DVD BluRay

Mittwoch, 27. April 2016

Two Countries (Shafi, Indien 2015)

 
"A marriage is the most important business deal in a man's life!"

Vor allem dann ist die Aussage wahr, wenn man nicht viel Knete hat. Und zum Beispiel gerade seine illegale Import-Export-Firma ruiniert hat. Da kommt dem Helden Ullas (Dileep), einem sympathischen Schwindler, die Hochzeit im Hause des Kredithais gerade recht: denn dort ist auch dessen Tochter anwesend, auf die er es abgesehen hat. Diese dürfte über eine gewaltige Mitgift verfügen, was die Probleme des Anti-Helden schlagartig lösen dürfte. Ullas wähnt sich seiner Sache sicher, denn sie sitzt im Rollstuhl und die Anzahl ihrer Verehrer ist bedauerlicherweise gering. Er wirft ihr zuckersüße Blicke zu, hinweg über Gesang & Tanz, und tatsächlich, sie scheint von seinem Charme sehr angetan. Sogar der Vater, ein knallharter Geschäftemacher mit dem Ruf eines brutalen Psychopathen und mit einem beeindruckenden Schnauzer ausgestattet, kann sich ein Lächeln nicht verkneifen. Das Geld, das er Ullas geliehen hat, hätte er aber trotzdem gerne wieder. Kurz darauf kommt Ullas aber eine bessere Partie wie vor die Füße gefallen: seine ehemalige Jugendfreundin Laya (Mamta Mohandas) ist zurück, die dann in Kanada aufgewachsen ist, wodurch sie sich aus den Augen verloren haben. Auch deren Eltern verfügen über ein großes Vermögen. Sie hat ihn schon kurz darauf wieder verzaubert und er setzt alles daran, nach Kanada zu kommen, um im fremden Land sein Glück zu machen. Was er nicht weiß, weil er, trunken vor Liebe, nicht richtig hingehört hat: seine Angebetete ist Alkoholikerin und ihr Erbe eingefroren.

Wenn man sich auskennt im südindischen Film, dann kennt man die beiden Hauptdarsteller. Sie sind Superstars des Malayalam Films, oder vielleicht sagt man auch Malayalali Film. Man finde mal einen brauchbaren deutschen Text zu dieser National-, bzw. Regionalkinematographie, das wäre allein schon gut, um mal die Begriffe zu klären. Jedenfalls ist Schauspieler Dileep, der mit vollem Namen Gopalakrishnan Padmanabhan Pillai heisst, eine Institution in seiner Heimat. Er hat bisher in über 130 Filmen mitgespielt und ist noch keine 50 Jahre alt. Auch hat er jeden namhaften indischen Filmpreis gewonnen, den man sich vorstellen kann. Auch als Produzent ist er tätig und als comedian, man muss es gar nicht erwähnen: auch da ist er jeweils erfolgreich. 2 COUNTRIES ist nun eine kommerzielle Liebeskomödie, die auch aus ihrem culture-clash-Potenzial einiges an Sprachwitz und sanfter Gesellschaftskritik zieht. Am meisten gefreut hat mich, dass hier ein Tabu zwar mit leichter Hand inszeniert wurde (das Alkoholproblem Layas), aber generell die Rolle(n) der Frau(en) sehr stark gemacht wurden. Dabei sind die Männer in diesem Film nicht nur steifhüftige Volltrottel, deren eigentlicher Boss die Angetraute zu Hause ist, sondern im Film finden sich auch mehrere Dialogszenen, die ernsthaft für ein freieres, offeneres Gesellschaftsmodell plädieren, in der die Rechte der Frauen stark gemacht werden. Rechte, die nicht nur als selbstverständlich zu erreichendes Ziel etabliert werden, sondern auch als ein notwendiges. Denn mit den Männern steuert man todsicher auf den Abgrund zu.

