DVD BluRay

Donnerstag, 30. September 2010

Aibu / L'amour (Heinosuke Gosho, Japan 1933)

Shomingeki deluxe, dazu ein Stummfilm. Gosho erzählt eine scheinbar simple Geschichte aus dem Leben der einfachen Leute, mit allen Höhen und Tiefen. Als Goshos Lehrer gilt Yasujirô Shimazu, der auch die berühmten Regisseure Yasujiro Ozu und Mikio Naruse zu seinen Schülern zählen darf. Insgesamt drehte Gosho fast 100 Filme.

In diesem erwarten uns die für dieses Genre typischen Charaktere: der besorgte, manchmal strenge Vater, der aber die Liebe zu seinen Kindern über alles stellt, vor allem über sein persönliches Glück. Die Tochter, die sich für jemanden, oder für eine Sache aufopfert. Der Sohn, der in die weite Welt hinausgeht, und sich dort neuen, für die zurückgebliebenen unbekannten, Problemen stellen muß. Meist kommt noch eine geliebte Frau hinzu, die Tochter soll verheiratet werden, und irgendwer stirbt - meist ein Elternteil.
So ist es auch hier. Der Vater, ein im Dörfchen respektierter Arzt, verliert das Vertrauen seiner Patienten, als er eine beinah fatale Fehldiagnose stellt. Die Sache setzt ihm dermaßen zu, daß er sich zur Ruhe setzen möchte. Seine Tochter soll nun verheiratet werden. Seinem Sohn Hideo möchte er noch den Weg für dessen medizinische Karriere ebnen. Mehrere Kontaktaufnahmen zu dem in der Stadt studierenden Sohnes scheitern, sodaß sich die liebevoll sorgende Tochter Machiko auf den Weg macht. Dort trifft sie aber nur auf die Geliebte ihres Bruders, und wird mit der harten Realität konfrontiert: nach einer nächtlichen Sauftour kehrt Hideo zurück und trifft seine Geliebte und die Schwester aufgelöst vor Sorgen an. Alles gute Zureden der beiden Frauen, die ihm auch an seine Verpflichtung gegenüber dem Vater erinnern, scheitern. Er wolle ein Schriftsteller werden, und nicht die vom Vater gewünschte Laufbahn des Arztes weiter verfolgen. Das Studium war also umsonst. Sein rüpelhaftes Benehmen verstört die Schwester zutiefst, und das Leid, das er seiner Geliebten zufügt, ist auch eine Gewalt, die er sich selbst antut. Als der Vater von den tatsächlichen Verhältnissen erfährt, ist er tief geschockt und fällt in Ohnmacht, woraufhin er stark erkrankt. Erst die Nähe zum Tod vermag den bockigen Sohn zu einem Einlenken zu bewegen, und er macht sich auf den Weg zu seinem Vater.

Ein wunderbarer Film, voller Details und liebenswerter Kleinigkeiten. Alle Charaktere werden in ihrer Komplexität gezeigt, selbst unbedeutenderes Randpersonal wie der Rikschafahrer ist nicht nur der comic relief, sondern eine eigenständige Person. Mit oft nur kurzen Momenten und wohl ausgesuchten Handlungsschnipseln erreicht er eine sehr große Nähe zu seinen Charakteren, sodaß deren Motivationen, Gedanken und Sorgen immer plausibel erscheinen. Ein psychologischer Erzähler, der wert auf eine flüssige Narration legt, und dessen Film eine stark poetische, zugleich einfache Aura ausstrahlt.

Dienstag, 28. September 2010

Exte: Hair Extensions / Ekusute (Sion Sono, Japan 2007)


