DVD BluRay

Freitag, 14. November 2014

Killers (Kimo Stamboel & Timo Tjahjanto aka. The Mo Brothers, Indonesien/Japan 2013)


Zwei Killer lernen sich im Internet kennen: der eine aus Tokio, der andere aus Jakarta, Lehrer und Schüler, Psychopath versus Restverstand. Während der ehemalige Investmentbanker Shuhei Nomura (Kazuki Kitamura) sein Leben ganz aufs Töten ausgerichtet hat und sein Gemüt dazu in seiner grauen, aus Betonplatten bestehenden Wohnung herunterkühlt, ist sein indonesischer Kollege Bayu Aditya (Oka Antara) ein Journalist, der dem kriminellen Don eines Kartells auf der Spur ist. Seine Methoden des investigativen Journalismus werden jedoch immer rüder und kompromissloser, bis er schließlich selbst körperliche Gewalt anwenden muss, um wieder aus dem Schlamassel heraus zu kommen, in den er sich hineinmanövriert hat. Doch da hat er sprichwörtlich Blut geleckt.

Die Mo Brothers haben einen harten, stylischen Film abgeliefert, der jedoch in seiner Anlage ungut vollgestopft ist mit einer Fülle von Themen und somit stark überkonstruiert ist. Da kann auch die gelungene Tonspur nicht drüber hinwegtäuschen, die öfters mal noisig so richtig aufrauscht, dass es eine Freude ist. Ansonsten regelmäßig prätentiös: viel Bach und Vivaldi, manchmal auch durch den Verzerrer gejagt...


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Montag, 10. November 2014

Songlap (Effendee Mazlan & Fariza Azlina Isahak, Malaysia 2012)


Im Schatten der Hochhaustürme von Kuala Lumpur spielen sich Dinge ab, von denen normalsterbliche Touristen keine Ahnung haben. Zwei Jugendliche, beste Freunde, streunen durch die Straßen, mit geborgtem Geld, das aus kriminellen Quellen kommt, albern herum, nehmen Drogen, schlafen ein in einer Bauruine. Am nächsten Morgen ist einer der beiden tot: Überdosis Heroin. Die beiden Brüder Ad (Syafie Naswip) und Am (Shaheizy Sam) stehen im Mittelpunkt der Geschichte von Songlap: sie haben sich an ein Kartell verdungen, das mit Menschenhandel großes Geld verdient. Einerseits werden Babys an reiche Bildungsbürger verschachert, die keine Kinder bekommen können, andererseits werden die Mütter, die diese ungewollten Kinder loswerden wollen und die sich unter dem Deckmantel einer gemeinnützigen Organisation in deren Obhut begeben, nach der Geburt an andere Menschenhändler aus Thailand weiterverkauft, oder auch direkt an einen örtlichen Bordellbesitzer. Der Plot bekommt dann seinen inneren Konflikt dadurch, dass auf einmal die Schwester des obigen besten Freundes von Am in dieser Welt auftaucht. Auch sie will ihr noch ungeborenes Kind loswerden. Doch Ams schlechtes Gewissen regt sich, und außerdem ist das Mädchen mit ihren Rehaugen nicht nur beschützenswert, sondern auch noch sehr attraktiv. Am lehnt sich gegen das Kartell auf und zieht seinen Bruder Ad mit in einen Strudel aus Gewalt hinein.

Songlap ist ein typischer mixed bag: zum einen macht der Film sehr vieles richtig, etwa die Bilder sind oft großartig, er ist häufig enorm spannend (sprichwörtlich edge of the seat), auf der anderen Seite haben wir es mit einer unguten Überfrachtung an sozialen und gesellschaftskritischen Themen zu tun, die auch noch durch die prekäre Familiengeschichte an Volumen gewinnt. Diese steht auch erstmal im Zentrum des Films, wenn die Welt der zumeist noch jugendlichen Gangster installiert ist: der absente Vater, der Streit der Brüder, die Mutter eine Prostituierte, die ihre Kinder nicht mehr erkennt (Am, der sie beim Herumstreunen zufällig entdeckt, geht irgendwann ständig zu ihr und bezahlt sie dafür, dass er mit ihr reden kann - sie erkennt ihn nicht, er spricht mit ihr, ohne seine Identität zu enthüllen), und auch die Frage, wer der Vater des Kindes von Rehauge ist, zieht natürlich alle Register der allzu erwartbaren familiären, häuslichen Gewalt. Da droht der Film mehrfach in Elendskitsch abzugleiten. Auf der anderen Seite werden diese Aspekte immer durch die Glaubwürdigkeit der wirklich tollen Schauspieler aufgefangen und, ja, auch aufgehoben. Man ist sich ihrer bewusst, ohne dass sie den Filmgenuss völlig verderben könnten. Zumal man ja sowieso immer auf der guten Seite steht, mit dem erwachenden Gewissen Ams.

