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Dienstag, 29. Juni 2010

Tropical Malady / Sud pralad (Apichatpong Weerasethakul, Thailand 2004)

Ich mag freie Formen. [...] Der Dschungel ist ein Ort, an dem die Urinstinkte aus dem Käfig gelassen werden. Auch jeder Bezug zur Zeit ist aufgehoben. (A. W. in Revolver, Zeitschrift für Film)



Wer an diesen Film mit den herkömmlichen Bedürfnissen nach kohärenter Erzählweise und "spannender Story" herangeht, wird enttäuscht werden: dieser zarte Film vor Dschungelkulisse und dem wilden Gewühl in Bangkok geht einen anderen Weg: einen eigenen.


Keine Musik, statische Bilder, ab und zu mal eine Fahrt, das muß genügen. Dafür: Schnitte, keine Arthhouse-Aufschneiderei! Sondern: Flackern, Ausschnitte einer Annäherung, Berührungen, Lachen, Lächeln - zwischen Keng (Banlop Lomnoi), dem Soldaten, und seinem Freund Tong (Sakda Kaewbuadee), dem Bauern. Da bekommt man wahnsinnig viel mit von einem Leben zwischen Flirt und Eisklotzschneiden, und die eher stillen Charaktere bilden sich aus durch Kleinigkeiten.


Doch dann, als die Romanze beginnt, kommt der Einschnitt: Tong verschwindet, geht ins Licht, dann in die Dunkelheit, in den Wald wohl. Der Dschungel des zweiten Teils balanciert die Großstadt des ersten aus. Keng wird abberufen auf's Land und muß den Tiger finden, der einem Dorf die Tiere reißt. Immer weiter geht es hinein in den Dschungel, und Keng beginnt zu halluzinieren, Geister zu sehen, in Kontakt zu treten mit den Märchen und Sagen, den Mythen des Waldes und dem Schamanismus. Die Bilder verweben sich immer mehr - ohne psychedelisch zu werden - zu einem Geflecht der psychischen Öffnung, in der zwischen Mensch und Natur nicht mehr eindeutig geschieden werden kann.


Und genau auf diese Weise muß sich auch der Zuschauer auf diese Bilder einlassen, diese Art eines intuitiven Erzählens, eines impulsiven Wahrnehmens, das einem erst im Nachhinein - vielleicht! - die Zusammenhänge zeigt. Man schaut,... und staunt. Da spielt Zeit keine Rolle mehr, Szenen wechseln sich ab, und dennoch bemerkt man eine Intensivierung auf einen Höhepunkt hin, der sich in der Aura des Filmes bemerkbar macht.


Denn dann, ganz am Ende, erscheint dann auch das wilde Tier - so der Originaltitel getreuer übersetzt - dem Protagonisten. Der Löwe blickt ihn an, und der Protagonist sieht sich selbst. Denn da schlägt der Film wieder den Bogen zum Anfang, an dem zu lesen war: "Von Natur aus sind wir alle wilde Bestien." Es ist unsere Pflicht uns selbst zu zähmen. Auch Photos vor Leichen - wie am Anfang - zeugen vom Tier in uns.
Ist man am Ende angelangt schließt sich der Kreis. Und öffnet sich zugleich erneut zu dieser oder der nächsten Geschichte: man kann TROPICAL MALADY direkt nochmals schauen.

Montag, 28. Juni 2010

One Wonderful Sunday / Subarashiki nichiyôbi (Akira Kurosawa, Japan 1947)


An einem Sonntag treffen sich die beiden Verlobten Yuzo (Isao Numasaki) und Masako (Chieko Nakakita) im teilweise zerstörten Nachkriegstokyo und versuchen trotz des geringen Budgets, das ihnen zur Verfügung steht, einen schönen Tag zu verbringen. Dies gelingt nur bedingt, da sich ihnen einige Hindernisse in den Weg stellen.

