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Montag, 26. April 2010

No Regrets for Our Youth / Waga seishun ni kuinashi (Akira Kurosawa, Japan 1946)


Als ein Universitätsprofessor (Denjiro Okochi) im Jahr 1933 seine Stelle verliert, da er als Linksaktivist die Studentenproteste gegen die Invasion Japans in der Mandschurei unterstützt, muss sich seine verwöhnte Tochter Yukie (Setsuko Hara) zwischen zwei Studenten entscheiden, in die sie sich verkuckt hat, die aber ganz unterschiedliche Lebenspläne haben und völlig unterschiedliche Laufbahnen einschlagen werden. Noge (Susumu Fujita) ist ein engagierter politischer Provokateur, der das Schicksal in die Hand nimmt - ein Mann der Tat. Itokawa (Akitake Kôno) jedoch ist ein schüchterner, zurückhaltender junger Mann, der die Beamtenlaufbahn einschlagen wird: er wird Staatsanwalt. Yukie, temperamentvoll wie sie ist, wird sich gegen den Verstand und für das Gefühl entscheiden. Doch als Noge während eines Protestmarsches von Faschisten verschleppt wird, gerät auch sie in die Mühlen des Polizeiapparats (schmierig: Takashi Shimura) und findet sich plötzlich als Kollaborateurin im Gefängnis wieder. Ein Wiedersehen mit Noge scheint auf Jahre hin unmöglich geworden...


[Yukie muss über den Wildbach: doch welcher der beiden Galane ist der richtige für sie?]

Kurosawa erzählt in diesem zweistündigen Film (mit einem recht drögen Mittelteil) eine Liebesgeschichte vor dem Hintergrund historischer, politischer Ereignisse. Dass er die Wahl Yukies befürwortet, muss wohl kaum explizit erwähnt werden. Sozialkritisches Heldentum, gespiegelt am Schicksal einzelner Individuen ist eines seiner Themen - sozialkritisch bereits per se, da Kurosawa stets das Individuum der Masse bevorzugt.


[Hat sich die Frau entschieden, ist selbst in linken Ehen traditionell Kimono angesagt und sind die patriarchalischen Herrschaftsverhältnisse überdeutlich...]

Wie sehr sie hinter ihrer Wahl des Ehemanns steht, verdeutlich sich im letzten Viertel des Filmes, als Yukie nach dessen Tod zu den Eltern Noges auf's Land zieht und mit ihnen die bäuerliche Existenz teilt. Im Willen hart zu arbeiten ehrt sie dessen Andenken und versucht die Eltern davon zu überzeugen, dass ihr Sohn ein aufrechter und ehrenwerter Mann war. Etwas, von dem sie sich nur schwerlich überzeugen lassen, da sie den Hass und den Spott der Dorfbewohner ertragen müssen, die in Noge nur den Verräter, den Spion zu sehen vermögen. Würden die Eltern sie selbst akzeptieren, würden sie auch dem Sohn vergeben, so ihre Theorie.


[Yukie am Ende ihrer Kräfte, bricht zusammen unter ihrer Last, ihrem Kreuz...]

[Wer leidet hier in diesem Christusmotiv für wessen Sünden? Auch der Vater nimmt die Sünden Japans auf sich...]

Nach dem Krieg schließlich wird Noge als Pazifist öffentlich geehrt, Yukies Vater tritt seine Stelle wieder an, und sie selbst, die ihre Ziele erreicht hat, bleibt bei den Schwiegereltern - sie hat nun ihren Platz im Leben gefunden. Von den zarten Fingern der Pianistin blendet Kurosawa etwas plump auf die harten Hände der Landarbeiterin, die ihre Schwielen im Fluß kühlen muß.
Die letzten Bilder sollen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Film mit einem positiven Ende schließt - Yukie, die auf den Lastwagen springt und selbstbewußt zurück in ihre "neue Heimat" fährt.

Sonntag, 18. April 2010

Kurzer Abstecher zur NIPPON CONNECTION 2010

Am heutigen Sonntag, yeah!, war ein Besuch der Nippon Connection in Frankfurt angesagt. Dummerweise haben wir uns wohl vom guten Wetter einlullen lassen - und uns dann mehrfach verfahren, sodaß es also doch reichlich knapp wurde. Fünf Minuten vor Filmbeginn waren wir aber glücklicherweise vor Ort. Der erste der drei Filme, die wir uns ausgesucht hatten, war leider eine ziemliche Gurke...

