DVD BluRay

Montag, 26. August 2013

Chennai Express (Rohit Shetty, Indien 2013)



Der Medien-Buzz um CHENNAI EXPRESS ist sensationell. Zumindest in Indien. Das "highest grossing movie ever" ist ein Kassenknüller und die Stimmen überschlagen sich, z.B. auf Twitter, wer wann wo wie oft den Film schon im Kino gesehen hat. Ram Gopal Varma war schon fünf mal drin, behauptet er. Nun, vielleicht wird der Film ja tatsächlich immer besser, je öfter man ihn sieht, wie auch Shah Rukh Khan auf seinem Account verlauten lässt. Luft nach oben jedenfalls ist reichlich, in dieser unausgegorenen und unebenen Liebeskomödie, die am Anfang ganz schön Spaß macht, dann am Ende aber gut eine halbe Stunde zu lang ist und die sich nach der Intermission ganz schön dröge Richtung Finale schleppt.

Dabei macht der Film alles erstmal genau so, wie man es erwartet: schöne Menschen vor schönen Landschaften, Liebeskonflikte, Heiratsversprechen versus Individualismus, die Tochter, die vor dem patriarchalischen Vater davonrennt. Und nur bedauerlich für den Helden, dass das hübsche Mädchen, der er allzu gerne die helfende Hand entgegenreckte, als sie auf den Zug aufsprang, die Tochter eines Gangsterbosses ist. Und er - wie in einem Sinnbild - selbst dran Schuld ist, wie er in die Geschichte reinrutscht: denn auch den Verfolgern reicht er die Hand im guten Glauben, sie würden lediglich den Zug verpassen. Kurz darauf hat er dann die Macheten der Tamilen am Hals, wie man im Trailer sehen kann. Und weil er nicht nein sagen kann, darf er bald den Geliebten der jungen Dame spielen, der sie aus dem Schlamassel befreien soll. Und wie das dann so ist, man lernt sich kennen...

Rohit Shetty, von dem jüngst der überdrehte Actionfilm SINGHAM völlig überzeugen konnte, liefert hier jedoch nur völlig standardisierte Konsumware ab. Interessante Bilder gibt es kaum welche in CHENNAI EXPRESS, originelle schon gar nicht. Shah Rukh Khans Figur des treudoofen und gutherzigen Schwiegermutterlieblings, der es faustdick hinter den Ohren hat, wird völlig in den albernen Overdrive hineininszeniert. Der Mann muss hier Grimassen schneiden wie in einem Highschool-Fernsehfilm, was schon manchmal mehr als nur an der Peinlichkeitsgrenze entlang schrabbt. Die Action jedoch, auf die ich dann noch gesetzt hatte, ist völlig gesichtsloses Gehampel. Die Verfolgungsjagden lassen die Rhythmik und das Gespür für die Power, die etwa SINGHAM auszeichnete, vermissen. Man ist dann entsetzt etwa, wenn es einen Verfolger auf einem Motorrad über den Lenker schlägt, sodass er sich beinahe das Rückgrat bricht - Härte statt Raffinesse also. Ebenfalls am Ende, beim Schlusskampf mit dem Rivalen, der zwei Meter groß ist und ein grimmiges Muskelpaket, Sohn des Dons vom Nachbardorf und ausgewählter Gatte Deepika Padukones. Extreme Härten bei diesem Kampf mit Faust und Machete, wo SRK seinen Mann stehen muss. Und nicht nur das: was will uns dieser Film eigentlich damit sagen, wenn dann doch derjenige am Ende die Frau bekommt, der dem Gegner am heftigsten aufs Gesicht haut - auch wenn er der Gute ist? So genau möchte man da gar nicht mehr drüber nachdenken, was da für ein problematisches Bild transportiert wird.