Im Zentrum des Filmes steht die lebenslustige Masako, die mit ihrer natürlichen Art immer wieder auf's Neue versucht, Yuzo zu begeistern. Oft genug schluckt sie -angesichts der Widrigkeiten- dabei den Kloß im Hals hinab, macht gute Miene zum bösen Spiel, entwirft Pläne, träumt von der Zukunft und ist voller Hoffnung. Doch Yuzo kann die Euphorie oft nicht teilen, allzu schnell resigniert er: die Sorge um das Geld liegt wie ein Ballast auf dem Dasein.



Sehr bedrückend ist die lange Szene, in der die Liebenden zu ihm in das kleine Zimmer zurückkehren, wo sie niedergeschlagen herumhocken. Die Armut hat sich in ihrer lähmenden Kraft voll entfaltet. Yuzo ist am Boden zerstört. Symbolträchtig bündelt das Kurosawa im Bild der Emaille-Schüssel auf dem Boden, in die in regelmäßigen Abständen mit lautem Plock ein Wassertropfen fällt: die Decke ist feucht, da das Dach undicht ist. Auch das Wegschieben der Schüssel bringt ja nichts, die Probleme bleiben. Und für einen kurzen Moment hat man den starken Eindruck, auch wenn so gut wie nichts gesprochen wird, dass hier die Beziehung beinahe zerbricht. Kurosawa gönnt uns minutenlang weder Dialoge noch Musik - das Gefühl der Tristesse überträgt sich in voller Wucht auf den Zuschauer.


Das sich anschließende Aufrappeln nach dem Regen, das diesmal von ihm ausgeht, und der Besuch der Freiluftbühne, die zur bekannten Szene mit dem imaginierten Konzert führt, ist ein Plädoyer für die Hoffnung, die Mitmenschlichkeit und die Kraft des Willens, sich nicht unterkriegen zu lassen und immer weiter gegen die Unbilden des Lebens anzukämpfen.
Kulminationspunkt ist eindeutig Masakos emotionaler Monolog: ein Appell für die Mitmenschlichkeit, den sie direkt in die Kamera spricht und somit direkt an den Zuschauer adressiert. Ein Monolog, mit dem Kurosawa nicht nur einen katastrophalen Stilbruch begeht, da er aus der Diegese fällt, sondern der auch in seinem Gutmenschentum nicht zu ertragen ist. Mit einem Zukunftsversprechen endet dann der bisweilen sehr lang sich anfühlende Film in einem Happy-End.

Mittwoch, 23. Juni 2010

Ninjo kami fusen / Humanity & Paper Balloons (Sadao Yamanaka, Japan 1937)


Spätestens seit Yoji Yamadas (TWILIGHT) SAMURAI-Trilogie ist man ja etwas sensibler geworden für die Belange und Probleme, die sich den herrenlosen Samurai der Edo-Zeit gestellt haben; denn nicht alle wurden zu gewissenlosen Streunern und Killern á la Ryunosuke aus SWORD OF DOOM, Okami Itto aus LONE WOLF oder Samanosuke aus Hideo Goshas TANGE SAZEN. Völlig vergessen hatte man den Familienvater, den Ehemann, den sanftmütigen Samurai, der immer noch an Ehre glaubt, an ein moralisches Miteinander. Yamada hat einem das mit seinen drei tollen, konservativen Filmen ins Bewußtsein zurückgeholt.


Umsomehr ist man dann für die Probleme der Samurai in HUMANITY sensibilisiert, die in einer Gesellschaft leben, in der die Ehre wenig gilt, in der das Geld regiert und derjenige das sagen hat, der sich am besten durchsetzen kann. Deutlich wird das gleich in der Eröffnungsszene, in der ein Samurai gefunden wird, der sich aus Verzweiflung, aus Armut, erhängt hat. Die Bewohner des Viertels beklagen den Verlust, und vollziehen die Totenwache, die dann allerdings in ein Trinkgelage mündet, und den Ton des Films festschreibt: humorvoll, komödiantisch vor dem Hintergrund eines tragischen Daseins. Dadurch erreicht der Film eine Form der tiefen Menschlichkeit, wie man sie aus Yasujiro Ozus Filmen kennt. Die eigentlichen Hauptfiguren, die sich erst nach und nach aus diesem Gesellschaftsportrait herauskristallisieren, sind der Friseur Shinza, der illegale Glückspiele durchführt, sowie der Ronin Matajuro Unno, der verzweifelt bei einem Clanvorsteher vorzusprechen sucht, um Arbeit oder Unterstützung zu bekommen. Dort wird er aber permanent abgewiesen. Seiner Frau, mit der er Papierlampions faltet um die finanzielle Situation aufzubessern, verheimlicht er dies, da er sie vor der Grauenhaftigkeit ihrer Lage bewahren will. Leider entscheidet er sich hier aus übertriebener Rücksichtnahme falsch; die Wahrheit wäre wohl besser gewesen. Als sie hinter seine fortwährenden Lügen kommt, wählt sie ein sehr drastisches Mittel, um sich und ihren Mann von den Leiden zu erlösen.