Kaiji / Jinsei gyakuten geemu (Toya Sato, Japan 2009)

In einem kleinen Supermarkt verdient sich Kaiji (Tatsuya Fujiwara) seine paar Kröten, um über die Runden zu kommen. Als er urplötzlich von skrupellosen Krediteintreibern eingesackt wird, wird es jedoch ernst: die Bürgschaft, die er vor Jahren einem Freunde auf einen Kredit gewährte, soll eingelöst werden, denn eben jener Kumpel ist spurlos verschwunden. Die Summe aufzutreiben ist ihm naturgemäß unmöglich, da schlagen sie ihm einen Deal vor: er soll sich auf ein mysteriöses Kreuzfahrtschiff begeben, um dort an einem riskanten Glücksspiel teilzunehmnen, bei dem es um alles oder nichts geht...

Diese Manga-Live-Action-Verfilmung ist so ziemlich das Übelste, was ich seit Langem gesehen habe. Hier ist mit viel Aufwand und großen Summen Schrott produziert worden. Der Film zerfällt völlig in seiner Episodenhaftigkeit, ist unerträglich in seinem pseudo-Pathos und schlicht nervraubend in der Manie, jede Szene bis ins Letzte auszuschlachten. Man hält es kaum auf dem Sitz aus - zumal der Film auch nicht enden will. Über zwei stunden Laufzeit fühlen sich an wie Jahre. Seine Gesellschaftskritik, die zweifellos in ihm steckt, verpufft vollständig, da alles dem Diktat des Entertainments geopfert wird. Und weshalb man so einen Film einem Festivalpublikum zumutet, ist mir ein Rätsel.

Zero Focus / Zero no shoten (Isshin Inudo, Japan 2009)

Als sich Kenichi kurz nach seiner Heirat mit der jungen Teiko nach Kanazawa aufmacht, um letzte Dinge an seinem alten Arbeitsplatz zu klären, kehrt er nicht mehr zurück. Teiko hält das Warten irgendwann nicht mehr aus, und reist ihm nach. Dort angekommen, gerät sie auf die Spuren mysteriöser Geheimnisse und eine angeschwemmte Leiche könnte ihr Gatte sein. Doch warum sollte er Selbstmord begangen haben?

Inudo (Jozee, the Tiger and the Fish / Maison de Himiko) hat mit seinem Remake des Klassikers von Yoshitaro Nomura von 1961 einen tollen Film abgeliefert: einen durchmixten Genrefilm, einen feministischen Film Noir mit Historienfilm-, Mystery- und Politthriller-Elementen. Extrem vielschichtig, mit toller Bildsprache, fantastischen Darstellern, und überraschenden Wendungen, die aber immer sinnstiftend den Film vorantreiben. Jetzt muß ich mir wohl doch mal das Original, das hier schon geraume Zeit herumsteht, zu Gemüte führen.

One Million Yen Girl (Yuki Tanada, Japan 2008)

Die 21-jährige Suzuko (Yu Aoi) will mit ihrer besten Freundin zusammenziehen, da sie sich als Teilzeit-Jobber keine eigene Wohnung leisten kann. Mit ihren Eltern steht sie nicht auf bestem Fuße, der kleine Bruder kann sie nicht leiden. Als dieses Experiment gründlich schief geht, muß sie einen hohen Schadensersatzbetrag abbezahlen, da sie vom Freund ihrer Mitbewohnerin gelinkt wurde. Wieder eine menschliche Enttäuschung. Fortan beschließt sie, frei von Ort zu Ort zu ziehen, allzu enge menschliche Kontakte zu vermeiden, und erst zurückzukehren, wenn sie eine Million Yen gespart hat.

Tanada weiß zu begeistern mit ihrem zugleich ruhigen, anrührenden und lustigen Film. Er ist phantastisch photographiert, gut rhythmisiert, exzellent gespielt, sehr unterhaltend, feinfühlig, vielschichtig und trotz seiner Länge enorm kurzweilig. Tolle Charakterentwicklungen. Wollte man etwas bekritteln, dann allenfalls, dass die Regisseurin dank ihrer Hauptdarstellerin manchmal sehr auf die Charmedrüse drückt. Der Film ist schon eine ziemliche Yu Aoi - Show. Tanada hat übrigens auch das Drehbuch zu SAKURAN von Mika Ninagawa geschrieben - ebenso ein Film, den man sich tunlichst anschauen sollte.
So hatte sich der Festivaltag für uns stetig gesteigert und mit einem tollen Film abgeschlossen.

