DVD BluRay

Sonntag, 31. Oktober 2010

The Chaser / Chugyeogja (Na Hong-jin, Südkorea 2008)


Der ehemalige Cop und jetzige Zuhälter Joong-ho (Kim Yun-seok) vermisst nun schon seine dritte Vergnügungsdame und vermutet, daß ein skrupelloser Unbekannter die Frauen entführt und weiterverkauft hat. Die Spur führt in einen dunklen Vorort, in dem fast immer Nacht ist, und bald stellt sich heraus, daß der Täter ein lang gesuchter Serienkiller ist. In einer rasanten Verfolgungsjagd wird dieser dann auch dingfest gemacht, doch reichen die Beweise nicht aus, ihn länger festzuhalten. Während Joong-hos Kollegen halbherzig herumforschen und in den Verschränkungen der korrupten Seilschaften des Polizeiapparats aufgerieben werden, ist Joong-ho bereit, zu allen Mitteln zu greifen, um Young-mins Schuld zu beweisen.

Dieser Cop auf Abwegen-Thriller leidet an einem allzu schlingernden Plot, an seinen Nebenerzählfäden, die den Film unnötig aufblasen - und also schließlich an seiner zu langen Lauflänge von knapp über zwei Stunden. Eingedampft auf 90 Minuten wäre THE CHASER eine atemlose straighte Daumenschraube geworden, die einen nicht mehr aus dem Griff gelassen hätte. Dennoch hat der Film einige Meriten: die Schauspieler überzeugen, eine leichte Ironie durchweht einige relaxtere Szenen und vor allem: die dunklen und unübersichtlichen Verfolgungsszenen bei Nacht in den engen Vorortgassen sind äußerst gelungen. Da erreicht der Film sein größtes Spannungspotential und findet zudem die interessantesten Bilder. Auch eine immer wieder überraschende Kameraführung weiß zu gefallen, sowie die Diskrepanzen in der Bild/Ton-Regie – etwa wenn Joong-ho mit dem jungen Mädchen im Wagen sitzt, und diese realisiert, daß ihre Mutter tot sein muss und herzergreifend zu weinen beginnt. Da sieht man den beleuchteten Innenraum des Wagens, das Leid und den Schmerz, und hört aber nur das Plätschern des Regens und wie er auf das Autodach trommelt. Auf diese Weise gelingt es mehrfach Kitschfallen nicht nur zu vermeiden, sondern im Gegenteil: mit solcherart kreativen Brechungen werden Szenen aufgewertet.

So bekommt man mit THE CHASER einen zwar etwas zu langen und im dritten Viertel ermüdenden Thriller geboten (die Irrungen und Wirrungen des Polizeiapparats, die Psychologisierungen der Killerfigur), der aber ästhetisch durchaus interessant gestaltet ist und auch den Strukturfreaks genügend Futter bietet, den metaphorischen und wortwörtlichen Verirrungen einer fragmentierten Biographie in der Eskalation eines Kriminalfalles nachzuspüren und diese Metastrukturen auf das narrative Gerüst und die Settings des Films zu applizieren.

Dienstag, 26. Oktober 2010

nachtsichtgeräte

Es ist wieder mal Zeit für Kaviar und Schampus! Endlich! Denn nicht-asiatische Filmbesprechungen könnt ihr jetzt auf meiner neuen Seite nachlesen. Hier geht's lang: nachtsichtgeräte

Cheers!

Sonntag, 24. Oktober 2010

Izakaya yurei / Die Geisterkneipe (Takayoshi Watanabe, Japan 1994)


Sotaro (Kenichi Hagiwara) besitzt ein kleines Lokal in Yokohama. Am Sterbebett seiner Frau verspricht er -die ewige Liebe- nie wieder zu heiraten. Seine Frau nimmt ihn beim Wort, und sagt voraus, als Geist wiederzukehren, sollte er sein Versprechen brechen. Als sein Bruder ihm später ein wunderhübsches Mädchen vorstellt, kann er dann doch nicht widerstehen, und heiratet dieses. Das Glück währt natürlich nur kurz, denn die betrogene Tote kehrt tatsächlich als Geist zurück.

