DVD BluRay

Dienstag, 31. August 2010

Crows Zero / Kurozu zero (Takashi Miike, Japan 2007)


An der Suzuran Highschool ist die Hölle los. Verschiedene Gangs versuchen unter heftigem Gebrüll und mithilfe von Faustgewalt die Herrschaft an sich zu reißen. Als ein neuer Schüler an die Schule kommt, scheint aber der Kampf um die Vorherrschaft erst so richtig zu entbrennen. Yakuza gibt es natürlich auch noch, die sich in ihrer Ehre beleidigt fühlen, ebenso wie eine kleine Liebelei, derer man aber nicht so richtig beiwohnen darf.

CROWS ZERO ist ein formidabler Actionfilm. Toll gefilmt, gut getimt und s u p e r choreographiert, weiß er vor allem gerade dann zu überzeugen, wenn es Bambule gibt. Ansonsten allerdings ist er ein ziemlicher Schnarcher. Die Handlung ist hauchdünn, das ewige Gekreisch nervt bereits nach wenigen halben Stunden - denn lang ist er auch, klar. Die japanische Jugend scheint auch recht indifferent was coole Musik angeht. Eben wird noch kräftig gepunkt, wenn die Stromgitarrenband im Club in die Saiten haut, direkt danach allerdings wird euphorischst gejohlt, wenn ein R&B-Mädchen die Bühne erklimmt. Hier ist alles egal, Hauptsache, es erweist sich als Spektakel. Man will auch nicht wieder von irgendwoher informiert werden, dass die Sängerin ein Popstar ist, oder dass der Soundtrack auf irgendwelchen Bestenlisten gelandet ist. So ein Mist nervt schon bei Shunji Iwai.
CROWS EPISODE ZERO ist -nein!- nach einem Manga gescriptet, die Gewalt aber hart, realistisch, kaum überzeichnet. Sonst hätte man wohl jede Bodenhaftung verloren. Kann man sich schon ansehen, das will ich nicht bestreiten, an einen kleinen Klassiker wie BLUE SPRING kommt er aber niemals heran. Dazu ist dieser Film in seinem nur behaupteten Assitum viel zu mainstreamig.

Montag, 30. August 2010

True Women for Sale / Sing kung chok tse yee: Ngor but mai sun, ngor mai chi gung (Herman Yau, Hongkong 2008)


Übersetzt man den Originaltitel komplett, so lautet er Ich verkaufe nicht meinen Körper, sondern meinen Unterleib. Und damit ist man mittendrin im Drama der Prostituierten von Sham Shui Po, die sich weigern, dem Freier mehr darzubieten, als den Unterleib.
Im Zentrum des Filmes stehen vier Charaktere: die Prostituierte Chung, die sich dank ihres Kokainkonsums die geschrotteten Zähne richten lassen möchte; ein Fotoreporter, der sich ihr an die Fersen heftet, da er dringend eine Story braucht; die Festlandchinesin Lin-Fa, die hochschwanger ihren Gatten bei einem Unfall verliert und nun um ihre Aufenthaltsgenehmigung bangt; sowie der Versicherungsmakler Lau (Anthony Wong), der diesen heruntergekommenen Bezirk durchstreift, um den Ärmsten eine Versicherung aufzuschwatzen. Doch entdeckt er in den Schicksalen der Menschen stets und dummerweis sein Herz, sodaß er selbst ausstehende Zahlungen zu tätigen pflegt.
Anthony Wong konnte nicht nur in TURNING POINT überzeugen, sondern tut es auch hier (wieder). Seine Darstellung des tolpatschigen Geschäftsmanns mit Herz ist äußerst gelungen, er ist das emotionale Zentrum des Films. Überhaupt überzeugt der Film mit einem durchweg leichten Ton, der zwar vor den Unbilden des Lebens nicht zurückschreckt, doch auch auf recht "humanistische" Weise seine Figuren begleitet, und diese gerade nicht als skandalöses Ereignis mißbraucht. Es ist ein Alltag von vielen, mit dem Schicksal von vielen. Schaut man genauer hin, individualisiert man die Tragödien und Komödien, entsteht ein Portrait, das manchmal weh tut, manchmal zum Lachen bringt.