Äußerst bekloppte Angelegenheit; sogar fast so unterirdisch wie TOKYO PSYCHO von Ataru Oikawa, der den Platz meiner persönlichen Übergurke einnimmt. EXTE ist besser. Ja, ganz hübsche Darstellerinnen (also eye-candy) und eine nette Story mit ihrer kleinen Cousine. Und Meta ist er freilich auch, das Horror-Movie das den J-Horror mal so richtig auf die Schippe nimmt. Nur leider konnte ich genau dies gar nicht feststellen: anstatt immer noch ein wenig zuviel des Guten abzuliefern und so implizit den Kommentar zu installieren, bietet Sono lediglich überdrehten Popcorn-Horror mit viel Tricks und ohne Atmosphäre. Dialoge vom Format: "Meine Nasenhaare wachsen in letzter Zeit sehr schnell..."/ "Das ist sicher die Luftverschmutzung!" weisen einfach nicht über sich selbst hinaus. Das ist Laberrhabarber und das ist eben nicht SCREAM! Und, schrecklich genug, das ist der allererste Dialog im Film. Wie soll man da nicht direkt scharf die Luft anhalten? Später gibt es dann fernöstliche Weisheiten: "Wenn man die Organe und die Augen stiehlt, werden die Harre wütend und rächen sich." Achso. Dazu gesellt sich ein dummruppiger Schnitt um die ganze Sache grobschlächtig abzurunden. Einfach ein zweistündiger Quark. Ich kann mir ehrlich gesagt auch keine Zielgruppe vorstellen, der das gefallen könnte (nicht mal (Achtung Meta-Gag:) Frisörlehrlingen). Dummerweise kann man sowas auch nicht weiterverschenken, da kriegt man nur Ärger. Für die Punktierer: 1/10 (aber auch nur für Chiaki Kuriyama, die in einer Szene mit dem Fahrrad durch den Vorort kurvt wie in einem Shunji Iwai-Film.)

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Mittwoch, 22. September 2010

Den Muso / The Young Girl (Souleymane Cissé, Mali 1975)


Als die junge, stumme Ténin von einem stadtbekannten Lumberjack am Fluß vergewaltigt wird, kann es nur noch schlimmer kommen: sie ist schwanger, ihr Vater fühlt sich und die Familie entehrt und wirft sie hinaus. Alle Beschwichtigungsversuche des Umfelds schlagen fehl, und die enorm unter Druck stehende Ténin greift zu einem radikalen und brutalen Mittel um die Verhältnisse wieder herzustellen.


Erschütternd ist dieser nüchtern gefilmte Alptraum dieser wunderschönen stummen Frau, die sich nicht artikulieren kann. Aber es würde ihr sowieso keiner zuhören, da die Urteile der Angehörigen bereits gefällt sind. Abrupte Entgleißungen der Gewalt und der patriarchalen Herrschaft lassen jede Hoffnung auf Erlösung verkümmern, ein Ausweg ist nicht sichtbar. Auch die musikalische Begleitung bietet - zumindest für den Rezipienten - keine Erlösung aus diesem Drama, denn sie ist kaum vorhanden. Nur in wenigen Momenten gönnt uns der Regisseur eine Untermalung des Gezeigten, sodaß der Film sehr direkt, unkünstlich und beinah ruppig inszeniert wirkt; wären da nicht die langen Einstellungen und Sequenzen, in denen sich der Film bewegt: Bilder der Ruhe inmitten des Chaos, eine Verweigerung der Erzählkonventionen unserer westlichen Sehweisen. Erstaunlich, wie emotional dicht man an Ténin dennoch herankommt. Ein faszinierender Film.

Sonntag, 19. September 2010

An Actor's Revenge / Yukinojô henge (Kon Ichikawa, Japan 1963)


Der Kabukidarsteller Yukinojo gelangt mit seiner renommierten Theatertruppe nach Edo und auch dort ist das Publikum begeistert. Während seiner Aufführung jedoch sieht er oben in den Rängen genau die Verschwörerbande aus der damligen Zeit in Nagasaki sitzen, die seinen Vater zuerst in den Ruin, dann in den Selbstmord getrieben haben. Daraufhin folgte die Mutter dem Gatten. Nun wähnt er seine Zeit für die Rache gekommen, und da ihn die Tochter des mächtigen Dobe anzubeten scheint, fasst er einen teuflischen Plan: das Mädchen zu gewinnen um sich in die Gesellschaft eizuschleichen, Intrigen zu spinnen und endlich Rache nehmen zu können.

