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Montag, 20. August 2012

Hellsing Ultimate OVA (Kohta Hirano, Studio Satelight, Japan 2005) [Episode 1]




In einem heutigen, aber dennoch fiktiven Großbritannien bekämpft der geheime protestantische Hellsing - Ritterorden Vampire und Zombies. Führerin ist Lady Integra Wingates Hellsing, die ihren Vorsitz vom Vater geerbt hat und in einem großen Anwesen residiert. Das groß angelegte, dunkle Epos verhandelt im Weiteren den Kampf gegen die überhand nehmenden "Freaks", Ghouls, die mithilfe eines Computerchips künstlich geschaffen wurden - im Gegensatz zu den "Natives", die auf üblichem Wege zu Untoten wurden. In der ersten Episode der OVA (eine besonders werkgetreue, sich genau an den Bänden des Mangas orientierenden Verfilmung) wird lediglich die Vorgeschichte abgehandelt und die Figuren werden eingeführt.

Alucard, der Obervampir im Dienste der Organisation

Besonders brisant ist dabei ein Einsatz in Irland, da hier dem protestantischen Orden die Geheimorganisation des Vatikans, die sogenannte Iskariot-Organisation, dazwischenkommt. Und mit ihr ein erbitterter Gegener, Alexander Anderson, ein durch genexperimente mutierter Superkämpfer und Vampirhasser. Als Waffe dienen ihm geweihte Bajonette und herumfliegende Bibelseiten, die dem Gegener Wege versperren können, oder ihm die Sicht nehmen (Anspielung intended). Also ein Feind Alucards.

Seras Victoria, die Protagonistin

Die erste Folge der OVA ist für einen HELLSING-Neuling recht schwer zu verstehen, ganz einfach deswegen, weil in sehr rasantem Tempo die Geschichte eingeführt wird mitsamt dem politischen Kontext und der Etablierung des Übernatürlichen und Fiktiven, sowie die Figuren inklusive ihrer Vergangenheit vorgestellt werden. Die ersten zwanzig Minuten musste ich zweimal anschauen sowie ein wenig im Netz herumlesen, um alles genau mitzubekommen. Schlimm ist das nicht, es erfordert nur eine sehr genaue Aufmerksamkeit.

Let the Bullets fly!

Alucard (ein Anagramm für "Dracula")  ist in der ersten Episode die interessanteste Figur. Ein mächtiger Vampir, der von Lady Integras Vater in den Keller eingesperrt und mit Siegeln gebannt wurde, wird von Lady Integra in größter Not befreit, da diese vom eigenen Onkel, also dem Bruder des Vaters, bedroht wird. Er trachtet ihr nach dem Leben, da sie das Familienerbe antreten soll, und nicht er selbst. Er schießt ihr dann auch rücksichtslos in die Brust, doch das verspritzende Blut erweckt Alucard aus seinem Dämmerschlaf und dieser macht dann mit dem Bruder kurzen Prozeß. Im späteren Verlauf gibt es dann eine interessante Parallele, da Seras Victoria, die Polizistin ist, bei einem Einsatz ebenfalls in die Brust geschossen wird - und zwar von Alucard, der einen Vampir tötet, der sich die junge Frau zum Schutzschild genommen hatte. Doch Alucard feuert trotzdem. Hier erkennt man schon deutlich die rücksichtslose Konsequenz, mit der Alucard seine Ziele zu erreichen sucht, wie weit er zu gehen bereit ist. Seras Victoria würde freilich sterben, sollte Alucard sie nicht ebenfalls zur Vampirin machen. Dass er sie rettet, ist dann ein weiterer, eigener Erzählfaden.


Dass der Einsatz in Irland auf die dortigen politischen Verhältnisse verweist, dürfte dem uninformiertesten Zuschauer auffallen. Inwieweit dieser Aspekt relevabt wird, denn eigentlich geht es auch um einen Kampf um die Vormachtsstellung der beiden Konfessionen, kann ich noch nicht beurteilen. Es erinnert in seiner Verwendung realpolitischer Geschichte aber deutlich an die quasirealen, fiktiven Ereignisse in ABRAHAM LINCOLN: VAMPIRE HUNTER, der die Geschichte Amerikas, die Biographie Abraham Lincolns mitsamt dem Bürgerkrieg als Invasion der Vampire neu erzählt. Hat man sich da bei HELLSING bedient? Auch dort gibt es übrigens einen mächtigen Vampir, der verdeckt im Dienste der Menschheit tätig ist: Lincolns Verbündeter Henry Sturges. Die Verfilmung von Timur Bekmambetov kommt demnächst ins Kino.

Anderson, der Abgesandte des Vatikans
Die erste Episode von HELLSING also war überwältigend, im positiven wie im negativen Sinne. Sehr viel Informationen, nicht einfach, sich zurecht zu finden; dann aber: schnell, blutig, düster. Nicht zu übertrieben, es wird nicht alle Glaubhaftigeit den fiktiven Möglichkeiten geopfert. Dennoch fand ich die 50 Minuten anstrengend, da es keine wirkliche Plotlinie gibt, keine natürlich entwickelte Geschichte. Episode 1 scheint mir eine reine Einführung zu sein, die das Fundament für die weitere Erzählung legt.

