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Es werden Posts vom 2018 angezeigt.

Man of Pa'aling (E. del Mundo, Philippinen 2017)

In langsamen, kontemplativen Bildern erzählt die junge philippinische Regisseurin E. del Mundo eine Geschichte über das Altern, über einen Fischer vor der Küste, der mit seinem Leben nicht mehr zufrieden scheint. Gesprochen wird wenig, und die schwarz-weißen Bilder des Filmes erzählen ihre Geschichte von selbst, aus sich heraus. Der wortkarge Mann, der wie ein Protagonist aus einem Film von Lav Diaz wirkt, geht seiner Wege, ohne sich um einen Zuschauer zu kümmern. Der Film ist nicht auf Vermittlung eines Plots aus, sondern auf einen Moment in der Zeit. 
 Entsprechend sind die Szenen des Films montiert: nicht kontinuierlich entlang eines Zeitstrahls, sondern nach einem assoziativen Prinzip. Immer wieder etwa kehrt der Film in die Perspektive des Tauchers zurück, der hinab zum Riff abtaucht um dort die Netze zu kontrollieren, sie einzuholen. Wunderschöne Einstellungen, wie die Männer mit primitivster Ausrüstung wie schwarze Schatten über die HD-Oberfläche der Unterwasserwelt gleiten, …

Ein Mann ist nicht zu fassen: MAIN AUR CHARLES von Prawaal Raman (Indien, 2015)

"Charles is an intellectual, he is the reincarnation of Buddha!"

 In diesem indischen Caper-Movie ist nicht nur der Protagonist Charles (Randeep Hooda) nicht zu fassen, sondern der Film als solches ebensowenig. Die weithin als Biopic angekündigte Gangsterballade ist die Idealisierung eines Verbrechers, der mit seinem Charme vor allem die Damenwelt betören konnte, um sie anschließend auszunehmen. Dabei hat er auch keinerlei Hemmungen, wenn Blut fließt oder es zu schwereren Kollateralschäden kommt.
 Der Film, der als 80er-Hommage angelegt ist, dabei aber ständig den Geist der 70er atmet, etwa in Klamotten, Lebenseinstellung und Musik, ist ein schwer erträglicher Mischmasch aus Dingen, die Spaß machen sollen, und dabei nur nerven. Denn eine eigentliche Geschichte erzählt er nicht. Was nicht schlimm wäre, würde man sich in interessanten visuellen Bildwelten verlieren können, etwa beim permanenten Drogen- und Alkoholkonsum der Darsteller, oder dem ständig verfügbaren Geschlechtsv…

Ritt durch die Hölle: SHAITAN von Bejoy Nambiar (Indien 2011)

Ein Hindi-crime-Film, produziert von Anurag Kashyap und mit Kalki Koechlin, noch sehr jung, in der Hauptrolle. Einmal hat sie eine gelbe Mütze auf, was dann wie ein Komplementärbild zu Kashyaps selbst gedrehtem GIRL WITH THE YELLOW BOOTS wirkt. Hier hat er nur produziert, der wilde Mann des Hindi-Kinos, und das Projekt dem damaligen Neuling Nambiar anvertraut. Der Film wirkt dann auch bei weitem nicht so souverän inszeniert wie der geistesverwandt ruppige RAMAN RAGHAV, so ein Niveau darf man nicht erwarten - aber SHAITAN ist dennoch ein ziemlich wahnsinniger Ritt durch die nächtliche Hölle. Unrund, wild, anarchisch, extravagant und oft einfach nachgemacht. Nambiar hat mittlerweile eine ganze Handvoll Filme realisiert, am bekanntesten sicherlich der von 2016, WAZIR mit Amitabh Bachchan, der mir leider nicht sonderlich gefallen hat.
 Die junge Amy/Amrita (Kalki Koechlin) schließt sich einer Gruppe hedonistischer Vergnügungssüchtiger an und feiert die Nächte durch. Drogen, Alkohol, Dis…

Eine Geschichte von Kunst und Tod: Tharai Thappatai (Bala, Indien 2016)