Der Film beginnt wunderbar ernst, mit schönen Bildern und originellen Ideen. Um etwa den Schwur zu besiegeln, zwingt ihn seine kranke Frau dazu, sie in den Zeigefinger zu beißen; was er natürlich sehr gerne tut. Nach ca. 20 min Laufzeit nehmen dann die humorigen Elemente zu, und spätestens mit der Geistererscheinung mit wehenden Haaren, ganz wie in Tsui Harks A CHINESE GHOST STORY, wird der Humor in seinen Pointen auch ausgelassen und wild, manchmal auch ein wenig dämlich. Dennoch wird das immer wieder geerdet durch einen liebevollen Einblick in das Alltagsdrama der kleinen Leute. Nach meinem Dafürhalten fällt die zweite Hälfte also etwas ab, was aber niemanden davon abhalten sollte, sich diesen tatsächlich schönen Film anzusehen.

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Super, Girls! / Chao Ji Nu Sheng (Jian Yi, China 2007)


Ein Film, kurz mal dazwischengequetscht. Und eine Überraschung!
Der unterhaltsame und doch nüchterne Dokumentarfilm portraitiert zwei, drei Teilnehmerinnen des chinesischen Pendants von „Deutschland sucht den Superstar“ - und das auf eine sehr unaufgeregte Weise: nicht „hinter den Kulissen“, sondern ausschließlich das Private, "der Mensch" steht im Fokus des Films. Naürlich scheiden, um gleich vorneweg mal zu spoilern (was nicht schlimm ist, denn darum geht es im Film überhaupt nicht) die Kandidatinnen alle bereits in einer der Vorrunden aus. Und dann fließen auch Tränen, oder man ist aufgebracht, da man korrupte Schiebereien unterstellt – doch unterkriegen lassen sie sich nicht, und die Mädels warten auf die Contests im nächsten Jahr oder nehmen an einem der anderen der mittlerweile zahlreichen reich + berühmt - Wettbewerbe teil.
Schrecklich, möchte man meinen; denn was geht einen das Schicksal dieser Teenager an? Um es kurz zu sagen: viel. Man bekommt einen sehr direkten, aktuellen Eindruck eines Teils der chinesischen Jugend vermittelt, Menschen mit Träumen und Hoffnungen, die einem auch nahe gehen, Menschen aus Großstädten fern jeder parteistaatlichen Bevormundung, die ganz dem verwestlichten Rummel des Geldverdienens und des Schönseins aufgesessen sind – die aber auch selbstkritisch sind und unglaublich humorvoll sein können, und mit einem Schulterzucken Niederlagen wegzustecken versuchen. Wenn man schon weiß, dass man nicht weit kommen wird, dann werden halt Supergirls-Kugelschreiber verkauft, damit man mal die Mama mal zum Essen einladen kann.
Was man in SUPERGIRLS! sieht, schreckt oft ab; glücklicherweise hat man sich für die Doku aber Mädels rausgesucht, die ziemlich sympathisch sind, die sich etwas Bodenständiges bewahrt haben und völlig unhysterisch zu Werke gehen. Hier wird zum Glück niemals gekreischt.

Dienstag, 19. Oktober 2010

Thirst / Bakwi (Park Chan-wook, Südkorea 2009)



Als sich der selbstlose katholische Priester Sang-hyeon (Song Kang-ho) freiwillig zur Verfügung stellt, in Afrika an medizinischen Experimenten teilzunehmen um ein Gegenmittel zu einem seltenen Virus zu finden, da ist er der einzige von 500 Probanden, der die sich durch heftige Bläschenbildung auf der Haut ankündigende Krankheit überlebt. Sang-hyeon ist – durch die Verabreichung lebensrettender Blutkonserven – ein Vampir geworden, der durch die Einnahme von Blut das Virus zurückzudrängen vermag, dafür aber nun mit den üblichen Vor- und Nachteilen des Vampirdaseins zu kämpfen hat. Ein Problem für ihn, da er als Mann Gottes eigentlich nach Afrika gereist war, um der Menschheit zu helfen, und dumm auch, dass er, zurück in Korea, sich in die Ziehtochter Tae-ju (Kim Ok-vin) einer Schneiderin verliebt, welche mit ihm aus ihrer eigenen geknechteten Existenz zu fliehen sucht...