Sonntag, 29. August 2010

Turning Point / Laughing gor chi bin chit (Herman Yau, Hongkong 2009)


Den etwas vertrackten Plot um Undercovercops und Undercovergangster nachzuerzählen spare ich mir hier, nachlesen kann man das auch anderswo. TURNING POINT wartet mit einer Erzählung auf, die INFERNAL AFFAIRS recht ähnlich ist - die allerdings auf einer TV-Serie basiert (namens "Laughing Gor", der Name des Darstellers) und die mit diesem Film nochmals gemolken wird. Gedreht hat ihn Herman Yau, ein Vielfilmer und äußerst erfahrener, sprich: routinierter Handwerker, der mit minimalen Budgets erstaunlich ansprechende Filme zu fabrizieren weiß. Hier bekommt er einen großen Cast mit Anthony Wong an der Spitze als punkig geschminkten Triadenpaten, der sein kleines Reich zusammenhalten muß. Gefahr lauert mal wieder von allen Seiten, und wer hätte es gedacht: er selbst war mal ein Maulwurf, der nach desillusionierenden Enttäuschungen von der legalen, guten Seite ins Milieu abgerutscht ist und quasi aus Rachsucht und Frustration über schweinische Cops, korrupte Vorgesetzte und diesen ganzen Klimbim endgültig die Seiten gewechselt hat.

An seiner Seite wandeln hübsche Frauen, um seinen Hals weht ein Schal aus Gaze. Kajal im Augenwinkel. Ob man das gut findet, overtrieben oder klasse, mag man selbst enttscheiden. Der Mann ist exzentrisch, selbstbestimmt, rücksichtslos, loyal. Und so führt er an der Seite von Michael Tse, Yuen Biao und Eric Tsang durch einen weiteren kleinen Cop-/Triadenthriller (mitproduziert von den Shaws!) der niemandem spitze Ausrufe des Entzückens von den Lippen reißt, aber doch Genrefans auf's Beste zu bedienen weiß und zum richtigen Zeitpunkt gut einfährt, Spaß macht, erfrischt zurückläßt. Anschließend läßt man zärtlich den Blick über das DVD-Regal schweifen, zieht hier mal einen EBOLA SYNDROME heraus, dann dort einen UNTOLD STORY, und freut sich schließlich auf den nächsten Film von ihm, den man sich einfach so ankucken kann, ohne vorher vor Respekt im Boden zu versinken.

Mittwoch, 25. August 2010

Hakuchi / The Idiot (Akira Kurosawa, Japan 1951)


Dostojewskijs Roman Der Idiot, die literarische Vorlage des Filmes, ist ja schon keiner, der sich durch eine besonders actionreiche Handlung auszeichnet; hier befindet man sich meist in Innenräumen, und dabei im Dialog. Das Lesen wird zudem durch ein riesiges Figurenarsenal erschwert, mit dem man in der russischen Literatur aber eigentlich immer zu kämpfen hat - und woran man sich erst gewöhnt, wenn man ein paar dieser Mammutepen genossen hat. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Kurosawas Adaption nicht gerade mit mitreißender Handlung hausieren gehen kann. Auch hier befindet man sich vornehmlich im Dialog und zumeist innerhalb der Gebäude - Kurosawa hat aus St. Petersburg das sturmumtoste, tiefverschneite Hokkaido gemacht. Eine kleine Messerszene mit dem irren Mifune ist das Heftigste an Action, was der Film zu bieten hat. Ansonsten darf man minutenlang Setsuko Haras Augen zuschauen, wie sie sich mit Tränen füllen. Und das ist wirklich sensationell, was sie hier bietet. Völlig gegen den Strich besetzt, wenn man sie aus den Werken Yasujiro Ozus kennt, gibt sie hier eine verrufene Dame, die mit ihrer dämonischen Aura die Männer becirct. Eine eiskalte Femme Fatale, sozusagen, die in plötzlichen Ausbrüchen ins heftigste Mitleid hinein implodiert. Und mit dieser Leistung spielt sie Toshiro Mifune an die Wand. Und das ist mehr als sehenswert.