Dieser in fantastischen Bildern erzählte Film des leider früh verstorbenen Filmemachers Yamanaka zählt zu den großen Klassikern des japanischen Kinos und er kann wohl in einem Atemzug mit Ozu, Mizoguchi oder Kobayashi genannt werden. Das Ineinanderweben der menschlichen Tragödie, die sich im täglichen Überlebenskampf manifestiert, wird hier mit einem feinen und leichten Komödienton verknüpft, sodaß man gebannt und gerührt, tief bewegt dem Geschehen beiwohnt. Die Inszenierung des eng verwinkelten Armenviertels, mit seinen schmalen Gassen und verbauten Behausungen, übt keinen geringen Reiz auf die visuelle Schönheit des Filmes aus und läßt den Schauplatz zu einem handlungstragenden Symbol der komplizierten Lebenswege seiner Bewohner werden. Ein wundervoller Film.

Freitag, 18. Juni 2010

Re-Cycle / Gui Cheng (Pang Brothers, HK 2006)


Tsui Ting-Yin (Lee Sinje) ist eine berühmte Autorin in ihrem Lande, die aber mit einer Schreibblockade zu kämpfen hat. Daß ihr Verleger der lesehungrigen Anhängerschaft bereits ein neues Werk ("Re-Cycle") versprochen hat, war ein Fehler: dies setzt sie natürlich noch mehr unter Druck. Daß das neue Buch ein Fantasy-Roman werden soll, ist ihr bereits klar, doch hat sie enorme Probleme bei der Gestaltung der Protagonistin; und wie es der Geisterfilm so will, verschwimmen immer mehr die Grenzen zwischen Realität und Geisterwelt. Auslöser ist in unseren modernen Zeiten natürlich der Computer. Denn jedes Mal, wenn sie etwas Geschriebenes löschen möchte, scheint sich diese in die Realität gesetzte Fiktion zu wehren und aufzubegehren.
Der klug konstruierte Plot verhandelt also gleich mehrere interessante Aspekte: Fiktion und Realität, Literatur als (Sprach-)Speicher gegen das Vergessen, ganz generell Vergessen des Vergangenen und Verdrängen des Ungewollten. Dabei geht der Film so vor, daß er in die Vorstellungswelt der Autorin vordringt, und diese als quasi-reale erstehen läßt. Dies mag dem einen als großer Humbug erscheinen, dem anderen als Quell und Möglichkeit kreativer Tausendfaltigkeiten. Und daß es nicht (nur) um Schocks geht, habe ich oben bereits anzudeuten versucht. Es geht um 'Die Vergessenen', egal welchen Bereichs. Das abgetriebene Kind, den toten Großvater, die verdrängten Träume und Wünsche. Hier wird der Film konkret und realisiert dies alles als Landschaft, in der die Heldin herumspaziert. Wobei man eher von Flucht sprechen muß, denn das Verdrängte ist häufig Böses, oder zumindest: bös Gewordenes, das sich nicht mit einer Entsorgung am sprichwörtlichen Rande der Welt abfinden will. Her geht es nun drunter und drüber, doch macht das überbordend barocke CGI-Setdesign nur den Weg frei zur Reflektion; keineswegs ist das alles ein willkürlich angehäuftes Horror-/Fantasy- und Actionspektakel, das sich auf seine Schauwerte reduzieren läßt, denn inhaltlich passen die Erlebnisse der Heldin in der 'Parallelwelt' sehr gut in die Koordinaten Verdrängung/Fiktion und Alptraum/Realität. Lediglich der sehr stark eingesetzte Score hat mich etwas genervt; und das immer dann, wenn dieser derart dominant wird, daß man nicht mehr richtig unterscheiden kann, ob das nun zur Figurenhandlung gehört, oder zur akkustischen Zusatzunterstützung (extradiegetisch). Aber daß sich auch hier die festen Kategorien auflösen, ist wahrscheinlich nur konsequent. Die Kamera ist die ganze Zeit über sehr dynamisch, und scheint sich nicht mit bloßem 'Abfilmen' zufriedenzugeben; eine markante Szene: als die Heldin in die neue Welt tritt, durch eine Tür (!), steht sie auf einer Art Balkon, von dem eine halbverfallene Treppe hinab führt. Um die Höhe des riskanten Abstiegs ins Bild zu fangen, fährt die Kamera zurück und streift knapp über eine weitere Treppe, die quasi im Rücken der Kameraposition weiter hinten von einem ähnlichen Balkon ebenfalls hinab führt. Als die Kamera fast diese Treppenstufen streift, gibt es ein scharfes metallenes Geräusch mit anschließenden Rauschen. Hier setzt also die Kamera und ihre Bewegung selbst eine realitätsrelevante und tatsächliche existierende Handlung in die Welt. Stellt sich natürlich die Frage, wie so etwas zu beurteilen ist....
Und am Ende, nach dem Twist, zeigt sich: die Differenz zwischen Geist und Mensch ist oft gar nicht so groß. Überraschend schön.