Donnerstag, 15. April 2010

Raging Phoenix / Deu suay doo (Rashane Limtrakul, Thailand 2009)


Neu (Jija Yanin) wird von einer üblen Gang gekidnappt, doch der wie aus dem Nichts auftauchende Sanim kann sie in letzter Sekunde retten. Als sie im Versteck von Sanims Gang erwacht, befindet sie sich umgeben von zwar heruntergekommenen aber dafür ausgezeichneten Drunken Muay Thai Eleven, die sie alsbald vor schönen Naturkulissen in nur wenigen Tagen in diese herrliche Kampfkunst einführen. Ihr oberstes Ziel: den Frauenhändlerring zu zerschlagen, der ihnen allen die Liebste raubte.

So abstrus und konsistent sich das anhört, so zerfahren, unlogisch und lächerlich peinlich wird die Handlung anschließend weitergeführt. Es ist zum Brechen.
Andererseits: wer wirklich geglaubt hat, daß man es hier mit exquisiter Plotentwicklung und feinsinniger Filmnarration zu tun bekommt, ist vielleicht etwas naiv. Doch selbst die Kämpfe -das, um was es hier geht- sind meines Erachtens schlechter als im Vorgänger und haben weniger Ästhetik und Esprit zu bieten.

Dieser Film ist wie zwei Stunden lang die Demo-Version eines Kampfsport-Computerspiels anzugucken. Nach dem tollen Vorgänger CHOCOLATE hatte ich mehr erwartet. Die Hirnlos-Ecke hätte man doch Tony Jaa reserviert lassen können!

Dienstag, 13. April 2010

Megane / Brillen / Glasses (Naoko Ogigami, Japan 2007)


Als eine junge, gestresste Professorin ihren Frühjahrsurlaub auf einer kleinen Insel zu verbringen gedenkt, ist sie bei Ankunft in ihrer Ferienpension überrascht: außer ihr gibt es keine anderen Gäste in dieser Idylle. Die Frage nach dem warum, klärt sich schnell: es gibt hier absolut nichts zu tun. Die Menschen verbringen ihre Zeit mit Morgengymnastik am Strand, gutem Essen und ansonsten mit ausgiebigem Dahindämmern. Also etwa stundenlang auf das Meer zu schauen, zu angeln (obwohl an dieser Stelle noch nie ein Fisch angebissen hat), und faszinierend lecker aussehendes, geraspeltes Eis zu essen. Die Dame ist verzweifelt, will sie ihren Urlaub doch auch "nutzen" - und außerdem rückt ihr, der Sozialphobikerin, der Familienanschluß zu sehr auf den Pelz.

Regisseurin Ogigami fragt mit diesem sehr ruhigen Film wie nebenbei danach, was man vom Leben erwartet, mit was man zufrieden ist, wo man seinen Platz in der Gesellschaft findet. Da ähnelt MEGANE sehr dem Vorgänger KAMOME SHOKUDO, in der die Protagonistin als Exilantin ein kleines Lokal in Finnland aufgemacht hatte. MEGANE ist jedoch noch etwas ruhiger, dabei betörend stilsicher und vor allem in seinem lakonischen Humor unglaublich charmant. Nicht nur wachsen einem die Charaktere ans Herz, die langen Einstellungen und minimalen Kamerabewegungen verdeutlichen dem Zuschauer auch auf formaler Ebene die Gemächlichkeit der Ereignisse, welche so erst den Blick frei machen für die Schönheit der alltäglichen Dinge.

Michael Schleeh

***

Donnerstag, 8. April 2010

Sanshiro Sugata 2 / Judo Saga 2 / Zoku Sugata Sanshiro (Akira Kurosawa, Japan 1945)

Als Sanshiro einem Rikschafahrer zu Hilfe kommt, der sich mit einem amerikanischen Seemann angelegt hat, pariert er dessen Boxtechnik mit Leichtigkeit und befördert ihn -wie in Teil 2 bereits sein Lehrer- mit einem Schulterwurf ins Hafenbecken.


Die amerikanischen Besatzer fühlen sich herausgefordert und entsenden ihren stärksten Boxer um gegen den größten Judoka Japans (Sanshiro Sugata) anzutreten. Als dieser einem Kampf im amerikanischen Konsulat als Zuschauer beiwohnt, ist er entsetzt ob der brutalen Gewalt, die dieser Technik inhärent ist. Ebenso ist er abgestoßen von der Schreienden und johlenden Menge, die dem Kampfe beiwohnt. Mit der Finesse und dem respektvollen Umgang eines Judokampfes hat das alles nichts zu tun.