Keine Frage, der Film bietet auch viel Slapstick und Sprachwitz, den man nicht unbedingt nochmals aufgewärmt gebraucht hätte. Auf der anderen Seite ist der Humor oft originell, von einer befreienden Albernheit, und durchaus mit viel Liebe zum Detail inszeniert und herausgearbeitet worden, sodass der Film leichtfüßig dahinfliegt und sehr gut zu unterhalten weiß. Wenn es dann mal aus den Ohren herausdampft, weil Dileep innerlich kocht, dann kann man das durchaus verzeihen (oder auch okay finden). Ob der Film nun eine Sternstunde der Malayalam Komödie markiert oder einfach nur ein weiteres Lustspiel unter vielen vergleichbaren ist, das kann ich mit meinem beschränkten Horizont nicht beurteilen. Dafür kenne ich mich schlicht zu wenig aus. Er ist jedenfalls nicht so ruppig wie viele Vertreter des tamilischen Kinos, die ich bisher gesehen habe - das waren allerdings auch eher Vertreter der "Neuen Welle" und weniger Klopper des Mainstream-Kinos. Am Ende jedenfalls hat der Film noch etwas versöhnliche Moral auf der Pfanne (die man so gar nicht unbedingt erwartet hätte), und ein, zwei spannende Twists zu bieten, die völlig plausibel sind und noch etwas Geschwindigkeit in die ohnehin euphorische Schlußsequenz pumpen. Da kommt alles sauber zusammen, die losen Fäden werden sortiert und am Ende zu einer runden Sache gefügt. Davon, auf diesem Level, gerne zukünftig mehr.

Michael Schleeh

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Freitag, 22. April 2016

Wakaranai: Where Are You? (Masahiro Kobayashi, Japan 2009)


Mit wackliger Handkamera gefilmt, ohne zusätzliches Licht, wodurch die Dunkelheit viele Details, teilweise sogar ganze Bilder zu verschlucken droht, alles ohne Musik: Masahiro Kobayashis WAKARANAI schaut nach einem waschechten Independent-Film aus. Und die Produktionsfirma namens 'Monkey Town Productions' spricht ebenfalls dafür, denn die hat offensichtlich alle Kobayashi-Filme produziert. Das dürfte folglich die eigene Produktionsfirma des Regisseurs sein. Es beginnt auch schon sehr ungewöhnlich, wie man das bei einem kommerziellen Film nicht erwarten würde: denn am Anfang des Films ist erstmal nichts. Ein Song ertönt, Gitarre und Gesang, gut fünf Minuten lang, dazu ein Schwarzbild. Dann erst beginnt der eigentliche Film mit einem Filmbild. Am Ende genauso merkwürdig: der Junge stolpert aus der Szene, eine endlose Straße entlang, so verlässt er das Filmbild, den ganzen Film. Das Ende ist ein Aufbruch ins Unbekannte. Die Kamera lässt ihn gehen, in eine ungewisse Zukunft hinein. Beinahe ein Kind noch, auf sich alleine gestellt, der nun Erwachsener spielen muss und emotional völlig fertig ist. Der einen Panzer um sich trägt und lange Zeit mit versteinerter Miene spielt. Wollte man einen europäischen Vergleich ziehen, dann könnte man an die Filme der Brüder Dardenne denken, die schon häufiger Jugendliche und Kinder in äußerst prekären Verhältnissen - mit ganz ähnlichen filmischen Mitteln - abgebildet haben.

Und die Spirale in den Abgrund scheint unaufhaltsam: nicht nur wächst Ryu Kawai (Yuto Kobayashi) ohne Vater auf, sondern auch seine Mutter ist seit mehreren Monaten wegen einer schweren Krankheit im Krankenhaus. Der Junge geht noch zur Schule und muss nicht nur sein eigenes Leben völlig selbständig organisieren und auf die Reihe bekommen, nein, er muss auch das Geld für die Behandlung seiner Mutter irgendwie auftreiben. Strom und Wasser hat er schon längst nicht mehr, da er die Rechnungen nicht bezahlen konnte. Im Convenient-Store, wo er aushilfsweise arbeitet, klaut er Reisbällchen, da er sich nicht mal das Essen guten Gewissens leisten kann. Und weil es immer noch schlimmer kommt, als es schon ist, wird er dabei ertappt und verliert auch noch den Job, das letzte Standbein. Kobayashi macht das dann auch ganz einfach, weil er seinen Protagonisten immer beim Essen zeigt. Also, was heißt da "essen": beim Hineinschaufeln, beim gierigen Schlingen, schlicht: beim Fressen, weil es bei der Nahrungsaufnahme ums Überleben geht. Und die Tragödie nimmt hier noch kein Ende, es wird dann sehr schlimm für ihn und rührend für den Zuschauer. Sentimental allerdings nie. Kobayashi lässt alles aus, was zu affektgeladen sein könnte. Ryu bleibt dem Zuschauer auch deswegen immer etwas fremd, auf Distanz, so ganz kommt man nicht an ihn ran und also traut man ihm auch alles zu. Da er immer mehr zum wilden Tier degeneriert, hätte es mich nicht gewundert, wenn er wie HWAYI, der koreanische Monster Boy (Review), auch mal unvermittelt richtig zubeisst.