Im Netz wird viel über diese gekürzte Fassung von "nur" 2,45 Stunden debattiert. Und sicherlich ist es ein Unding, wie sich hier wieder einmal eine Produktionsfirma an einem Kunstwerk vergangen hat. Doch die über vierstündige Originalfassung scheint niemand gesehen zu haben. Welche Szenen fehlen, darüber kann nur gemutmaßt werden. Im Allgemeinen wird vermutet, zu Beginn. Dort holpert es ordentlich, sind Anschlüsse viel zu abrupt und ganze Handlungsstränge erscheinen wie urplötzlich vom Himmel gefallen und sind narrativ kaum eingebunden. So ist man sich auch einstimmig einig in Fankreisen, dass das Fehlen der 100 Minuten dem Film nur schaden würde, und dass man es ganz zweifellos mit einem der allergrößten Meisterwerke der japanischen Filmgeschichte zu tun habe. Und das, obwohl niemand weiß, was eigentlich tatsächlich fehlt. Fast scheint es so, als müsse sich die kleine Gruppe derer, die sich auf das Werk eingelassen haben, als müssten sie sich selbst versichern, wie toll dieser langsamste aller Slow-Burner doch in Wirklichkeit ist. Ob sich jemand diesen Film, ginge er tatsächlich über vier Stunden ("Polemikmodus an":), überhaupt noch ansähe, daran denkt keiner - natürlich ohne jetzt die Kürzungen rechtfertigen zu wollen! Soviel Kritik muß (bei aller Cinephilie) sein. (Interessanterweise echauffiert sich kaum einer über die im Film extrem verkürzten Nebenfiguren, die in ihrer Komplexität innerhalb des Romans einen eigenen Kosmos einnehmen - Takashi Shimura etwa wird zu einem reinen Statisten, die Mutter zu einer typischen japanischen Hausfrau).


Kurosawas Herzprojekt um die jesushafte Figur des verkannten Fürsten Myshkin reiht sich thematisch wunderbar in die bisherigen Selbstaufopferungsfiguren ein, die wir aus seinem Frühwerk kennen. So sind es vor allem die Frauen, die seine wahren, also wahrhaftigen Qualitäten einer lauteren Lebensführung zu verstehen wissen, oder dies nach und nach lernen. Die Männer sind voller Abwehr oder fühlen sich durch die offene und ehrliche Art herausgefordert. Vor allem als sie merken, daß Myshkin die Sympathien der Damen zufliegen.
Hervorzuheben ist außerdem die tolle schwarz/weiß-Photographie, die in den besten Momenten visuell atemberaubend ist. Der permanent fallende Schnee bildet einen großartigen Kontrast zu den oft nur spärlich ausgeleuchteten Innenraumszenen, und bei der bildgewaltigen Schlittschuhszene zeigt sich das Potential, über das alle am Film beteiligten verfügten.


Mit der heutigen zweiten Sichtung hat sich mir der Film deutlich besser erschlossen, als beim ersten Sehen. Dies ist keine neue Weisheit, daß mehrmals Schauen hilft, doch war die Hemmschwelle, ganz ehrlich, groß. Und ich bin schon ein Fan von ruhigen Filmen. Nun habe ich ihn beinah schon liebgewonnen. Es war nicht das letzte Mal, daß ich mir HAKUCHI angesehen haben werde.

Montag, 23. August 2010

Assault Girls / Asaruto garuzu (Mamoru Oshii, Japan 2009)


Wie oben rechts auf dem DVD-Cover zu sehen ist, kämpfen die ASSAULT GIRLS (und auch ein Assault Boy) gegen riesige Sandwale an, die in etwa so drauf sind wie die TREMORS auf Acid. Doch bis es soweit kommt, muss man erstmal einen etwa 10 Minuten langen typischen Oshii-Prolog über sich ergehen lassen: die Welt nach der Apokalypse, Metropolen und Gewalt, Entmenschlichung, Kriege. Gekämpft wird auf virtuellen Ebenen, so wie auf dieser, in die wir geführt werden.


Die Bilder sind oshiigemäß eine Wucht; trotz des niedrigen Budgets hat er hier, mit viel CGI selbstredend, eine extrem atmosphärische Monster-Mondlandschaft geschaffen, durch die sich die Spieler bewegen wie in einem taktischen Ego-Shooter für 4 Personen. Wird eine Waffe gezogen, leuchten die technischen Daten wie in einem Hologramm über dem Lauf auf. Ein Voice-Over, der Computer, wacht über den Spielablauf und informiert über den Spielerstatus. In diese Richtung.

Zu sehen gibt es dann kernige Sci-Fi-Action mit hübschen Mädels, die trotz staubiger Wüste immer so aussehen, als kämen sie gerade aus der Reinigung. Aber hier ist ja alles virtuell! Zu den großen Würfen möchte ich diesen Output Oshiis nicht zählen, auch wenn ASSAULT GIRLS so etwas wie eine sehr konsequente Fortsetzung des tollen AVALON ist. Dazu ist er – trotz seiner kurzen Spielzeit von nur 70 Minuten – oft eigentlich nur sterbenslangweilig.