Inwiefern auch in CHENNAI EXPRESS wieder die Inszenierung des ruralen Dorfes im Gegensatz zur Großstadt zu lesen ist, also im Sinne eines etwa möglichen konservativen Backlashes im gegenwärtigen Hindi-Kino, kann ich nicht sagen. In diesem Film aber leben - wie in SINGHAM - die Clanlords vor der Stadt und regieren ihre eigene Welt. Sie haben sogar eigene Bahnhöfe, nämlich dort wo sie wollen und wo die Gangster die Notbremse ziehen. Wer würde sich beschweren, wenn 200 machetenbewaffnete Verbrecher auf der Plattform stehen? Und was ist eigentlich Shah Rukh Khans Verständnis von Schauspielerei, in Zeiten, wo er sich selbst als postmodern selbstreflexive Figur immer wieder neu inszeniert und wo jede Inszenierung seiner Person sich dieses Prozesses bewusst ist? Kann der Mann eigentlich überhaupt noch eine Charakterrolle spielen oder re-inszeniert er immer nur weitere Schnipsel seiner bisherigen Filmfiguren in bunt zusammengewürfelten Pastiches? Fragen, die bleiben, wenn man den Film schon längst wieder vergessen hat...

***

Dienstag, 13. August 2013

Man of Tai Chi (Keanu Reeves, USA / China / Hongkong 2013)


MAN OF TAI CHI ist ein Martial-Arts-Genrefilm, der auf einer sehr simplen Storyline aufbaut (anscheinend wurde tatsächlich vier Jahre am Drehbuch gearbeitet, was dann doch eher verwunderlich ist) und der einigen Kritikern als stümperhaftes Machwerk aufstößt. Nun, man könnte den Plot auch als bare to the bone (oder einfach: klassisch) bezeichnen, was sich dann schon besser anhört. Und Reeves' Bemühungen, mit seinem ehemaligen Stuntman und Kampfkunstlehrer aus MATRIX-Zeiten einen Film zu drehen, der hier die Hauptfigur und den Tai Chi-Eleven namens Chen Linhu / Tiger Chen spielt, als eine bemerkenswert persönliche Entscheidung begrüßen. Mit an Bord ist auch der legendäre Yuen Woo-ping als Garant für Kampfkunstchoreographie, sowie Kameramann Elliot Davis (TWILIGHT, DOGTOWN BOYS, OUT OF SIGHT), der sowohl das ländliche China jenseits der Großstädte derart einzufangen weiß, als ob man sich in einem klassischen Kung Fu-Film befände, als auch die lackierten Oberflächenfassaden eines aseptischen Wolkenkratzers in Hong Kong, und dabei einen durchdesignten, staubfreien, japanischen (!) Minimalismus zelebrierend, der für Modernität und Internationalität stehen soll. Und für viel Geld.

Denn darum geht es im Film. Tiger Chen rackert sich in Peking ab: in seinem Job als Paketbote. Und als letzter verbliebener Schüler einer aussterbenden Disziplin des Tai Chi, ist er so etwas wie ein spiritueller Sohn seines alten, weisen Meisters (Yu Hai). Als die befrackten Schergen der Baumafia den 600 Jahre alten Tempel seiner Schule abreissen wollen, da fühlt sich Tiger in die Pflicht genommen und kann das Angebot des mysteriösen Geschäftsmanns mit dem dubiosen Namen Donaka Mark nicht ablehnen, für ihn zu kämpfen. Zu spät bemerkt er, mit wem er sich eingelassen hat: mit einem skrupellosen Unternehmer, der für eine wohlhabende und dekadente Geldelite Kämpfe organisiert, und diese Schaukämpfe - zunächst ohne Wissen der Fighter - per Internet weltweit zugänglich macht. Der Höhepunkt soll dann freilich ein Kampf auf Leben und Tod sein (inszeniert auf einer Bühne wie eine Revuenummer in einem Theater), der Tiger Chens moralischen Konflikt auf die Spitze treibt.