Donnerstag, 17. Juni 2010

Haebaragi / Sunflower (Seok-beom Kang, Südkorea 2006)


Der Gangster Taeshik (Rae-won Kim) wird nach Verbüßung seiner 10-jährigen Haftstrafe entlassen. Wieder auf dem rechten Weg, kehrt er in seine Heimatstadt zurück und findet bei der Betreiberin eines kleinen Restaurants am Rande eines Sonnenblumenfeldes ein neues Zuhause. In einer Autowerkstatt findet er Arbeit. Die Tochter der Wirtin umflirtet ihn. Alles scheint gut zu werden. Bis ein skrupelloser Politiker und Unternehmer, der mittlerweile mit Taeshiks alter Gang zusammenarbeitet, das Feld aufkauft, um dort ein Einkaufszentrum hinzubauen. Nur das Restaurant steht ihm noch -sprichwörtlich- im Wege; die wollen nämlich nicht verkaufen und wehren sich. So wird Taeshik, der sich geschworen hatte, nie wieder zu kämpfen, wieder in die Welt aus Gewalt und Abhängigkeiten hineingezogen.
Beginnt der Film zunächst als melancholische Feel-Good-Komödie, schlägt er nach etwa der Hälfte um in ein beinhartes koreanisches Brett. Und ist dabei noch konsequenter als der ebenfalls interessante THE SHOW MUST GO ON. Die Faustkämpfe sind äußerst realistisch und roh, die Gewalt explodiert wie aus dem Nichts - in diesem Film auch gegen Frauen. Sicherlich, das Ende ist etwas martialisch geraten, aber alles bleibt deutlich realistischer als beim überschätzten A BITTERSWEET LIFE.
Zum Negativen: einige Elemente werden sehr plakativ umgesetzt. Taesiks Läuterung, seine guten Vorsätze, nie wieder zu kämpfen, zu trinken, oder zu rauchen, schreibt er wie ein Plakatmaler in ein kleines Notizbuch, das er wie einen Schatz hütet. Hat er eines seiner notierten Ziele erreicht, dann streicht er es dick mit dem Stift durch. Das ist so überdeutlich in Szene gesetzt, daß man sich schon fragt, ob die einen vielleicht für verblödet halten. Kommt es zum Beispiel zu einer halbromantischen Szene zwischen den beiden Herzchen, dann geht die Sonne pinkfarben am Horizont über dem Häusermeer unter. Dazu natürlich die obligatorische Klavierminiatur. Und auch das Abschlußbild ist von ähnlichem Kaliber.
Positiv, das sei erwähnt, ist aber eine sehr stringente und immer logisch nachvollziehbare Handlung, was gerade im asiatischen Raum ja nicht immer selbstverständlich ist. Und auch die Schauspieler sind hervorragend, besonders der Verzweiflungs-Monolog der Mutter sei erwähnt.
Alles in allem fand ich HAEBARAGI durchaus sehenswert: romantisch, spannend, brutal.