Ichikawa brilliert mit diesem Köstum-Historienstück, einem Remake von Teinosuke Kinugasas Film von 1935, bei dem Hasegawa ebenfalls schon die Hauptrolle spielte (!). Er mixt das Drama und die Tragödie mit der Komödie, fügt eine Prise Melodramtik und Pulp(!) hinzu, läßt einen Erzähler die Handlung kommentieren und betont den Film mit klassischem japanischem Minimalismus, Orchesterscore und Jazz. Damit nicht genug hat er einen fulminanten Cast zusammengesteltl: Kazuo Hasegawa als Hauptdarsteller in einer Doppelrolle, eine Ayako Wakao die hier sehr jung aussieht, Eiji Funakoshi (AFRAID TO DIE, A FALSE STUDENT, HYOTEN: FREEZING POINT) und Fujiko Yamamoto seinen exemplarisch genannt.

Das besondere am Film, der in seiner Struktur und Narration deutliche Züge eines Bühnenstücks trägt - etwa durch eine recht klare Einteilung der Szenen, die wie Akte wirken - ist seine Bildgestaltung und künstliche Ästetik. Da wird wie in den späteren 70ern mit Licht gearbeitet, mit Abblenden des Hintergrunds oder Spots auf die Protagonisten, deutliche Farbmanipulationen sind zu erkennen, sowie eine künstliche Atmosphäre durch die Studiobauten. Einstellungen wiederholen sich, oder eine geometrische Positionierung wird spät am Ende des Filmes gespiegelt wieder aufgenommen. Über all der Optik leidet manchmal etwas der Fluss und die Spannung, doch sind das zu vernachlässigende Kritikpunkte an einem sehr sehenswerten Film. Bitte anschauen. Bloss keine Angst vor Kabuki!

Freitag, 17. September 2010

The Rooster crows again / Niwatori wa futatabi naku (Heinosuke Gosho, Japan 1954)

Das kleine Städtchen Boshu in der Präfektur Chiba ist schockiert: der Geschäftsmann Maeda hat sich das Leben genommen nachdem seine Bohrungen nach Erdgas erfolglos blieben. Die Einwohner allerdings schieben die Schuld auf Fumiko (Yoko Minakaze), die seinen Heiratsantrag abgelehnt hatte. Von allen krumm angeblickt und von den eigenen Eltern gerügt, zieht sie sich mit ihren beiden Freundinnen, ebenfalls Außenseiterinnen, oft an den Strand zurück um zu spazieren oder die Zeit totzuschlagen. Dort trifft sie auf die ehemaligen Erdgasarbeiter, welche in äußerster Armut mit einem alten kranken Hahn in einer Hütte hausen. Die Arbeiter aber haben ein großes Herz und kümmern sich rührend um sie.

Nun ändert sich der Ton des Films: vom ernsten Drama schwenkt er in eine leichte Komödie um. Fumiko nämlich hatte sich mit ihren unglücklichen Freundinnen einen Termin zum gemeinsamen Selbstmord gesetzt. Und dieser Tag rückt näher. Als plötzlich ein zwielichtiger Geologe namens Kurama auftaucht, der eigentlich auf der Flucht vor der Polizei ist (und der sowohl Fumiko als auch die Arbeiter täuschen will) muß sich der Zusammenhalt der neuen Freunde beweisen. Doch Kurama ist ein liebenswerter Trottel, der immer nur von einer Ecke in die andere rennt, und niemandem wirklich etwas zuleide tun kann. Am Ende geht alles gut aus und der Hahn kräht wieder, denn er ist gesundet.

Eine schöne Geschichte aus den 50ern, die mit ihren zwei Stunden Laufzeit leider einige Längen hat. Das liegt weniger daran, daß die Handlung einbricht, sondern eher, daß relativ viele Erzählstränge miteinander verknüpft werden. Wenn eben auch noch ein wenig die Geschichte der Eltern in ihrem Uhrenladen erzählt wird, oder die einer dazukommenden Tante. Die langen ruhigen und gemächlichen Passagen werden aber immer wieder mit humorigen Szenen unterfüttert, sodaß es einem ungefähr wie nach einem zu lang geratenen Kaffeetrinken und Kuchenessen geht: es war lecker und hat Spaß gemacht, man hätte auch mal ein wenig weinen können und aus dem Fenster schauen, aber etwas abgekürzt hätte es auch nicht geschadet. Das ist nicht abwertend gemeint: hier kann man sich Zeit lassen, muß man sie sich nehmen.

