DVD BluRay

Donnerstag, 29. Dezember 2011

Sector 7 / 7 gwanggu (Kim Ji-hun, Südkorea 2011)


Auf der Ölbohrplattform ist der Teufel los! Als ob die Stimmung nicht schon schlimm genug wäre - man findet im besagten Sector 7 einfach kein Öl - so schleppt man sich auch noch ungeheure Tiefsee-Schleimmonster ein, die sich rasant vermehren. Zunächst noch ganz putzig, als kleine Glitzerquappen, werden sie überfallartig zu lebensbedrohlichen Gegenern, die in einer Mischung aus Octalus und Alien die Mannschaft rasant dezimieren.


SECTOR 7 ist gerade heraus gesagt: ganz primitiver Monsterspass, der mit der nötigen dumpfen Einstellung rezipientenseitig einige Laune machen kann. Rasant inszenieren können die Koreaner ja, und so finden neben den üblichen Keilereien auch Motorradrennen über die Plattform statt, dann Tiefsee-Tauchspektakel, und freilich gibt es auch wunderbar spektakuläre ölverschmierte Reparaturarbeiten von Tanktop-bekleideten Schönheiten an überdimensionalen Bohrmeißeln zu bestaunen.



Ahn Sung-ki gibt den räsonablen Altherrensouverän; die immer bekannter werdende Ha Ji-won aus PHONE, SEX IS ZERO, und dem Katastrophenfilm HAEUNDAE spielt die engagierte Tanktop-Frau, die auch kräftig zuschlagen kann - außerdem gibt es noch einen debilen Irren und eine Wissenschaftlerin. Alle anderen Charaktere habe ich nach einer Woche bereits vollständig vergessen. Ich vermute, die waren alle Monsterbait. Und so ist SECTOR 7 freilich kein Darstellerfilm, hat kaum eine erwähnenswerte Plotentwicklung (hier ist sowieso alles zusammengeklaut), noch so etwas wie eine Figurenentwicklung. SECTOR 7 ist für "ernsthafte" Kinogänger der leibhaftig gewordene Alptraum und an Unbedeutsamkeit wohl kaum zu überbieten. Obwohl, halt! Er ist der erste koreanische Film in 3D. Nur für's Notizbuch.

Freitag, 23. Dezember 2011

Tetsuo: The Bullet Man (Shinya Tsukamoto, Japan 2009)


Der biomechanoide Mensch-Maschinenschreck ist diesmal ein Familienvater mit Rachegelüsten. Meine Filmkritik ist leider nicht allzu positiv ausgefallen. Aber lest selber nach, hier in der Filmgazette.

Dienstag, 20. Dezember 2011

Disorder / Xianshi Shi Guoqu de Weilai (Huang Weikai, China 2009)


DISORDER ist ein auf atemberaubende Weise montierter Dokumentarfilm, der das Chaos, die Freiheit, die Katastrophen, die Anarchie und den Irrsinn modernen, vor allem: chinesischen Großstadtlebens portraitiert. Genauer gesagt: Huang montiert Videomaterial verschiedener (Amateur?-) Regisseure zu einer modernen "Symphonie der Großstadt", die ihren Soundtrack tatsächlich vollständig verloren hat (der Film kommt ohne Musik aus). Dies eine ordnende, verbindungsstiftende Element gibt es nicht mehr. Also: Original-Bilder und O-Töne bestimmen den Film, der vielleicht gut 10-15 Ereignisse abbildet, die in verschachtelter Weise montiert sind, und die sich auf der Tonspur durch Überlappung immer stärker überschneiden. Da gibt es die freilaufenden Schweine auf einer Autobahn und Männer, die diese einfangen (Siehe Cover der DVD); ein Straßenzug, der unter Wasser steht und Anwohner, die sich durch die Überschwemmung kämpfen; ein Jugendlicher, der halbtot vor einem Auto liegt, und der laut Fahrer nur ein Simulant ist, um Geld zu erpressen (Nagisa Oshimas DER JUNGE/SHONEN lässt grüßen); oder ein älterer Herr, der halbnackt auf einem Brückgeländer steht und mit dem Sprung droht, wenn nicht endlich seine Eingabe bei der Polizei bearbeitet wird. DISORDER ist ein einzigartiger Einblick in eine stürmische Welt, die sich in ihren eskalierenden Momenten dem Skandal nähert, die den innocent bystander zum Komplizen, die den Zuschauer des Films zum Teil des Problems macht. Ein Panoptikon der alltäglichen Katastrophen und ein Pflichtfilm für all diejenigen, die über den eigenen Tellerrand hinausschauen wollen.