Songlap ist durch und durch ein Genrefilm und ein Bandenfilm. Mit der Kamera bleibt man stets beim Brüderpaar, dicht an den Figuren, auch an den anderen Gangstern, die hier von herumstreunenden Jugendlichen verkörpert werden. Für die Opfer interessiert er sich nicht. Da ist nichts overstyled, keine coolness, kein larger than life in ästhetischer Hinsicht. T-Shirt und Badeschlappen. Der Film ist naturalistisch und gritty, die Überformungen, die man von koreanischen oder japanischen Produktionen ähnlicher Provenienz her kennt, greifen hier nicht. Viel eher fühlt man sich an das philippinische Kino erinnert, an Serbis von Brillante Mendoza oder vielleicht Kubrador von Jeffrey Jeturian, an Filme aus Südostasien, die um das Authentische ringen. Songlap ist ein Film also, der nicht wirklich geglückt ist, aber dennoch highly watchable bleibt, nicht ins Melodramatische abrutscht und dessen cheesyness erträglich bleibt, weil sie nicht ästhetisch ausgestellt wird, sondern motivisch inhärent ist. Eine Entschlackung des Drehbuchs hätte Songlap aber gut getan.

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Freitag, 7. November 2014

Bullets over Petaling Street (Ho Shih Phin & Sampson Yuen, Malaysia 2014)


Die Kamera senkt sich langsam herab, der establishing shot über einer Villa mit Pool. Luxus, wohin man schaut. Ein Beau in weißem Anzug steigt ins Wasser, und eine Nixe lächelt ihm verführerisch zu. Ein Versprechen auf Sex ist es, wenn sie dann vor ihm hinabtaucht, und sein Grinsen wird breiter. Doch anstatt die Hose zu öffnen, zückt sie einen Revolver und feuert unter Wasser mit eiskalter Entschlossenheit. Schnitt nach dem Overacting. Dankeschön, cut, die Szene ist im Kasten. Was der Zuschauer gesehen hat, war die subjektive Perspektive einer Filmkamera an einem Filmset im Film. Aber eigentlich geht es nicht um Meta-Spielchen, sondern um die Dame selbst: Debbie Goh als Angel / Yu Ping An, die hier die Hauptrolle in einem Erotikkrimi spielt. Ihr Mann ist der Produzent dieses Films, ein rücksichtsloser Godfather von der Petaling Street in Kuala Lumpur (das Chinatown dieser Metropole). Laute Worte, große Gesten, ein Aufschneider im Seidenflanell.

Worum es dann wiederum eigentlich geht: auf ihn wird ein Anschlag verübt, und schwer verwundet und mit blutendem Kratzer am Arm flüchtet er mit allem Geld seiner Triadenbande auf eine Insel (im Handgepäck ebenso: die aktuelle Affäre). Angel stinkt das gewaltig, zumal nun die Finanzierung des Films gefährdet ist. Doch ihr Mann hinterlässt auch ein Machtvakuum. Und es kommt, wie es in solch einer Komödie kommen muss: die Frau muss ran. Erst wird Gangster gespielt, dann muss sie echter Gangster sein. Von der Inszenierung des Lebens zur gelebten Inszenierung, da sie sich erst in die Rolle finden muss. Und sie macht ihre Sache gut im Machtkampf auf eben jener Petaling Street, wo sich die vier größten Triaden bekämpfen, wo einer Bruder Lionhead heißt und ein anderer Bruder Leopard, ein weiterer Kontrahent Bruder Einauge oder so. Und die sympathische Angel sieht nicht nur blendend aus, schnell findet sie die Schwächen ihrer meist recht debilen Gegner heraus und kann mit Intellekt, den albernen Sidekicks und ihren langen Beinen punkten.

Bullets over Petaling Street ist dabei nicht gerade eine cineastische Meisterleistung. Das geringe Budget wird nicht immer unbedingt durch Leidenschaft und Könnerschaft aufgewogen, da fehlt es dem Film an allen Ecken und Enden. Auch die Stilmittel der hysterischen Groteske und der hemmungslosen Blödelei werden sowohl überstrapaziert als auch allzu genrekonform eingesetzt. Wahnwitz macht sich leider niemals breit, und so ist dieser Film vielleicht gut gemeint, aber letztlich doch sehr doof, eigentlich. Es fehlt ihm der Mut. Man stelle sich eine strunzdumme Wong Jing-Komödie aus Hongkong vor, nur ohne Geld. Dann bekommt man Bullets over Petaling Street. Ein wenig schade ist das schon, vor allem weil Debbie Goh tatsächlich ihre Sache - als beinah einzige des Ensembles - gar nicht so schlecht macht. Sie ist übrigens eigentlich von berufswegen Model und war 1999 Miss Malaysia. Sampson Yuen, einer der beiden Regisseure, ist von Haus aus TV-Produzent, und dieser Ho Shih Phin ist bisher auch nicht weiter irgendwie aufgefallen. Der Film ist ihre erste Regieleistung. Nun ja, da ist noch Luft nach oben.

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