So zumindest will es der japanische wartime Patriotismus, der alles Japanische zur Hochkultur verklärt, und alles Westliche, Amerikanische verdammt. Entsprechend wird der japanische Judoka von dem amerikanischen Boxer niedergemetzelt, wie es brutaler nicht sein könnte. Spott und Hohngelächter erntet der Unterlegene, und Sanshiro verläßt empört und traurig zugleich den Ort des Schreckens. So geht das ja nicht, das muss gerade gerückt werden; auch wenn Sanshiro damit gegen die heiligen Gesetze eines erleuchteten martial-arts-spirits verstößt. Das sind Momente, in denen der Film allzu penetrant auf der politisch stromlinienförmigen und auch langweiligen Linie mitschwimmt, mitschwimmen mußte.


Nicht weniger verwirrend (dafür nicht ärgerlich) ist der satirische, oft sogar slapstickartige Ton, der das Geschehen färbt. So kann der erste Kampf mit dem Seemann nur eine Parodie auf einen Kampf genannt werden, die schon stummfilmhafte, überzeichnete Züge trägt. Zugleich jedoch wird die Aggression deutlich, die da freigesetzt wird: der Rikschafahrer weiß sich nicht zu wehren und wir zum Spielball der Gewalt (eine weitere satirisch-humoristische Szene ist das Aufeinandertreffen mit den irren Karateka (Genzaburo!) im Dojo Sugatas sowie einige Einstellungen beim anschließenden Kampf gegen den amerikanisch Killer).


Leider muss man auch konstatieren, dass dieser zweite, der Legende nach Kurosawa aufgezwungene Teil, nicht die Klasse des früheren Werkes erreicht. Der platte Patriotismus ist teilweise unerträglich (als Zeitdokument aber interessant), die Bildgestaltung erreicht nur in wenigen Momenten die Klasse des Vorgängers, und auch die formale Komposition kann nicht mehr mithalten. Ein Film ohne Herzblut, könnte man meinen. So richtig enttäuschend finde ich ihn aber nicht. Der schlechte Ruf, der ihm vorauseilt, sollte vielleicht in Relation gesetzt werden. Dieser ist vielleicht ein schlechter Kurosawa, weil es ein vorhersehbarer Unterhaltungsfilm ist. Jede Figur zum Beispiel ist eindeutig vordefiniert. Es gibt aber weitaus doofere Filme. Tonnenweise doofere sogar.

Das Schicksal dieses Films wird aber sicherlich dasjenige bleiben, dass man sich beim Volumen an hochqualitativen Fimen in Kurosawas Werk im Zweifelsfall lieber die abgesicherten Meisterwerke ansieht, und die kleineren Filme oder die mit gar schlechterer Reputation links liegen läßt. Das ist schade. So kann sich natürlich auch keine alternative Meinung abseits des Kanons bilden. Vielleicht sollte man öfters mal die abgesicherte Route verlassen und sich die kleinen Nebenwege erschließen. Man kann dabei interessante Entdeckungen machen.

Dienstag, 6. April 2010

Black Rose Mansion / Kuro bara no yakata (Kinji Fukasaku, Japan 1969)


Der gut situierte Geschäftsmann Kyohei (Eitaro Ozawa) führt in seiner Freizeit einen elitären Herrenclub, in dem nur ausgewählte Gäste Zutritt haben. Eines abends steht ein besonderes Highlight an: die bekannt-berüchtigte Sängerin Ryuko Fujio (Akihiko Maruyama), die perfekte Personifikation einer exotischen Femme Fatale, ist zu Gast, und weiß in wenigen Momenten und mit nur einem Lied die Herren des Clubs zu betören. Da stürmt urplötzlich ein verzweifelter Geschäftsmann herein, stürzt sich auf Ryuko und fleht um ihre Liebe, bettelt um ihre Rückkehr, droht sich umzubringen. Alle sind schockiert: doch die Zeichen sind gesetzt. Hinter dieser seltsamen Frau verbirgt sich ein Geheimnis, und Kyohei selbst, erfolgreich und verheiratet mit einer liebenden Gattin, verfällt der exzentrischen Unbekannten.




Fukasaku gelingt mit BLACK ROSE MANSION ein echter Augenschmaus, der sich recht eindeutig bei Film Noir-Motiven bedient. Stilistisch aber gleicht er einem bis ins Psychedelische reichende Sammelsurium - und wer wollte, könnte den Standardkatalog des postmodernen Films zum Anschlag bringen. Der stets befremdliche Grundgestus des Filmes ist seine Fremdheit, der sich in der Figur der Ryuko manifestiert. Gespielt von dem schwulen Frauen-Darsteller des Kabukitheaters Akihiro Maruyama betört der Film durch ein transgressives Moment, das in den stilistischen Ausbrüchen sein formales Gegenstück findet.