Select Film Festivals (via):
2009:

Cinma du Reel, France
— Young Jury Special Mention Award
Krakow Film Festival, Poland
International Leipzig Festival for
Documentary and Animated Film, Germany
— Official Selection
Pusan International Film Festival, Korea
Yunnan Multi Culture Visual Festival, China
— Jury Special Mention Award
Yamagata International Documentary Film Festival, Japan
— Official Selection

2008:
Asian Network of Documentary Fund Project (13th PIFF)

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Confessions / Geständnisse / Kokuhaku (Tetsuya Nakashima, Japan 2010)


Die Lehrerin Yuko Moriguchi (Takako Matsu) verkündet ihrer Klasse, dass sie den Lehrberuf aufgeben wird. Grund sei der Tod ihrer vierjährigen Tochter Manami, welcher, und dies ist nur die erste einer ganzen Reihe von atemraubenden Enthüllungen, von zwei Schülern dieser Klasse herbeigeführt worden sei. Da aber das Alter der Schüler sie vor dem Strafgesetz schütze, habe sie HIV-infiziertes Blut ihres kürzlich verstorbenen Gatten in die Milch der Schüler injiziert.

Ein japanischer Rachethriller mit fantastischen Bildern und einer verschachtelten Struktur, der sich aber allzu sehr auf seine Bildästhetik konzentriert und seine Figuren vergisst. Meine Kritik bei den sagenhaften HARD SENSATIONS.

Freitag, 9. Dezember 2011

A Certain Killer / Aru Koroshiya (Kazuo Mori, Japan 1967)


Der im Zweiten Weltkrieg traumatisierte Protagonist des Films (Raizo Ishikawa) hat im Nachrkiegsjapan beinah alle Perspektive verloren. So tut er das, was er gelernt hat: Töten. Er ist ein Auftragskiller, der sich eine bürgerliche Existenz (ein Lokal) nur zum Schein aufgebaut hat. Seine Spezialität neben der Kochkunst (auch hier sieht man nur, wie er mit dem Messer umgehen kann und Fische filetiert) ist die perfekte Ausführung unauffälliger Auftragsmorde. Immer wieder allerdings kommt ihm die eigene Moral dazwischen, etwa wenn er für die Yakuza tätig sein soll. Er hat sich also ein großes Maß an Freiheit bewahrt: diejenige, "nein" zu sagen.


Kazuo Moris Film ist in seiner Hardboiled - Ausrichtung dabei eher am Pulproman und dem amerikanischen Film Noir orientiert, denn ganz generell durchweht den Film eine allen Dingen inhärente Traurigkeit und melancholische Grunddisposition, als dass er sich wie die wilden Hunde der Filme Fukasakus, oder wie die grellen Overdrive-Filme Suzukis gebärden würde. Ichikawa, der Melancholiker unter den japanischen Bösewichtern und Gebeutelten ist hier natürlich erstklassig besetzt: ein sympathischer, durchaus höflicher und zurückhaltender Mensch, der sich nicht in die Karten schauen lässt und eben klassisch im entscheidenden Moment mit kalter und präziser Hand seinen Job erledigt.

In Haruki Murakamis Roman 1Q84 übrigens tötet die Heldin Aomame ihre Opfer mit einer Nadel, die sie den Opfern in die Halswirbelsäule sticht (etwas merkwürdig mit dem Wort "Eispick" übersetzt). Raizo Ichikawa wendet diese Methode ebenfalls gelegentlich an. Man darf also spekulieren, woher Murakami seine Inspiration hatte.


Das Leben des Killers ist also bestens organisiert - bis er in einem Imbiss einer bankrotten Göre (Yumiko Nogawa) eine Nudelsuppe spendiert, die sich darauf und angesichts eines gut gefüllten Portemonnaies direkt an seinen Arm hängt und sich deutlich als Prostiuierte zu erkennen gibt. Ihre Dienste nimmt er freilich nicht in Anspruch, doch lässt sie sich auch nicht mehr abwimmeln. So drängt sie sich als die neue Bedienung in sein Lokal, vergrätzt mit einigen dreisten Lügen die Kollegin, die heimlich in den Patron verliebt war, und bedeutet also vor allem: Trouble. In ihrer leicht hysterischen Art erinnert sie an einige Frauenfiguren aus den frühen Wirtschaftsthrillern Yasuzo Masumuras, der für A CERTAIN KILLER übrigens auch das Drehbuch geschrieben hat. Die Göre schmiedet insgeheim einen heimlichen Plan, ihrem Arbeitgeber, den sie mit einem aufstrebenden aber skrupellosen Yakuza hintergeht, eine große Summe Bargelds abzunehmen.


