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Sonntag, 30. Oktober 2011

Rebels of the Neon God / Qing shao nian nuo zha (Tsai Ming-liang, Taiwan 1992)


Die beiden jugendlichen Kleinkriminellen Ah-tze (Chen Chao-jung) und Ah-ping (Jen Chang-bin) verbringen ihre Tage und Nächte in den Spielhallen Taipeis und sind ständig damit beschäftigt, Telephone und Automaten zu knacken und mit den Motorrädern durch die nächtliche Großstadt zu heizen. Dabei lernen sie die hübsche Ah-kuei (Wang Yu-Wen) kennen, die sich zu einem der beiden hingezogen fühlt - doch nach der ersten gemeinsamen Nacht scheint das Interesse von männlicher Seite abgeflaut. Währenddessen bricht der Student Hsiao-Kang (Lee Kang-sheng) sein Tutorium ab und driftet durch die Stadt. Als er von seinem Vater (Tien Miao) aufgegriffen wird, einem Taxifahrer, der den rüpelhaften Ah-tze von der Straße hupt, zerschlägt dieser den Außenspiegel des Taxis - worauf es zu einem Unfall kommt. Später entdeckt Hsiao-Kang ihn in der Spielhalle wieder und beginnt, ihn zu verfolgen. Vermutlich, um Rache zu nehmen.


Tsais erster Spielfilm ist schon beinah eine Quintessenz seines Schaffens: hier sind bereits alle Motive präsent oder zumindest angelegt, und auch der Stamm des Schauspielerensembles ist gefunden. Die Wohnung der Eltern ist exakt dieselbe, die sie auch in der späteren Filmen sein wird - etwa in THE RIVER. Ob es nun die desolaten Familienverhältnisse sind, in der Kommunikation nicht mehr stattfindet, der Aberglaube der Mutter, die Einsamkeit des Protagonisten, der prasselnde Regen, die überschwemmte Wohnung, die Lovehotels in Taipei, aber auch die naturalistische Kamera (in diesem Film sicher am "kunstlosesten"), der sprunghafte Schnitt mit seinen Jump-Cuts, die trostlosen Locations, der spärliche Einsatz der Musik, die Montage der verschiedenen Erzählstränge und die zunächst scheinbare Ziellosigkeit der Handlung - hier lässt sich all dies bereits finden. Einzig auf musicalhafte Songeinspieler und Tanzrevuenummern muss noch verzichtet werden.


REBELS OF THE NEON GOD ist zudem spannend erzählt und faszinierend zugleich, die manchmal bemängelte spröde Arthousigkeit ist noch in eine relativ stringente Narration gepackt, sodaß Tsai-Neulinge mit diesem Film nicht nur den chronologisch korrekten Auftakt zur Werkerschließung wählen würden, sondern zugleich die Gewissheit hätten, wenn dieser Film des Ausnahmeregisseurs nichts für einen ist, dass man es dann auch gleich ganz mit ihm bleiben lassen kann. Möglicherweise wäre dann erst der explizit durchsexualisierte THE WAYWARD CLOUD wieder ein Versuch wert. Mir selbst haben jedoch alle seine Filme, in all ihren verschiedenen Nuancen, sehr gut gefallen. Meine kleine Tsai Ming-liang-Werkschau ist damit erstmal abgeschlossen.

Freitag, 28. Oktober 2011

Asian Film Festival Berlin - Imagine(d) Kinships


Dieses stark themenorientierte Filmfestival geht in die dritte Runde - und wer mal eine Abwechslung zum Pornfilmfestival braucht, der könnte sich diese hier bei einem wahrlich tollen Programm verschaffen. Party gibt's auch. Ich zitiere:

Das ASIAN FILM FESTIVAL BERLIN - ehemals ASIAN WOMEN’S FILM FESTIVAL – geht mit seinem neuen Namen in die dritte Edition. Die Namensänderung geht mit einem neuen Konzept einher, das die Inklusion männlicher Filmschaffenden sowie eines größeren Themenspektrums ermöglicht. Unsere Aufmerksamkeit gilt Arbeiten aus Ostasien (Korea, Japan, China, Hong Kong) und Südostasien (Malaysia, Singapur, die Philippinen, Indonesien, Thailand, Vietnam). Wir konzentrieren uns auf Filme, die Fragen zu den vielfältigen Aspekten von Identitätsbildungen aufwerfen und kontroverse Diskussionen initiieren. Ein weiterer integraler Bestandteil des Festivalprograms sind Filme der asiatischen Diaspora.

Hier geht es zur Homepage, und hier zum Programm.