Montag, 16. August 2010

Astig / Mga batang kalye / Squalor (G. B. Sampedro, Philippinen 2009)


Ein junger, gutaussehender Herumtreiber und Frauenheld macht die Bekanntschaft einer hübschen Studentin, die er mit seiner undurchsichtigen Art becircen kann. Nach und nach entsteht ein Gefühl, das man "Verliebtsein" nennen könnte - doch Ariel versucht dieses, so gut es geht, zu ignorieren. Sein Freund und Geschäftspartner, mit dem er in Manila eine illegale Dokumentenfälscherbude führt, versucht rechtzeitig auf Ariel einzureden, um dieses eine mal ein emotionales Desaster zu verhindern. Doch der Erfolg ist fraglich.


In der letzten Episode dieses Filmes, der aus vier Erzählsträngen besteht und die sich immer wieder in kurzen Momenten begegnen, wird der Bruder der Verführten Ariel zur Rechenschaft ziehen. Dass dieser sein eigenes Leid zu tragen hat, versteht sich.
Ebenso wie der junge "Boy", der seinen Lebensunterhalt damit verdient, auf den Straßen Manilas illegale und gefälscht Schönheits- und Pflegeprodukte zu verkaufen. Seine besten Kunden sind Transvestiten und Strichjungen, Crossdresser und Homosexuelle, die sich in einem Pornokino einfinden um ihre Kundschaft zu bedienen oder ihren Leidenschaften nachzugehen. Der Protagonist gerät in die Klemme, als er die Zudringlichkeiten eines alten geilen Bocks nicht mehr zurückweisen kann, denn seine noch blutjunge Frau gebärt im Hospital das gemeinsame Kind. Da ihm aber die nötige Kohle fehlt, den Arzt zu bezahlen, fällt ihm kein Ausweg mehr ein.


Solcherart sind die vier erschütternden Kurzgeschichten, in denen Sampedro die "dunkle Seite Manilas" portraitiert: das der Kleingauner, Prostituierten, der Mißbrauchten. Die Charaktere dieses Films sind Tagediebe und Heckenpenner, Verzweifelte und verzweifelt Liebende. Auf DV gedreht, sieht das sehr erdig, körnig, chaotisch aus. Und zugleich wunderbar magisch, satt und unheimlich zugleich in diesem architektonischen Supergau.
Denn eines darf man nicht übersehen: es ist eine Wucht, wie Sampedro die Bilder der Stadt einzufangen und das Chaos darzustellen weiß und trotzdem die Linie nicht verliert. So gut wie nie wirkt die Kameraarbeit maniriert oder arthousig gekünstelt. Am besten ist das immer, wenn längere Einstellungen vorherrschen; sobald er auf Geschwindigkeit schneidet, bekommt man manchmal den Eindruck eines Musikclips.



Besonders schön ist, dass das Drehbuch auch trotz der knappen Zeiteinheiten, die den einzelnen Kapiteln zukommen, genug Raum läßt, um in Nebensächlichkeiten abzudriften und Parallelhandlungen einzubauen, sich auf Abwege zu begeben.

Für diese schöne Regie gab es dann auch den Preis des Best Director beim Cinemalaya Philippine Independent Film Festival. Einzig der Score kann nicht gänzlich überzeugen und wirkt (zum Glück nur in der ersten Episode) mit seiner Nähe zum Hiphop für meine Ohren etwas unpassend. Aber ich weiß auch nicht, was aktuell den "Sound der Stadt" am besten repräsentiert. Mit dieser speziellen Musikrichtung hat der Film jedenfalls nichts zu tun.

Sonntag, 15. August 2010

An Empress and the Warriors / Das Königreich der Yan (Ching Siu-Tung, China 2008)




Kurz und knapp: Sehr einfältiges Historienepos, das in lächerlichem Kitsch erstickt. Selbst die Kampfszenen sind wirklich schwach choreographiert und machen nur auf Bombast (und leben vom Schnitt). Ein paar Sequenzen im nächtlichen Wald, die an A CHINESE GHOST STORY erinnern, können den Film bei weitem nicht retten. Donnie Yen spielt gewohnt hölzern.


Kelly Chen grinst ab und an etwas einfältig, vor allem wenn sie verschämte Gefühligkeit dazustellen versucht, und beim Auftritt des fiesen Mordkommandos mit Gruselmaske ertönt urplötzlich orientalische Musik. Die Abschlussszene, die sich auf der unfassbar dilettantisch computergenerierten Brüstung der Festung abspielt, gibt einem dann den Rest: Madame schaut entschlossen in den Sonnenuntergang und hält einen peinlichen Aufbruchsmonolog in Sachen Motivation. Diese Szene wird eigentlich nur noch vom Flug der Liebenden im Fesselballon übertroffen. Wahnsinn. Das war ja mal gar nix.