Donnerstag, 16. September 2010

Ryôjû / Hunting Rifle (Heinosuke Gosho, Japan 1961)

Ein älterer, erfolgreicher Geschäftsmann verliebt sich in die Cousine seiner sehr jungen Frau. Diese allerdings ertappt die beiden zufällig auf dem Bahnhof, und beschließt, nichts zu sagen. Die zunehmende zwischenmenschliche Vergletscherung nimmt belastende Formen an, als die beiden Lovebirds beschließen, ihre Beziehung zu verheimlichen, den Status Quo aber zu belassen. Die Unmöglichkeit der Situation führt zwangsläufig in die (sehr japanisch anmutende Art der) Katastrophe.

Goshos Adaption der Erzählung "Das Jagdgewehr" von Yasushi Inoue ist schlicht - ich gebrauche das Wort wirklich nicht häufig, hier aber scheint es mir angemessen - ein Meisterwerk. Schauspieler, Bildgestaltung, Farben, Musik, Spannungsbogen und Narration sind umwerfend. Eine ungemein feinsinnige Darstellung einer menschlichen Tragödie. Ob das an der Vorlage liegt? - die hat sicher ihren Anteil am gelungenen Film.

Sonntag, 12. September 2010

Lost in the Mountains (Hong Sang-soo, Südkorea 2009)


Hong Sang-soo dürfte vielen von seinen frühen Filmen her ein Begriff sein: THE DAY THE PIG FELL INTO THE WELL und THE POWER OF KANGWONG PROVINCE. Zwei Filme, über die auch schon einiges geschrieben wurde. 2008 kam der wunderbare LIKE YOU KNOW IT ALL heraus (über den ich hier etwas gechrieben habe), und nun finden wir ihn in der exquisiten Gesellschaft von Naomi Kawase und Lav Diaz wieder - nämlich auf der Compilation VISITORS, der "Jeonju Digital Project"-DVD des JeonJu International Filmfestivals, das jedes Jahr drei ausgesuchten Regisseuren die Produktion eines 30minütigen Kurzfilms ermöglicht.

Die Themen sind wieder typisch für Hong: Intellektuelle, Liebe, Alkohol. Eine junge Schriftstellerin aus Seoul besucht eine alte Freundin in Jeonju und stellt dabei fest, dass diese eine Beziehung zu ihrem ehemaligen Literaturprofessor, seines Zeichens nun erfolgreicher Schriftsteller und der pikanterweise auch ihr ehemaliger Geliebter ist, begonnen hat. Sie tröstet sich mit einem anderen ehemaligen Lover, einem jungen Nachwuchsschriftsteller, der gerade einen Preis gewonnen hatte. Ihr ehemaliger Professor hasst ihn, da er in ihm einen dreisten Plagiator seines eigenen Werkes wähnt. Nach mehreren konflikvollen Konfrontationen treffen alle zufällig in einem Lokal aufeinander und die Situation eskaliert.

Das hört sich nach nichts Besonderem an, doch Hong hat ein Talent dafür, eine Geschichte kunstvoll zu entfalten, sodaß sich die Beziehungen und Konflikte dem Rezipienten erst nach und nach erschließen. Das ist spannend und unterhaltend. Das Faszinierende liegt auch darin, dass Hong keiner ist, der durchästhetisierte Bilder sucht. In eher alltäglichen Situation, vor ordinären Backgrounds positioniert er seine Figuren und verweigert jeden kunstgenüsslerischen Zugang. Seine Schwenks sind obskur, seine Zooms überraschend - Stilmittel, die er häufig anwendet um den Blick zu lenken; und dabei doch ungewöhnlich, wenn die Kamera erst etwas völlig Unwichtiges im Blick hat, um dann auf das eigentliche Aktionszentrum einzuschwenken, "die Handlung" in den Blick zu nehmen. LOST IN THE MOUNTAINS hat mir sehr gut gefallen als Film über die Krise einer jungen Frau, die aus einer melancholischen Stimmung heraus ihre mittlerweile biographischen Vergangenheits - Fragmente besucht.