Wie auch in Kobayashis Film HARUS REISE (Review), der bei uns wegen einer DVD-Veröffentlichung und einer Ausstrahlung beim Fernsehsender arte etwas Bekanntheit erlangt hat, so entfaltet sich hier in WAKARANAI die Geschichte sehr langsam. Es wird nichts erklärt, Personen werden nicht eingeführt, dem Betrachter werden keine Hilfestellungen an die Hand gegeben oder gar per Dialog unlautere Abkürzungen gewählt. Denn alles, was man nicht versteht, klärt sich im Laufe des Films. Man muss nur warten können, mitdenken, ein wenig sich auf den Film einlassen. Der belohnt es dann, weil er nichts vorgaukelt, nicht taktiert mit seinen Infos (eine echte Krankheit heutzutage), belässt den Zuschauer nicht absichtlich im Dunkeln um ihn dann per ausgeklügeltem "Mindfuck"-Twist zu überrumpeln. Das hat dieser viel zu sehr am alltäglichen Realismus entlang schrammende Film weder nötig, noch auf seiner ästhetischen Agenda. Er springt mitten hinein in die Erzählung (abgesehen vom musikalischen Prolog), beinah wie in einem Kurzfilm stellt er eine Unmittelbarkeit her, die eben gerade nicht durch einen Establishing shot die Dinge ins Verhältnis setzt. Nein, man ist dicht dran am Erlebnishorizont des Jungen, an seinen unübersichtlichen Problemen, an seinem Leiden, an seinem Panzer, mit dem er sich zu schützen versucht. Vor den Mitschülern, den Erwachsenen, der Gesellschaft, die das Zahlungsmittel Geld zum allein seligmachenden Kommunikationsmittel erhoben hat. Besitzt man es nicht, wird man zur persona non grata, zum Außenseiter. Man wird verstoßen aus dem Sozialverband  und zwingt das Opfer in eine parasitäre Notlage. Dort, an den Rändern, findet der Film oft seine schönsten Momente, so grotesk das klingen mag. Denn, wie er die Mutter im Boot aufs Meer hinausschiebt, das ist ein kleiner großer Moment in diesem viel zu wenig beachteten Film.

Michael Schleeh

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Samstag, 2. April 2016

Journey to the Shore (Kiyoshi Kurosawa, Japan 2015)


Für eine lange Zeit war Mizuki alleine, ganze drei Jahre. Ihr Mann war und blieb verschwunden. Ein Unfall auf dem Meer? Doch eine Leiche wurde nie gefunden. Dann setzt der Film ein, und wie damals in PULSE (2001) oder SÉANCE (2000) sind es die Schatten, in denen eine Grenze zwischen dem Jenseits und dem Diesseits überschritten werden kann. Eines morgens steht Yusuke (Tadanobu Asano) plötzlich im Raum, im Halbdunkel, ohne Bewegung. Er sei zurück gekommen, nun wieder da, auch für sie. Mizuki (Eri Fukatsu) ist freilich zunächst verunsichert, akzeptiert dann aber schnell, und mit immer größerer Freude, dass ihr Gatte nun als Geist zu ihr zurückgekehrt ist. So romantisch sich das anhört, so nüchtern ist es inszeniert. Mizuki beschwert sich dann auch erst einmal, dass er bitte seine Schuhe ausziehen soll, wenn er in der Wohnung ist. Ganz ohne Kitsch, völlig gedämpft und verhalten arrangiert Kurosawa in diesem neu entstandenen Gefüge ein Miteinander, das beide Protagonisten herbeisehnen, aber noch nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Mizuki ist noch die Forderndere der beiden. Sie will irgendwann Nähe, auch körperlich, und einige Dinge klären, die sich in der Zwischenzeit ergeben haben. Etwa die Affäre, die ihr Mann im Krankenhaus mit der Krankenschwester Tomoko (Yu Aoi) hatte. Kurz daruf machen sie sich auf eine Reise zu den Orten, an denen sich Yusuke während seiner Rückkehr aus dem Jenseits aufgehalten hatte. Es ist ein Prozess der langsamen Wieder-Annäherung. Und eine Reise ans Meer, dorthin, wo er gestorben ist.