Der Film kann also nicht nur Dank seines Plots, seiner Genreverortung und seines impliziten gesellschaftlichen Kritikpotentials überzeugen, sondern auch durch die famosen Darsteller und die tollen Bilder. Hier gibt es sehr viele schöne Kompositionen, Großaufnahmen, Schattenspiele, Stilisierungen und Landschaften. Die Bilder allerdings zeigen kein idyllisches Japan - hier befinden wir uns in halb verfallenen Häusern im Hafen, man liegt auf angeschimmelten Tatamis in einem baufälligen Haus, in der Ferne werden Container verladen und Krähen jagen durch das Bild. Industriebrache, verdorrtes Gras unter den Sohlen. Und dann der Moment, in dem Raizo Ishikawa erkennt, dass er betrogen wurde.

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Cold Fish / Tsumetai Nettaigyo (Sion Sono, Japan 2010)

 

Obwohl längst nicht alle Filme Shion Sonos in unseren Breiten verfügbar sind, wird er, spätestens seit LOVE EXPOSURE, vielerorts als cineastische Gottheit wahrgenommen. Auch ein mediokrer STRANGE CIRCUS oder der völlig missratene EXTE kann daran wohl nichts mehr ändern. So ging ich also mit recht gemischten Gefühlen an COLD FISH - einen Serienkillerfilm vor dem Hintergrund dysfunktionaler Familien in neonlichterleuchteten Tropenfischfachgeschäften. Wobei in einem der beiden freilich die Verkäuferinnen in knappen Armee-Shorts und Tank-Tops herumwatscheln dürfen. Anscheinend alles nach einer wahren Begebenheit, als ob das heute noch interessieren würde, was Realität und Fiktion ist. Aber irgendwas muss man ja auf's Plakat scheiben.

Hier sehen wir also den Protagonisten Nobuyuki Syamoto, bereits etwas grau im Gesicht. Er hat es auch nicht leicht, stinkt sein Fischladen doch merklich ab gegen den Megastore von Konkurrent Murata. Eben jener Murata hat seine Tochter aufgegriffen, nachdem sie einen Ladendiebstahl begangen hat. Was sie irgendwie deshalb tat, da sie mit ihrem Leben unzufrieden ist, und auch, weil sie ihre hübsche, junge, vollbusige Stiefmutter nicht leiden kann. Ihren Papa mag sie deshalb auch nicht mehr. Aber an großen Psychologisierungsdefiziten darf man sich bei Sono nicht aufhalten, auch wenn der Film über 2 1/2 Stunden geht. Kurzum: die Delinquentin darf bei Murata in die Lehre gehen und die Stiefmutter wird im Ferrari Muratas als Zwischenmahlzeit mal kurz vernascht. So weit so schlecht für Nobuyuki Syamoto. Doch das wird er erst später erfahren. Murata selbst zieht ihn nämlich immer tiefer in seine dubiosen Geschäfte hinein. Und zu spät merkt er, auf was er sich eingelassen hat: Murata ist ein Serienkiller, der alle, die ihm im Weg stehen, kurzerhand abmeuchelt; zu einem Haus im Wald fährt (am Fujiyama vorbei), und sie dort mit seiner ebenfalls debilen jungen Gattin zerlegt.


Hier wird es nun so richtig gorig, mit viel Schlamassel auf dem Boden und abgetrennten Gliedmaßen. Gummistiefel und Handsägen. Nobuyuki muss dann anschließend alles entsorgen - kein Wunder bringt ihn das an seine Grenzen. Als Murata nun seinen "Schüler" heranzieht, beginnt dieser aufzubegehren und Selbstbewußtsein aufzubauen. Und darum eigentlich geht es in diesem Film: wie der Loser (Nobuyuki) zu sich selbst findet und endlich das Heft in die Hand nimmt. Dazu gehört natürlich erstmal eine Portion familiäre Gewalt mitsamt Vergewaltigung der Gattin und Prügel für die Göre, die nicht hören will. Dass dies alles kein Ausweg ist, merkt er aber dennoch, und geht den Weg (s)einer moralisch kruden Konsequenz.


Wenn man also gewillt ist, über den doch recht hanebüchenen Plot hinwegzusehen und oftmals durchaus dilettantische Montagen zu tolerieren, dann bekommt man mit COLD FISH einen durchweg unterhaltenden, mit popkulturellen Referenzen aufgeladenen Genrefilm, der sich in eine ziemliche Blutorgie hineineskaliert. Das macht Spaß und ist spannend (bis auf einen längeren Durchhänger etwa in Filmmitte). COLD FISH scheint mir ein Film für die Leute zu sein, die eigentlich eher Sachen wie BEDEVILLED gut finden und denen ein Schwachsinn wie ROBOGEISHA zu blöd ist. Und die es dann doch mal zwischendurch ganz gern niveaulos haben wollen. COLD FISH ist ein Schmutzfink für nach Mitternacht.

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