Für Tiger Chen geht es schließlich um die moral-ethische und persönliche Entscheidung, eine eher passive Kunst der Bewegungslehre, eine spezielle Form des Taijiquan als eine aggressive Form der Kampfkunst zu "missbrauchen" - so gibt es mehrere gewichtige Gespräche mit dem Lehrer zu diesem Problem, der ihm freilich rät, integer zu bleiben. Für Donaka Mark geht es hingegen nur zweitrangig um Geld, denn dieser Mann besitzt so viel davon, dass er mehr als ausgesorgt hat. Es gehe ihm darum, eine derart starke Persönlichkeit wie Tiger Chen dorthin zu treiben, dass er "seine Unschuld" verliere. Dazu schaut er dann unerbittlich drein mit dem typisch versteinerten Keanu Reeves-Gesicht und knurrt ein wenig. Das alles ist nun nicht weiter bemerkenswert, wäre der Film nicht sehr professionell und mit Elan gemacht, mit der richtigen Balance, und dann doch nicht zu sehr auf die Pauke hauend. Das liegt vor allem an den Schauspielern, allen voran Tiger Chen selbst, der neben seinen kämpferischen Fähigkeiten auch ein ordentlicher Mime ist. Oder an Simon Yam, der eine kleine Rolle hat. Oder an der tollen Karen Mok, die als souveräne Polizistin auftritt. An den vielen kleinen Momenten, wo man das Amerikanische ganz vergisst, und in denen der Film näher an Herman Yaus IP MAN: FINAL ist, als an irgendwelchen US-Kampffilm-Standards. Das sieht man an Kuss-Szenen, an der Art wie Dialoge inszeniert sind, oder wie die häuslichen Verhältnisse abgebildet werden. An der Art, wie Stadt (generell) ins Bild gesetzt wird, gar nicht mit einem wie häufig leider üblichen, skandalisierenden westlichen Blick für die Ärgernisse des asiatischen Molochs. Für solche Bilder interessiert sich der Film zum Glück überhaupt nicht, es scheint Normalität für ihn zu sein.

So addieren sich Kleinigkeiten zu einem Gesamtbild, dass meiner Meinung nach doch sehr positiv ausfällt. Auch wenn der Anti-Held am Ende auf der Flucht groteskerweise von Hong Kong nach China hinüberschwimmt! Nichts Neues erfindet MAN OF TAI CHI (zum Glück, das muss ja nicht jeder Film wollen), aber er updated einen Genremechanismus, der für einmal nicht ins ironische Tarantino-Zitat gewendet wird. MAN OF TAI CHI ist ein ernst zu nehmender Film eines vom Asiatischen begeisterten Amerikaners. Und dafür, dass man es mit einem amerikanischen asiatischen Film zu tun hat, fühlt er sich erstaunlich asiatisch an.

***

Sonntag, 11. August 2013

Drug War / Du zhan (Johnnie To, China/Hongkong 2012)


Viel Aufhebens wird gemacht um Johnnie Tos "erste" Mainland-Action-Produktion (obwohl der Film durchaus HK-co-produziert ist und auch teilweise in Hong Kong selbst spielt, die zweite Hauptfigur Honk Kong-Superstar Louis Koo ist und To die Romcom DON'T GO BREAKING MY HEART (2011) ebenfalls schon in China drehte) - und damit soll einerseits darauf abgehoben werden, dass das Filmemachen in Hong Kong (wieder mal) in einer Krise stecke, und andererseits der chinesische (Absatz-) Markt, alles dominierend, die habgierigen Krallen ausstreckt. Und in gewisser Weise sind die Befürchtungen auch berechtigt, denn was wird aus dem "unabhängigen" Filmland Hong Kong, wenn sogar schon Johnnie To, eine Ikone der Stadt, seine Filme nach den zensurkonformen Mainlandbedingungen ausrichtet! Aber man darf sich beruhigen: DRUG WAR ist ein echtes Johnnie To-Brett geworden.

DRUG WAR wird dominiert von formalen Strukturen, die über zwei Knotenpunkte die Entwicklung des Films steuern. Aber neben all den Charaden und Rochaden, den verdeckten Ermittlungen, dem double play, löst sich alles in Bewegung auf, in Verfolgungsszenen und Schießereien. Und anders als in den Hong Kong-Filmen öffnet sich nun meist das Szenario, die Befreiung ist vor allem erstmal eine räumliche - wo nun von Stadt zu Stadt gehetzt wird, über breite Autobahnen und endlose Industriebrachen hinweg, die sich am Horizont verlieren oder im Dunste Mainland Chinas. Die enge Gedrängtheit der Gassen der Metropole Hong Kongs mit seinen sich auftürmenden Kolossen von Hochhäusern aus Stahl und Beton weicht einer offeneren Landschaft, die vor allem aber als Niemandsland inszeniert eine bedrückende Verlorenheit auszudrücken scheint. Die Melancholie Mong Koks wird ersetzt durch eine Melancholie der Ortlosigkeit. Da ist es dann der Überwachungswagen der Polizeieinheit, der in seiner stets nachtdunklen Abgeschottetheit wie in einer Erinnerung die Atmosphäre und den Geruch Hong Kongs ins weite Mainland exportiert. In ein Land, von dem neben dem Staub und der sich verlierenden Weite vor allem die Überwachungskameras gezeigt werden, die an jeder Straßenkreuzung installiert sind, und die dann nicht unwesentlich zur Aufklärung des Falls beitragen. 