JOURNEY TO THE SHORE ist ein sehr ruhiger Film geworden, einer, der auf der Oberfläche nur  den Alltag zeigt - aber darunter, im Diffusen, liegt das Geheimnis, das Mysteriöse. Und das macht ihn auch zugleich so spannend: die Figuren stecken in einer Situation, die eigentlich unmöglich ist. Die völlig fragil wirkt, weil man sich in ihr überhaupt nicht orientieren kann. So ist Mizuki auch mehrfach voller Panik in den Momenten, in denen sie befürchtet, dass Yusuke so einfach wieder verschwunden sein könnte, wie er gekommen ist. Und der Film spielt auch mehrmals mit dieser Möglichkeit, etwa wenn sie aus dem Schlaf hochschreckt und glaubt, alles sei nur geträumt und eingebildet gewesen. Oder wenn eines der Häuser, in denen sie sich für kurze Zeit aufgehalten hatten auf ihrer Reise, am nächsten Morgen verlassen und verfallen ist. Eine Ruine. Fragilität, Flüchtigkeit. Auch für sie als Mensch wird das Dasein zu einem Schwebezustand in einem Zwischenreich. Ihr altes Leben hat Mizuki verlassen ohne in einem neuen Lebenskontext wirklich anzukommen. Ihre Bemühungen dahingehend, genauere Auskunft von Yusuke zu bekommen, scheitern. Oder sich mit ihm ein neues Leben in einer fremden Stadt aufzubauen, dort, wo es ihr einmal so sehr gefällt. Yusuke lässt das nicht zu, als könne es keinen wirklichen Neustart geben. Oder etwas Verbindliches. Das Gefühl der Ungewissheit nimmt stetig zu, obwohl sich zugleich eigentlich eine Situation der Verlässlichkeit etabliert hat - zumindest, was die Präsenz von Yusuke und damit die Stabilität der zwischen-mensch-geistlichen Beziehung angeht. Und auch die Verzweiflung Mizukis ist verschwunden. Ihr sei alles egal, ob er Mensch oder Geist sei, sie wolle nur wieder mit ihm zusammen sein. Da nimmt sie es auch hin, wenn sie wieder aufbrechen zu einem weiteren Ort auf ihrer Reise. Und ganz im Gegensatz zu Mizuki, weiß der Zuschauer, wo es hingeht: ans Meer. Eben dorthin, wo Yusuke sein Leben verloren hat. Und klar ist auch, dass sich dort etwas entscheiden wird.

Um nochmal auf die Machart des Films zu kommen: wieder ist es kurosawatypisch die Reduktion als stilistisches Mittel, die am meisten auffällt. Passt hier natürlich wunderbar: um das Ungewöhnliche im Gewöhnlichen zu etablieren, zeigt man alles so, als sei es alltäglich. Da reicht dann das Krächzen einer Krähe, um eine Bedrohung aufzubauen. Oder, ganz besonders schön, die Bilder einfach ein klein wenig überzubelichten, sie ins Weiß hinübergleiten zu lassen, ähnlich wie bei einem lens flare. Das wirkt ganz großartig, und subtil zugleich. Oder ein andermal, an einem Wasserfall im Wald, da hängt eine Wolke aus Feuchtigkeit zwischen den Bäumen und über der Szene, die andeutet, dass sich hier gerade die verschiedenen Realitätsebenen überschneiden. Und so ist es dann auch: immer wieder trifft man in diesem Film auf weitere Geister, die wie ganz normale Menschen am Leben teilhaben. Oder doch nicht? Können sie überhaupt von allen gesehen werden? Verschwinden sie nicht manchmal einfach plötzlich wieder? Es wird nicht alles geklärt in diesem Film, einiges scheint offen zu bleiben. Zukünftige Filmbetrachtungen könnten sicherlich noch weitere Details ans Tageslicht befördern. JOURNEY TO THE SHORE ist trotz seines ersten Eindrucks der reduzierten Einfachheit ein komplexer, vielschichtiger Film geworden. Und mit dem großartigen CREEPY (Review) ein weiteres aktuelles Beispiel für Kiyoshi Kurosawas Meisterschaft.

