicht ein, sondern präsentiert dem Zuschauer lediglich das Ergebnis. Dieser lakonische, "trockene" Inszenierungsstil fordert den Zuschauer in seiner Beteiligung und schockiert umso mehr, wenn dann, in einer späteren Szene mit ebensolch emotionsloser Kamera die Gewalttat ins Bild gerückt wird. Da wird dann eben auch nicht künstlich dynamisiert, geschnitten, oder gerummst auf der Tonspur. Die Wirkung auf den Zuschauer wird auf diese Weise potenziert und die Gewalt als "realistisch" wahrgenommen.

VIOLENT COP erscheint mir jetzt nach der Zweitsichtung noch wesentlich gelungener und souveräner, als ich dies beim ersten Sehen wahrgenommen habe. Die Szenen sind exzellent getacktet, der Musikeinsatz häufig kontrapunktisch oder zumindest verstörend ungewöhnlich genutzt, die Montage ist sehr ökonomisch und effektiv. Auch die häufig monierte Langatmigkeit kann ich so nicht bestätigen, schraubt sich der Film doch zusehends in eine Spirale der Gewalt hinein, die gegen Ende dermaßen unkonsumierbar wird, daß einem der Atem stockt. Das Finale ist eine Himmelhundsche Parade-Duellsituation, die den Film nachdrücklich in Genre-Traditionslinien hineinrückt. Nicht zu vergessen: auch dieser Film ist bisweilen enorm humorvoll.

Sonntag, 8. November 2009

Shanghai Baby

Ruhig war's hier in letzter Zeit!- das wird sich hoffentlich in nächster Zeit wieder etwas bessern. Ausreden gelten nicht, ich weiß,... verblasen hat mich trotzdem mein kleiner China-Urlaub. Hier ein schöner Blick auf Shanghai (das soll dann auch genügen):

Mittwoch, 4. November 2009

Haeundae / Tidal Wave (Yun Je-gyun, Südkorea 2009)


Als sich ein Tsunami riesigen Ausmaßes der Küstenstadt Haeundae nähert, will niemand den Unkenrufen der verantwortungsvollen Wissenschaftler glauben schenken: vor allem der Bürgermeister nicht, der sich um den Tourismus sorgt (-> JAWS), sowie die Ex des Seismographen, die gerade Grundstücke in bester Lage verhökert. Von den großen Entwicklungen im Meere bekommt am Strand niemand etwas mit - die Sonne scheint und die Jugend ist mit dem Bewundern halbnackter Körper beschäftigt. Die Ortansässigen, die am Rande der Vergnügungsgesellschaft ihr Dasein fristen, sind eine eingeschworene Gemeinschaft - die als Personal auch im emotionalen Zentrum des Films stehen - und führen einen entschlossenen, wenn auch scheinbar erfolglosen Kampf gegen korrupte Bauunternehmer, die den letzten Meter Baugrund noch mit glitzernden Hotels zupflastern wollen.

In diesem Soziotop sind die Beziehungswege verschlungen - da eine Liebe, dort ein Neider, einer säuft, der andere ist zu faul zum Arbeiten. Doch es kommt, wie man sich denken kann, zur allseitig erwarteten Katastrophe, als zu dramatischen Entwicklungen in Sachen Zwischenmenschlichkeit der Tsunami anrollt.
Hier hat man sich mit US-amerikanischer Tricktechnik beholfen, um der Welle und ihrer Zerstörung ein möglichst eindrucksvolles Volumen zu bescheren - was nur bedingt gelungen ist. Leier können die Tricks und Spezialeffekte nicht immer überzeugen.

Doch egal. Egal?

Ja. Denn mittlerweile ist man überraschenderweise schon so von diesem Film eingefangen worden, von seiner Nähe und Zwischenmenschlichkeit, dass man auf die Effekte pfeift. Und klar, da erinnert man sich an THE HOST, bei dem das ganz ähnlich lief. Statt Monsterfilm -> Familienfilm mit Monsterbeilage. Hier: statt Katastrophenfilm -> Liebesfilm mit Katastrophenbeigabe. Und so steht in der ersten Hälfte ein lustiger, teilweise extrem witziger und slapstickhafter Film einer zweiten Hälfte gegenüber, die urplötzlich in bitteren Ernst umschlägt. Und mal ganz ehrlich: so wie die koreanischen Filmemacher das machen, so bekommt das niemand, weltweit nicht, hin. Das Zusammenführen von Komik und Tragik scheint mir überhaupt das Signum des neueren koreanischen Films zu sein. Und auch im Falle von HAEUNDAE funktioniert diese Kombination großartig. Der Katastrophenfilm an sich hat mich nie sonderlich interessiert, höchstens als Bruder im Geiste zu Weltuntergangsszenarien. Dieser Film allerdings hat mir großen Spaß gemacht - vielleicht auch, weil er gar nicht viel mehr will, als zu unterhalten. Dass dann wie nebenbei noch etwas Liebenswertes, Detailreiches und Zwischenmenschliches herausspringt -vor allem in der ersten Hälfte- führte in meinem Wohlfühlzentrum zu gemäßigten, aber durchaus mehr als nur durchschnittlichen Zufriedenheitsreaktionen.

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Sonntag, 1. November 2009

Tactical Unit: No Way Out / Kei tung bou deui: Juet lou (Lawrence Lau, HK 2009)

Und der alles entblößende Monitor des Fernsehers, der böse und übernah die Nacktheit aller zeigt. Rainald Goetz, Abfall für alle

Teil 2 der von Johnny To produzierten PTU-Sequel-Fernsehserie mit Simon Yam und Maggie Siu als Helden geht in die Vollen. Auch Bewegung, Action, Reminiszenzen an das Bloodshed-Genre sind allenthalben auzumachen. Nachtphotographie, Neonreklame, die Temple Street, das Unbehaustsein derer, die sich mir einem Marktstand über Wasser halten, oder einem Brett vor der Tür für die paar Kleinigkeiten und die Waren dann im Hausflur die Wand entlang gestapelt zum Kauf anbieten.

Aber vor allem anderen ist NO WAY OUT eine Tragödie. Die des geistig leicht behinderten Fai (Derek Tsang), seines Zeichens Fußvolk einer Triade, illegaler Zigarettenverkäufer, ständig auf der Flucht vor den Polizeistreifen der PTU und abhängig von der Bezahlungswilligkeit seiner meist nicht gerade zartbesaiteten Kundschaft. Der in Konflikt gerät mit der gegnerischen Lok-Triade, mit dem Hitzkopf Crack (Samuel Pang) als durchdrehendes, auf Hochtouren laufendes Exekutivkommando.

Es ist die Tragödie einer illegalen Festlandchinesin (Wu Li), die sich als Prostituierte verdingt und sich des behinderten Fai annimmt, zwei einsame Seelen, die zueinander finden. Doch als die Polizei Fai als Köder einer ihrer Razzien mißbraucht um die Triaden nach einem weiteren Mordfall auszuheben, werden Fai und die Schöne zwischen den Fronten zerrieben.

Und daß diese Gemengelage nicht gut ausgehen kann, dafür bekommt man schnell ein Gespür. Lau hält vorzüglich das Tempo, setzt ruhige Akzente, operiert mit subjektivem Soundeinsatz und exzellent inszenierten Bildern einer das Tragische entblößenden Kamera. Der Film erreicht so nach und nach eine Intensität, die kaum mehr auszuhalten ist. An ein Happy-End denkt da schon lange keiner mehr. Die Sichtung läßt einen alleine zurück, am Boden, verstört und emotional venichtet. Der Abend ist gelaufen.