Die Übermacht der totalen Überwachung ist indes nicht nur dem totalitären Regime probates Mittel zur Reglementierung und Gängelung seines Volkes, der Film macht Glauben, dass hier freilich jeder ständig vernetzt ist mit dem Smartphone, mit GPS-Trackern und Mikrophonen, die jede Bewegung aufzeichnen und jedes Geräusch direkt in die Datenbank zur Analyse der Experten jagen. Wie die Koffer mit eingeschweißtem Geld und die geschmuggelten Tonnen an Drogen die Empfänger wechseln, so findet auch auf den digitalen Informationskanälen ein ständiger Austausch statt. So rasend, dass man manchesmal den Überblick verliert. Aber letztlich geht es in dem Film, zumindest auf Plotebene darum, wie aus einem aufgegriffenen Drogendealer aus Hong Kong (Louis Koo), dem in Mainland China die Todesstrafe droht, eine Ratte wird, der, um den eigenen Hals zu retten, den Drogenring auffliegen lässt; und wie andererseits vice versa ein stiller Mainland-Cop (Sun Honglei) diese Operation leitend, zum Undercover-Cop wird, die Rolle eines Drogenhändlers spielt, um diese Bande auszuheben. Eine humorvoll, beinah schon komödiantische Nebenerzählung um zwei schon seit mehr als zehn Stunden umherirrende Lastwagenfahrer, die eine brisante Fracht des Drogenkartells transportieren, bildet im Übrigen einen erlösenden Ausgleich zum ansonsten sehr ernst ausgefallenen Haupterzählstrang. Das Finale findet dann auf einer nichtssagenden Allee statt, morgens bei Schulbeginn, in trübem Tageslicht. Das ist ein anderer To, den wir hier sehen, keine Frage, aber auf jeden Fall ein spannender.

***

Freitag, 9. August 2013

New Type: Tada ai no tame ni (Ryuichi Hiroki, Japan 2008)



Eine junge Frau mit Augenklappe, die einen eintönigen Alltag in einem kleinen Nest an der Küste Japans herumzubringen hat, wird eines Abends von einem fremden Mann mit schwarzem Mantel und Hut im eigenen Haus überfallen. Doch der Mann sucht lediglich Schutz, ist am Bein verwundet. Sie kümmert sich dann um den Verletzten, und bald stellt sich heraus, dass der Mann ein recht attraktiver Zeitgenosse ist und dazu noch über eine Superkraft verfügt: er kann Energie abschießen und Dinge zum Explodieren bringen. Da zeigt sich, dass die Protagonistin ebenfalls über eine solche geheime Kraft verfügt: sie kann die Zeit zurückdrehen und den Ereignissen eine andere Richtung geben. Dies hat sie bereits einmal getan um den geliebten Freund nach einem tödlichen Unfall zu retten. Nun aber hat sie ihn getroffen, der zu ihrer Augenbinde komplementär eine ebensolche an seinem Bein trägt. Doch dieser unbekannte Mann wird von merkwürdigen Gangstern verfolgt...