Freitag, 10. September 2010

All my Failed Attempts (Tan Chui Mui, Malaysia 2008)


Ein Experiment ist es, das die sehr agile Tan Chui Mui, ihres Zeichens Filmemacherin, Produzentin, Cutterin, Scriptwriter und manchal auch Schauspielerin, hier präsentiert: auf der DVD versammeln sich 7 Kurzfilme, die sie alle innerhalb eines Jahres gedreht hat – mit der Besonderheit, dass jeder Film konsequent innerhalb eines Monats realisiert werden mußte. Zeitdruck also, die Ballung der Kreativität auf den Punkt hin und der Druck im Hier und Jetzt zu arbeiten, nicht mehr revidieren zu können, zeichnet diese Produktion aus.

Und was am Ende herausgekommen ist, das ist von unterschiedlicher Qualität. Der selbstironische Titel zeugt davon, dass wohl auch ein klein wenig Wahrheit in ihm steckt. Die gelungeneren Filme der jungen, sympathischen Regisseurin sind dialoglastige, melancholische Momentaufnahmen zeitgenössischen, modernen Lebens, in denen die Konflikte junger Menschen mit großer Leichtigkeit gezeigt werden, ganz ohne dräuende Arthouse-Schwere oder flatterhafte Anbiederungen an die Popkultur. Dabei aber auch immer ruhig, mit dem Mut zur Leerstelle, reflexiv und behutsam, die Charaktere nie ausstellend. Eine Mofafahrt durch das nächtliche Kuala Lumpur wird zum Akt einer intimen Befreiung, der man als Zuschauer beiwohnen darf, ohne daß man sich als Voyeur begreifen muß. Ebenso sind die Twists am Ende, so es sie denn gibt, sympathische Umwälzungen der Ereignisse, die schon auch mal meta-filmisch die Wahrnehmung des Zuschauers hinterfragen, besser: auf die Schippe nehmen, und einem das eigene Schubladendenken vorführen. Und das ohne Zeigefinger.

Produziert hat „Da Huang Pictures“, eine Produktuionsfirma, die Tan Chui Mui mit Liew Seng Tat ("Halal" - click here) - der auch in mehreren der Kurzfilme Cameos hat - und Amir Muhammad in bester D.I.Y.-Manier gegründet hat. Ihr fulminanter, etwa halbstündiger Kurzfilm A TREE IN TANJUNG MALIM (2005), über den ich hier etwas geschrieben habe, hatte in Oberhausen den ersten Preis abgeräumt. Äußerst sympathisch, das.

Sonntag, 5. September 2010

Rebellion / Tung moon (Herman Yau, Hongkong 2009)


Ein weiterer flüssig inszenierter, jedoch sehr unübersichtlich verschlungener Triadenthriller, in dem sich etwa fünf verschiedene Gangsterbosse der zweiten Garde auf die Füße treten, als einen von ihnen das Zeitliche segnet. Der Oberboß kann ebenfalls kaum Kontolle halten, wie bald klar wird. Chapman To als wild gewordenes Biest ist besonders gelungen, ebenso Elanne Kong als "Big Sister", die mysteriös im Hintergrund die Fäden ziehen; kein Wunder kommt es am Ende zum Twist, den keiner erwartet hätte, und der völlig aus der Luft gegriffen scheint. Aua. Shawn Yue in der Rolle des Protagonisten bleibt merkwürdig zurückhaltend, doch ist diese charakterliche Dezenz bald etwas nervig, da ihm auch die Präsenz abgeht so einen Film zu tragen.

Ein Film, der nur Herman Yau-Fanboys und Komplettisten empfohlen werden kann, oder denjenigen, die keine Hemmungen haben und zum absolut beeindruckenden Finale vorzuskippen bereit sind. Da wird ein Machetenkampf inszeniert, dass sich die Leichenberge türmen. Insgesamt sehr durchwachsen, in der ersten Hälfte dürftig.