Montag, 9. August 2010

Dream / Bi-mong (Kim Ki-duk, Südkorea 2008)


Das Kino des Kim Ki-duk läßt sich in Konstanten lesen; eine prominente ist das schicksalhafte Verknüpftsein der Protagonisten. Eine Beziehung, die durch das Oeuvre hinweg in den unterschiedlichsten Erscheinungsformen gedacht, und dann zumeist gewaltvoll ausgelebt wird: nicht nur auf so offensichtliche Weise wie in SEOM, sondern auch als Beziehung der Abhängigkeit wie in BIRDCAGE INN, der Schicksalsgemeinschaft in ADDRESS UNKNOWN, in Form der Ausbeutung wie in BAD GUY, der Erkenntnis wie in BOM, YEORM, GAEUL, GYEOWOOL… GEURIGO BOM, der Einsamkeit wie in BIN-JIP, des Egoismus wie in HWAL, oder des Verlassenwerdens wie in TIME.

In DREAM findet sich erneut eine durch Schmerzen initiierte Verbindung: bei einem Autounfall lernen sich die Protagonisten kennen; er hat ihn geträumt, sie ihn schlafwandelnd ausgeführt. Eine unheilige Verbindung, die die Figuren nicht nur dazu zwingt, ihr ganzes Leben einem möglichen Wahn und Irrsinn unterzuordnen, sondern auch einer, der von Gewalt gesäumt ist. Um nicht mehr einzuschlafen, wird bald zu drastischen Mitteln gegriffen... Eine weitere Konstante in Kims Werk wird in DREAM durchbrochen: die Sprachlosigkeit. In diesem Film befinden sich die Anti-Helden in permanenter Kommunikation - oder zumindest in einem Versuch der Überwindung der Barrieren: wenn nicht in Worten, so doch mit den Körpern, oder in der geäußerten, ausgesprochenen Sorge um den anderen.

Dass hinter den Oberflächen der Körper die Psyche lauert, ist das zu bändigende Ungewisse. Visualisiert wird diese Grenze in beinah allen Bildern des Films: Blicke durch Scheiben, Figuren hinter Jalousien, schwach ausgeleuchtete Settings und die permanente Nachtsituation. Unter der Oberfläche der Figuren liegt das Geheimnis, das durch diese hindurchdringen will. Erst in der Nüchternheit der ausgeleuchteten Zelle kann es gelüftet und zugleich befriedet werden. Oder auf der kalten Nacktheit des gefrorenen Packeises. Das drastische Finale erinnert sehr an SEOM, in dem der Tod als Erlösung eine Rückkehr in den Schoß der Natur bedeutet. Zumindest für einen der beiden. 




Sonntag, 8. August 2010

Rashomon (Akira Kurosawa, Japan 1950)

Zu RASHOMON, einem der unbestrittenen Meisterwerke der Filmgeschichte, ist bereits soviel geschrieben worden, dass ich mich da gerne etwas zurückhalten möchte. Glaube sowieso, da nichts Neues beitragen zu können, was nicht bereits woanders besser formuliert worden wäre. Um aber nicht ganz auf einen Eintrag zu verzichten (und vielleicht den einen oder anderen - der ihn noch nicht kennt - davon zu überzeugen, sich den Film anzusehen), möchte ich hier aus den ersten 10 Minuten eine Reihe von Screenshots zeigen, die einen Einblick in die visuelle Schönheit des Filmes vermitteln könnten - jenseits all der Bilder, die in immergleicher Folge im Netz und sonstwo publiziert werden.







Nun folgen zwei Serien, in der die Kamerabewegung nachvollzogen wird. In der ersten aus einer ganz ungewöhnlichen Perspektive, bei der man sich beinah den Hals verrenkt, und die scheinbar so gar nicht auf den Bildausschnitt achtet. Kurosawa ínteressiert hier die Bewegung, das stetig tiefere Eindringen in den Wald:

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Insbesondere die zweite Sequenz ist atemberaubend schön, in der die Kamera in einer Fahrt von links nach rechts den Weg des Holzfällers kreuzt, sich einmal entgegen der Bewegungsrichtung um sich selbst dreht und dabei beinah mit Takashi Shimura zusammenstößt:
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Außerdem möchte ich die Erzählungen Ryūnosuke Akutagawas empfehlen, erschienen auf deutsch im Luchterhand-Verlag, die die literarische Vorlage zum Film bilden. Wunderbare Texte zwischen klassischer Eleganz und Edogawa Rampo-eskem skurril-Horror.