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Life without Principle (Johnnie To, Hongkong 2011)


Als auf den internationalen Währungsmärkten die Krise ausbricht – und insbesondere der schwache Euro zu Turbulenzen führt – sind Risikokapitalanleger in einer schwierigen Situation: einerseits lässt sich mit etwas Glück in kürzester Zeit viel Geld machen, andererseits kann das angelegte Geld schneller futsch sein, als man Enter drücken kann. In dieser Situation ist die Investmentbankerin Teresa (Denise Ho) in einer schwierigen Position, denn ihre Umsätze stimmen nicht und der Druck durch den Chef steigt. So sieht sie sich dazu gezwungen, harmlosen, von Anlagedingen nicht das geringste verstehende Kunden zu heiklen Anlagen zu bewegen. Zugleich hat sie es mit einem schmierigen Kredithai zu tun, dessen Portfolio sie betreut, und der mit Geschäften unter der Hand und mit verzweifelten Anlegern, die schnell Bares brauchen, ein Vermögen macht. Dieser ist auch die Verbindung zur Unterwelt, zu den Triaden. Denn auch hier bestimmt alles das Geld. Lediglich der loyale Gangster „Panther“ (Lau Ching Wan) hält noch an alten Prinzipien fest und setzt sich für seine „Brüder“ ein. Als ein besonders rüpelhaftes Exemplar von der kowlooner Polizei festgenommen wird, sieht er sich dazu verpflichtet, die Kaution zusammen zu bekommen.

LIFE WITHOUT PRINCIPLE, der Eröffnungsfilm des diesjährigen Hong Kong Asian Film Festivals, den ich durch eine glückliche zeitliche Fügung in HK sehen konnte, ist ein Genrehybrid – dazu ein sehr gelungener. Ein Film, der sowohl in der Komödie (manchmal auch der albernen), als auch im Drama zu verorten ist. Johnnie To hat hier aber auch optisch wieder einen astreinen Hongkong-Film abgeliefert, der von seinen unvergleichlichen Locations lebt. Die Victoria-Harbour-Shots Richtung Central hätte es da gar nicht gebraucht, gleichwohl sind diese natürlich stets ein Stimmungsmacher. Bemerkenswerterweise hat man sich für ungeschminkten, grobkörnigen Naturalismus entschieden und gegen die Panoramapostkarte. So ist auch dieser Film in toto ausgefallen, zumindest in den Außenaufnahmen: kein Lack und Glanz, sondern Straße, verschwitzte Achselhöhlen, komische Schuhe.

Dass To zwei, vielleicht auch drei Geschichten, die auf ein gemeinsames Ereignis zulaufen, zugleich erzählt, ist das besondere narrative Konstruktionsprinzip des Films. So ist er freilich stets abwechslungsreich und überraschend, bisweilen aber wirkt er auch etwas uneben und wenig kompakt. Auch etwas mehr Zugkraft hätte man sich manchesmal gewünscht, oder schlicht: Kürzungen. Die Beratungs-Szenen in der Bank sind sehr ausführlich geraten, obwohl sie funktional natürlich über die Repetition den Humor transportieren. LIFE WITHOUT PRINCIPLE lebt nicht zuletzt von seinem hervorragenden Cast mit Denise Ho und Richie Jen, wobei hier nochmals auf den überragenden Lau Ching Wan hingwiesen werden muss, der seinem aufopfernden, dabei gerissenen Helden einen deutlich flirrenden Hauch an Trotteligkeit mitgibt, der einen auf den ersten Blick schnell in die Irre führt. Dieser Mann hat Commitment. Und LIFE WITHOUT PRINCIPLE ist ein sehr sehenswerter Film.

Dienstag, 25. Oktober 2011

Michelle Yeoh und Luc Bessons THE LADY


Eine der Grande Dames des asiatischen Kinos, Michelle TIGER &DRAGON Yeoh, die die Hauptrolle in Luc Bessons neuem Film über die burmesische Freiheitskämpferin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi spielt, wurde nun die Einreise nach Burma/Myanmar verweigert. Dies dürfte zwangsläufig mit der Fertigstellung des Filmes zu tun haben, denn Yeoh hatte Monate zuvor bereits das Land mit dem Sohn Suu Kyis bereist und sich mit seiner Mutter persönlich getroffen. Michelle Yeoh hatte sich mehrere Jahre auf die Rolle vorbereitet. Siehe BBC.
Nachdem nun erste Trailer zum Film im Netz erschienen sind, hat sich herausgestellt, dass China bereits den Film verboten und jede Ausstrahlung untersagt hat (wantchinatimes). Über chinesische Suchmaschinen ist er nicht mehr zu finden. Dazu besagte Quelle:

All trailers, promotional videos and reviews about the film, directed by Luc Besson, were pulled from the internet soon after being posted and the authorities have warned against any form of publicity for the movie.

Sonntag, 23. Oktober 2011

Occupy in Hong Kong


Bei meinem diesjährigen China-Aufenthalt, von dem ich gestern Nacht zurück gekommen bin (deswegen auch die Pause hier), bin ich zufällig an den demonstrierenden Occupyern an der Hong Kong Stock Exchange vorbei gekommen. Kein Wunder finden sich auch hier in dieser Stadt Unterstützer, in der es für die meisten ums Geldverdienen geht - zumindest in Central, und in der man horrende Mieten für kleinste Wohnungen aufzubringen hat. Nachlesen kann man das etwa bei Counterfire.org oder in der gebeutelten South China Morning Post.