Alucard, Man of Bats

Dienstag, 14. August 2012

Secrets behind the Wall aka Affairs within Walls / Kabe no naka no himegoto (Kôji Wakamatsu, Japan 1965)





Eröffnungsszene, AFFAIRS WITHIN WALLS: Bilder aus der Wohnsiedlung, in der der gesamte Film spielt. Gleichförmige Hausreihen, durchnummeriert, identitätslos. Anschließend sind es dann beinah nur noch Innenräume, in denen sich die Handlung abspielt. Ein Hibakusha, ein Hiroshima-Überlebender, wird liebevoll von seiner Frau (oder seiner Freundin? - das wird zunächst bewußt unklar gelassen) gepflegt. Sie leben in der anonymen Hochhaussiedlung, die wir schon aus SEASON OF TERROR kennen. Er ist ein Aussätziger der Gesellschaft, einer, den man vergessen will, der an den Rand gedrängt wird. Vergangenheitsbewältigung in Japan. Außerdem ist er heroinabhängig. Hier bekommt er seinen Schuß, bevor sie ihm zärtlich über das Keloid streichelt, den tumorartigen Auswuchs auf dem Rücken. Im Hintergrund lächelt Stalin.




Aber eigentlich ist SECRETS BEHIND THE WALL ein Film, der zwei Erzählstränge miteinander verbindet, die durch das Motiv des Voyeurs zusammngehalten werden. In der Figur des jungen Studenten, der zuhause bei seinen Eltern wohnt und - anstatt fleißig zu studieren, was er aber stets vorgibt, schaut er gerne Pornoheftchen an - mit dem Fernrohr in die Nachbarwohnungen spioniert. So entdeckt er zum Beispiel, dass eben jene vernachlässigte Hausfrau, die in ihrer stumpfen Ehe und in den vier Wänden zugrunde geht, ein Verhältnis zu dem jungen Mann pflegt, den wir aus der Anfangsszene gesehen haben. Diese Frau wird er später bedrängen, erpressen, versuchen zu vergewaltigen. Doch das will ihm alles nicht gelingen, und als sie sich ihm schließlich in einem merkwürdigen Akt der Mildtätigkeit anbietet, bringt er sie, völlig in Rage gebracht, mit dem Messer um.

 
Doch zuvor zeigt sich sein aufgestauter Trieb bereits darin, dass er seine attraktive Schwester heimlich beim Duschen beobachtet, wie sie sich auszieht, später dann abtrocknet. Der völlig gehemmte Student weiß seine unterdrückten körperlichen Gefühle nicht mehr zu beherrschen, und wie ein leidendes Tier explodiert seine scheinbar unkontrollierbare Sexualität zur aggressiven Tat: er fällt förmlich über seine Schwester her. Sie jedoch, die bereits in Handtücher eingewickelt und somit bewegungsunfähig ist, wehrt sich erfolgreich, strampelt sich unter ihm frei. Sie läßt sich das nicht gefallen.  


Viel weiter als in diesem Film kann man eigentlich nicht mehr vom Pinku Eiga weg sein, vom kontroversen Sexfilm, in den der Sararyman seine übermüdeten Augen zur Erholung bettet. Sex ist hier Politik, Gewalt, Ausdruck der Bankrotterklärung einer gescheiterten Gesellschaft. Sowohl was die politischen Implikationen seitens des Umgangs mit den "lebenden Mahnmalen der nationalen Schande" in Form der Hiroshima-Opfer angeht (und was in der Verlängerung des Aspekts auf den allgemein gesellschaftlichen Umgang mit der Vergangenheit, der Rolle des Landes im 2. Weltkrieg verweist), als auch was die privaten, unterdrückten, dann pervertierten Leidenschaften einer rücksichtslos maskulin orientierten Gesellschaft angeht, einer Machtordnung des Patriarchats.

SECRETS BEHIND THE WALL ist ein gewalttätiger Kunstfilm, aufrüttelnd, gnadenlos (auch gnadenlos zärtlich), der genau das abbildet, vor dem die Augen allzu gerne verschlossen werden. AFFAIRS ist nicht umsonst eben jener Film, an dem sich die Karriere Wakamatsus gebrochen hat, der Film, der 1965 zur Berlinale eingereicht wurde (von einem deutschen Bewunderer des Films - nicht von Wakamatsu selbst!), obwohl die japanische Filmbewertungsstelle Eirin den Film noch nicht freigegeben hatte. Ein Film, der bald den Ruf des Skandalfilms innehatte, der eine nationale Schande sei. In der Folge verließ Wakamatsu die Produktionsgesellschaft Nikkatsu, für die er bis 1965 etwa 20 Filme gedreht hatte, und gründete seine eigene Produktionsfirma Wakamatsu Pro.

Inwiefern auf so einen wichtigen Film noch der Begriff "Exploitation" zutrifft, jenseits seiner niedrigen Budgetierung und dem filmhistorischen Umfeld, in dem er zunächst entstand, wäre möglicherweise fruchtbar zu diskutieren. Jede Form der Herablassung, ausgelöst durch die Begrifflichkeit "Exploitation" oder "Genre", ist völlig fehl am Platze gegenüber einem solch konzis kritischen, spannenden, genau getakteten und großartig inszenierten Meisterwerk. Unbedingt sehenswert.



Mittwoch, 8. August 2012

Zombie Ass: Toilet of the Dead (Noboru Iguchi, Japan 2011)


Wenn man denkt, man habe bereits alles gesehen, dann erwischt einen die Keule. Hier in Form eines Zombiefilms, dessen Untote aus dem Klosett emporsteigen und mit Fäkalien um sich werfen. Also auf hübsche Mädchen in Schulmädchenuniform oder in knappen blauen Kleidchen. Da wird dann freilich auch die Kameraposition tiefergelegt, damit das mit dem Blickwinkel hinkommt. Insane madness vom Regisseur von ROBO GEISHA und MACHINE GIRL! ....hier bei HARD SENSATIONS!