Was sich irre anhört, entfaltet sich erst langsam im Film. Hirokis NEW TYPE: JUST FOR YOUR LOVE beginnt nämlich zunächst wie ein stilles (Jugend-) Drama, das im Alltag der Protagonisten das Besondere findet. Es ist beinahe nüchtern, unkünstlerisch gedreht, und hat gerade dadurch eine sehr einnehmende Stimmung, die einem die Figuren nahe bringt. Dass der Film nun ein camouflierter Superheldenfilm ist, ändert den Ton überraschenderweise überhaupt nicht. Es ist einfach zu akzeptieren, dass das nun so ist, und der Film macht kein Aufhebens davon. Das ist zunächst verstörend und dann aber doch sehr schnell sehr toll, da man doch vom Getöse ähnlich gelagerten Rabaukenkinos aus den USA sehr weit entfernt ist (und bei dem dann alles immer schnell sehr laut, explosiv und gewalttätig wird). Bei Hiroki wird die Form des Alltagsdramas nicht verlassen und gerade deswegen ist das so faszinierend. 

Die eine oder andere dramaturgische Länge verhindert dann im zweiten Teil leider die völlige Begeisterung, obwohl eigentlich sehr viel passiert. Es kommt eine neue Figur hinzu, die Ereignisse der Vergangenheit klären sich, und die Brisanz des Konflikts mit den Verfolgern nimmt stetig zu. Aber das Mysteriöse verlässt eben auch zunehmend den Film. Die Erklärungen und Aufdeckungen stehen im Fokus der Erzählung, das Offene verliert sich. Dadurch rundet sich der Film, keine Frage, die Ereignisse stehen aber nun im Dienste einer Logik, die man hier vielleicht gar nicht so sehr schätzt. Wie üblich bei diesen Dramen gibt es auch einige Fahrten mit dem Fahrrad und einsame Momente am Strand. Dazu schöne Indie-Musik. Na ja, der Film muss auch eine Zielgruppe ansprechen. Empfehlen kann man ihn dennoch, keine Frage. Und in Aya Omasa, die hier die Yuri spielt, kann man sich verlieben. Sie spielt schon sehr toll.

***

Sonntag, 4. August 2013

Somewhere I have never Travelled (Fu Tian-yu, Taiwan 2009)


Ein sensibles Arthouse-Drama, das den hauptsächlich emotionalen Entwicklungen seiner beiden Hauptfiguren (eines High-School-Jungen und seiner Nichte) folgt. Zum Konflikt kommt es dann nach einem Zeitsprung von fünf Jahren, als ein japanischer Weltenbummler und Photograph in die kleine Hafenstadt im Süden Taiwans kommt - und sich der Protagonist in ihn verliebt. Das Mädchen fühlt sich nicht nur zurückgesetzt, sondern es wird ihr auch da erst richtig bewusst, wie tief ihre Liebe zu ihm ist. Da sie aber nicht mehr an ihn rankommt, wird sie erstmal zickig und unnahbar. 

Der Film selbst, der erst im Nachhinein zu einem Gay-Drama ausschert, ist jedoch alles andere als transgressiv. Und reist ganz sicher nicht an unbekannte Orte, wie der Titel verspricht. Und obwohl vieles für die Protagonisten ein Aufbruch bedeutet, von der Adoleszenz hin zum Erwachsenwerden, so spult der Film doch wie in einem Setzkastenmodell das Arthouse - Einmaleins ab, das man von ihm vielleicht nicht unbedingt erwartet, aber dennoch befürchtet. Erstaunlich unoriginell ist das alles, und lediglich die Photographie kann einigermaßen überzeugen, die sich zwar nicht überforciert den schönen Bildern widmet, aber doch sehr Filmstill-kompatibel ist. Am übelsten ist mir die gezuckerte Klavier-Klimpermusik aufgestoßen (von der es tatsächlich eine Soundtrack-Veröffentlichung gibt), die wirklich viel zu häufig und penetrant eingesetzt wird. Dieser Film ist nicht gut, aber meiner kleinen Nachbarin würde ich ihn schon empfehlen. Könnte was für sie sein. Für meine cineastischen Hardcore-Zyniker, denen jede Normerfüllung ein Gräuel ist, ist der Film sicherlich pures Gift. Ich selbst finde ihn nicht ganz so schlimm, gibt es doch wenigstens ein paar schöne Bilder von Taiwan zu sehen, Bilder des Alltags, gedreht an Nebenschauplätzen, abseits der touristischen Attraktionen. Ein Film wie ein warmes Sommerlüftchen, und genauso flüchtig.








***