Donnerstag, 10. Juni 2010

Midori (Hiroshi Harada, Japan 1992)


Der Film erzählt von den Fährnissen des unglücklichen Mädchens Midori, die sich nach Schicksalschlägen einem Wanderzirkus, besser: einer Freakshow anschließt. Aber auch dort, bei den außerhalb der Gesellschaft Stehenden, ergeht es ihr nicht besser: Mißbrauch, Vergewaltigung, Gewalt für ein bißchen Zugehörigkeit muß von ihr erlitten werden. Erst als sich ein mysteriöser Zauberer mit einem wundersamen Flaschentrick der fahrenden Truppe anschließt, bessert sich ihre Position. Der Mann mit der teuflischen Gestalt hat sich in sie verliebt und nimmt sich ihrer an.

MIDORI ist ein wunderbar kreativer und abgründiger Zeichentrickfilm im Geiste des ero-guro, des erotisch Grotesken, der sich stark bei Tod Brownings legendärem FREAKS - MISSGESTALTETE bedient. Hier treffen Teufelsfratzen auf Kleinmädchenschüchternheit, deformierte Körper auf erträumte Blumenwiesen und gesellschaftskritische Töne auf grausame Unterhaltung. Harada hat angeblich den gesamten Film im Alleingang realisiert und komplett aus eigener Tasche gestemmt. Die fünfjährige Arbeitszeit merkt man dem dichten animierten Bilderspektakel an: dieser fantastisch getimte Augenschmaus ist eine Explosion an Kreativität, die manchesmal etwas den Plot aus den Augen verliert und sich über Gebühr den Bildwelten hingibt - ein kleiner Kritikpunkt meinerseits. Leider muß man sich mit einer 50 minütigen Spielzeit begnügen - doch wie so oft bei solcherlei visueller Potenz ist man damit mehr als ausreichend bedient.

Freitag, 4. Juni 2010

Furijia / Freesia: Bullets over Tears (Kazuyoshi Kumakiri, Japan 2007)


Kumakiri führt uns in ein Japan der Zukunft: Dank des "Revenge-Acts" kann man - um sich am Verursacher zugefügten Unrechts zu rächen - Killerkommandos bestellen, die den Übeltäter eliminieren. Ein besonders kaltschnäuziger Profi ist der Killer Hiroshi mit der schicken Brille, der in seiner Jugend die Detonation einer "Eisbombe" überlebte: ein hinterhältiges Experiment der Militärs, das dreißig Waisenkinder ins Jenseits beförderte. Die hübsche Mariko ist ebenso eine solche Überlebende und jagt mit Hilfe Hiroshis den Sohn des damalig verantwortlichen Kommandanten.


Abstrus, skurril, unglaubwürdig, das alles. Wenn es denn auf die Story irgendwie ankäme. Das aber tut es nicht. Hier geht es um die Atmosphäre, derer Kumakiri ein Meister ist, wie wir seit KICHIKU, ANTENNA, ZOROKU'S DISEASE oder GREEN MIND, METAL BATS wissen. Mir ist es sehr viel lieber, ein Regisseur übernimmt sich auf erzählerischer Ebene und geht stattdessen künstlerische Wagnisse ein. Dafür hat Kumakiri ein Gespür: mit bisher jedem seiner Filme hat er Mut bewiesen. Das nötigt Respekt ab.


FREESIA ist ein inhaltlich etwas überfrachteter und bisweilen unstrukturierter Film. Dafür aber hat er wahnsinnig gute Bilder zu bieten und ist mit einem Score der Extraklasse ausgestattet. Wie hier die Gewalt in die langsame Inszenierung einbricht hat Format. Kumakiri ist meiner Meinung einer der wichtigsten zeitgenössischen Regisseure Japans. Alles Weitere in 10 Jahren.