Nicht verschwiegen soll sein, dass der Film streckenweise etwas behäbig wirkt, trotz seiner Finessen, und eine gewisse Distanziertheit beim Zuschauer stets vorherrscht. Das folgt mit Sicherheit aus dem Fehlen eines sympathischen Protagonisten - aber wir wissen ja auch, dass man bei Fukasaku-Filmen nicht unbedingt mit Seelenschmeicheleien zu rechnen hat. Trotz seiner Spannungsdefizite ist BLACK ROSE MANSION völlig überzeugend und ein äußerst charmanter Vertreter des schrägen Films.

Freitag, 2. April 2010

They who Step on the Tiger's Tail / Tora no o wo fumu otokotachi (Akira Kurosawa, Japan 1945)


Der ruhmreiche Feldherr Yoshitsune flieht vor seinem Bruder Yoritomo mit seinen engsten Gefolgsleuten durch die Berge und Wälder in die Nachbarprovinz. Sie haben sich als Mönche verkleidet und gelangen an der Provinzgrenze an einen Kontrollposten, der sich in den Händen Yoritomos befindet. In einem fulminanten Wortduell muss nun Benkei, der Anführer der Gruppe, die den General in der Tarnung eines Lastenträgers beschützt, den Kommandanten Togashi von ihrer falschen Identität überzeugen; ein gefährliches Spiel, hat Togashi doch einen scharfäugigen und äußerst mißtrauischen Assistenten an seiner Seite, und Benkei einen gutmütigen Kasper von Träger im Schlepptau (der comic relief-Charakter im Film), der etwas schwer von Begriff ist, jede Emotion hinausbrüllen muss und mit seiner schreckhaften Natur das ganze Unterfangen gefährdet. Ein Auffliegen würde die Ermodung Yoshitsunes nach sich ziehen.

Kurosawas dritter, 58 Minuten kurzer Spielfilm ist ein sehr überschaubarer Dreiakter, der im Mittelalter spielt, und sich aus einem historischen Noh-Stück sowie dessen Kabuki-Adaption speist. Sowohl verschiedene Lieder und Singstücke als auch Sprechakte verweisen in ihrer Performanz auf diese Quellen.
Für den heutigen Betrachter ohne Vorkenntnisse japanischer Theaterkultur ist das durchaus problemlos goutierbar, denn das Performative des Theaters ist eine universelle Kommunikationsform. Dass sich das Medium Film in unserer westlichen Hemisphäre eher der Tradition der Photographie zuschlagen läßt, das der japanischen aber der Theaterbühne, spielt bei der Rezeption keine Rolle. Verwunderung mag allenfalls beim Eindruck einer gewissen Geschlossenheit der Räume aufkommen (obwohl sich die komplette Handlung im Freien abspielt): etwa durch den engen Baumbestand der Wälder im ersten Drittel oder in der zentralen Szene am Kontrollpunkt, in der mit dem gespannten Flaggenbanner im Hintergrund ein künstlich abgetrennter Raum geschaffen und in ein Innen und Außen geschieden wird. In dieser Hauptszene des Films, dem mitleren Akt, gleicht die Raumorganisation der Figuren einer Anordnung auf einer Bühne. Die Konfrontationssituation am Kontrollpunkt sowie die Hierarchien innerhalb der beiden gegnerischen, sich abtastenden Gruppen betonen diesen für den Zuschauer gut einsehbaren horizontalen Raum, der kaum in die Tiefe gestaffelt ist.

Eine Frage, die in der Rezeption des Filmes immer wieder gestellt wurde, ist die, ob der Kommandant des Postens, Togashi, wußte oder vermutete, wer sich unter dem Hut in der letzten Reihe als Träger verkleidet befindet. Ich meine: ja. Doch die Kunstfertigkeit Benkeis in Sprachfertigkeit und souveränem Auftreten nötigen ihm Respekt ab. Und noch sicherer kann davon ausgegangen werden, dass nach den ausgeteilten Prügeln Benkeis an Yoshitsune, welche verdeutlichen sollen, dass dies niemals ein Edelmann sondern nur ein gemeiner Packesel sein kann, Togashi die Ehre des Würdenträgers schützen wollte und eine Entlarvung umging, aus Respekt vor der Autorität (wie auch der anschließend als Entschuldigung Togachis überbrachte Sake verdeutlicht). Denn dessen heißsporniger Adjutant mit dem europäischen Bärtchen hätte beinah den adligen Edelmann beleidigt. Also, das lehrt uns DIE MÄNNER, DIE DEM TIGER AUF DEN SCHWANZ TRATEN: Schnäuzer bitte abnehmen.