Michael Schleeh

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Freitag, 1. April 2016

Galaxy Turnpike (Koki Mitani, Japan 2016)

 

Es ist erstaunlich, wie harsch mancherorts die Kritik diesem Film gegenüber ausfällt. Dabei ist er doch nichts weiter, als eine harmlose Komödie. Eben auch nicht mehr, aber woher die Verärgerung? Vermutlich liegt das an einem aufgestauten Unbehagen dem Kino Koki Mitanis gegenüber, der sich schon immer nicht gerade zurückgehalten hat, wenn es um grenzwertigen over-the-top-Humor ging. Den gibt es hier freilich auch, klar, aber doch nicht in einem Ausmaße, als dass es besonders bemerkenswert wäre. Jedenfalls nicht schlimmer, als der amerikanische Hang zum flotten One-Liner oder die Albernheiten aus Hong Kong. Intensitätsgrade wie die ironischen Zynismen eines DEADPOOL aber sind (nur als Beispiel) meilenweit, bzw. hier: Lichtjahre weit entfernt. Da hält der Film immer noch toll die Balance und schubst sich nur in wenigen, ins Extrem gesteigerten Szenen über den Rand des Ufos. Das macht ihn dann alles in allem doch ziemlich erträglich, sogar erfreulich bisweilen. Das liegt aber auch am großartigen Cast, der hier versammelt wurde. Allen voran: Haruka Ayase, die auch in Hirokazu Kore-edas UNSERE KLEINE SCHWESTER (Review) irre toll gespielt hat. Jedoch: die Komödie, so wissen wir und wurde stets gelehrt, ist das schwierigste aller Filmgenres.

Im Jahr 2256 geht es dem intergalaktischen Diner 'Sandsand Burger 33' nicht besonders gut. Der neue angelegte Highway 246666, der die Erde mit einer Kolonie zwischen Jupiter und Saturn mit Hochgeschwindigkeit verbindet, hat dazu geführt, dass an dieser Ausfahrt kaum mehr einer hält. Sie stehen kurz vor dem Bankrott, und Geschäftsführer Noa (Shingo Katori) hat schon seine Rücktrittspapiere bei irgendeiner intergalaktischen Behörde eingereicht. Wenig freut sich darüber seine Gattin Noe (Haruka Ayase), die so wie sonst keine die leckeren Burger isst - und den Traum ihres Mannes nicht leichtfertig aufgeben will. Was immer das genau heißen soll: einen Plan hat sie auch erstmal noch nicht. 

Im Verlauf des Films spulen sich die Ereignisse nach dem immer gleichen Muster ab: ein neuer Kunde kommt herein und mischt den Betrieb auf. Allesamt sind es space aliens, die ganz verschiedene Eigenschaften und Features aufweisen. Was die dann immer genau sind, das gehört mit zur Entdeckungsfreude des Films, der wie eine Wunderkiste stets etwas neues Erstaunliches aus dem Hut zaubert. Dieser Hang zum Überraschenden, der auch gerne mal etwas drastischer ausfällt (da man sich ja fortwährend übertrumpfen muss), kann dann doch ziemlich auf die Nerven gehen. Oder ganz toll sein, so wie der florale Kopfschmuck von Noas Ex-Freundin Yuka. Das mit langer Zunge urplötzliche durchs Gesichtschlecken ihres Mannes ist dann weniger appetitlich, richtig eklig wird aber erst die Szene, in der er sich - wie jeden Monat - auf dem Fußboden häuten muss. Die Episode mit der Prostituierten aus dem All geht dann auch anders aus, als sich der Kunde das vorstellt. Nur soviel dazu.

Derlei Spektakel reihen sich in GALAXY TURNPIKE aneinander, und es ist wäre wohl ungehörig, diese hier weiter auszuführen. Das Entdecken dieser japanischen Verrücktheiten (ob alle Witzchen international zünden würden?), der Überraschungseffekt, macht einen großen Teil des Spaßes am Film aus, und die Details sollen also nicht weiter gespoilert werden. Wie in einer klassischen Komödie jedenfalls werden diese Ereignisse nicht entwickelt. Hier baut kaum etwas aufeinander auf, das Drehbuch ist doch recht uninspiriert, was das große Ganze angeht: den Film als Narration. Ermüdend wird es dann auch mit der Zeit, immer neue und weitere Szenen und Kuriositäten durchstehen zu müssen, in denen wieder etwas Skurriles geschieht. Vom Drehbuch her gedacht bleibt vieles singulär und damit: additiv und auf lange Sicht willkürlich. Der Aspekt der Screwball-Komödie, der dem Film innewohnt, wird nach und nach zu Comic-Sketch-Niveau herunter gedummt, das man derart auch in einer Late-Night-Show im Fernsehen würde sehen können. Das ist bedauerlich, steht jedoch auch exemplarisch für eine Herangehensweise ans Filmemachen, die dem Zuschauer im Kino gestattet, zwischendurch mal seinen Newsstream am Mobiltelefon zu checken, ohne gleich aus der Geschichte zu fliegen. Schade, dass der Film dann doch so belanglos geworden ist.

Michael Schleeh

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