Fortan versucht er sein Vampirdasein zu leben ohne seine sakrosankten Prinzipien zu verletzen: quasi als Parasit zapft er regelmäßig per Kanüle todkranke Patienten an, hilft Selbstmordkandidaten bei der Erfüllung ihrer Wünsche und überlegt sogar, ob er sich nicht Blut im Internet bestellen könnte. Der Handlungsraum des Filmes verlagert sich nun fast vollkommen in die dunkle Wohnung der Ladenbetreiber, die von einer diktatorischen Mutter, deren krebskrankem Sohn und seiner Frau, eben besagter Ziehtochter, bewohnt wird. Die Liebeskonstellation, die in die Beseitigung des verhassten Ehemanns münden soll, läßt ein Anliegen Park Chan-wooks deutlich werden: THIRST ist zugleich Verfilmung und Update von Émile Zolas Roman Thérèse Raquin, in welchem ebenfalls eine Ausgebeutete aus beklemmenden Verhältnissen mittels einer Affäre zu entkommen sucht.

Dies wird auch auf formaler Ebene bildsprachlich umgesetzt: das erdrückende Ambiente der dunklen Wohnung wird durch Perspektivierungen gestaffelter Raumverhältnisse in der Kamerakadrierung verstärkt: das Geschehen im Vordergrund wird von einem Ereignis im Mittelgrund (etwa in Fluchtperspektive im Flur) abgelöst und schließlich folgt durch leichte Verstärkung der Tiefenschärfe ein weiteres Ereignis im Hintergrund (etwa dem hintersten Raum der Wohnung) nach. Die Wohnung mit ihren scheinbar unzähligen, kleinen Seitenzimmern, Fluren, Treppen und Winkeln gleicht in ihrer Unübersichtlichkeit den verschlungenen Pfaden des Plots, denn dieser wird fortan noch einige Haken schlagen, um den Zuschauer bei Laune zu halten. Und ganz im Gegensatz zu vielen Besprechungen, die dem Film lediglich Mittelmäßigkeit zugesprochen haben, kann man ebensogut die Komplexität und Verwobenheit der inhaltlichen Aspekte und Motivketten betonen (etwa das Thema der Darstellung der körperlichen Sexualität im Vampirfilm, die Mann- und Frauwerdung der Protagonisten, die Verwendung der deutlich humoristischen Szenen, die HIV-Thematik, das Verhältnis von Film und Literatur,...). Gleichwohl gibt es die eine oder andere lose Seitenerzählung, um deren Straffung es nicht schade gewesen wäre, wenn man die doch recht üppige Gesamtspielzeit (in der bereits gekürzten Version) von über zwei Stunden berücksichtigt. Gleichwohl könnten eben jene lose Fäden ein Opfer der Kürzungsbestrebungen sein, die in einer noch längeren Fassung potentiell sinnhaft und strukturell geglückt erscheinen könnten.

So ist THIRST vor allem ein ungewöhnlicher Vampirfilm geworden, ein unbequemer noch dazu, der einem erstmal jedes Saug- und Schmatzgeräusch für längere Zeit verleiden dürfte; man sollte dem Film mehr als nur eine Sichtung gönnen, um den verschlungenen Texturen des Stoffes nachspüren zu können; um dann dabei auch der famos zurückhaltenden Audiospur sein Ohr zu leihen, die so ganz anders funktioniert, als das alltägliche Rauschen, das man aus Hollywood gewohnt ist. Ein Film also, in dem es viel zu entdecken gibt: THIRST ist wunderbar komplex und souverän geworden.

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Sonntag, 3. Oktober 2010

Rinko Kawauchi in Köln!

RINKO KAWAUCHI - A Glimmer in Silence

4. September - 2. November, Galerie Priska Pasquer, Köln

Die 1972 geborene Rinko Kawauchi gehört zu meinen ganz großen Favoriten der zeitgenössischen Photographie; und in der Kölner Innenstadt kann man derzeit eine kleine, aber feine Auswahl neuer und neuster Arbeiten sehen. Außerdem liegen alle Bücher Kawauchis aus, die mittlerweile, teilweise zumindest, gar nicht mehr so einfach oder nur recht teuer zu bekommen sind. Freunde japanischer Ästhetik sollten sich das unbedingt ansehen gehen. Ich verbürge mich dafür.