Bala gilt als einer der großen Erneuerer des indischen Kinos. Genauer: des Südindischen, als Vertreter der Tamilischen Neuen Welle. Er macht mit wenig Geld wütende Filme, die mit eingefahrenen Konventionen brechen und die sich nicht an den fertigen Konzepten der Filmindustrie wie auch den Sehgewohnheiten der Zuschauer orientieren. Sein Bezugspunkt ist die Realität mit all ihren Untiefen, nicht der romantische Eskapismus. Besonders erwähnenswert wäre etwa sein arg ungestüm unrundes Debüt, der ungeschliffene SETHU (1999), wie auch einer meiner liebsten indischen Filme überhaupt, der zehn Jahre später entstandene, völlig durchgedreht wilde NAAN KADAVUL (2009). Bala ist einer der markantesten Hoffnungsträger einer Generation Filmemacher, die das Potenzial haben, die Vormachtsstellung eines in Südindien sich schon längst etabliert habenden Mainstreamkinos - in all seinen Varianten - zu erschüttern und zu erneuern. Auch wenn THARAI THAPPATAI etwas zahmer ausfällt als der eben genannte NAA…

Liebe in korrupten Zeiten: NOOR von Sunhil Sippy (Indien, 2017)

Mumbai, you're killing me.

 Immer wieder diese dreckigen Bilder aus den Slums von Mumbai, den Vorstädten, den vor sich hin schimmelnden Wohnblocks eines Molochs. Aber auch immer wieder die reiche Vorstadt, dort, wo man noch Luft zum Atmen bekommt und wo morgens die Sonne golden zum Fenster hereinscheint. In NOOR treffen diese beiden Welten aufeinander, und Sunhil Sippy macht sich gar nicht die Mühe, diese krassen Gegensätze nicht gegeneinander auszuspielen. Er tut es bewusst. Und was uns im Westen wie eine ästhetische Fehlleistung aussehen mag, ist vielleicht das tatsächliche Abbild einer Realität der Gegensätze, in der die Menschen dort tagtäglich leben.
 Die junge und attraktive Noor Choudhary (Sonakshi Sinha) ist eine engagierte Journalistin, die allerdings ziemlich frustriert ist. Ihre gut recherchierten Artikel über soziale Missstände in Mumbai werden vom Chefredakteur regelmäßig abgewiesen und stattdessen werden ihr Celebrity-Quatsch und Lokalnachrichten aufgebrummt, die an …

Komödie mit äußerst trockenem Humor: SAWAKO DECIDES von Yuya Ishii (Japan, 2010)

Das mangelnde Selbstbewusstsein und eine niedrige Meinung von sich selbst haben: das ist das Motto, das Yuya Ishiis Komödie SAWAKO DECIDES wie einen roten Faden durchzieht. Diese Charaktereigenschaften betreffen eigentlich das gesamte jüngere Personal des Films, vor allem aber die Anti-Heldin Sawako. Sie stutzt dann auch alle in ihrer Umgebung zurecht, wenn wieder einmal eine(r) größe Töne spuckt und kräftig aufschneidet. Und wie ihr Weg dann zu mehr Selbstbestimmtheit, Souveränität und Autonomie führt, das erzählt dieser Film.
 In Tokyo quält sie sich durch den Alltag eines öden und demütigenden Bürojobs, der häufig darin besteht, dass sie den Herrschern dieser Welt, also den männlichen Angestellten, irgendwelche Akten bringen muss, oder auf Wunsch auch Kaffee. Ihr Freund ist einer aus der Kreativabteilung - er wurde aber gerade geschasst, da die "Mama-Puppe", die er entworfen hatte, eine Pleite war. Zuhause strickt er gerne blaue Pullover und seine Ex-Frau hat ihn sitzen…

Erneuter Liebeskonflikt in Indien: 2 STATES von Abhishek Varman (2014)

Dieser indische Liebesfilm, der wie eine typisch klischeehafte Komödie beginnt, ist insofern direkt ungewöhnlich, als dass hier nicht - wie so häufig - das Kastensystem das Problem darstellt, oder die Diskrepanz Ost gegen West, sondern dass es ein inner-indischer Konflikt ist: der aus dem Norden stammenden Punjabi Krish (Arjun Kapoor) verliebt sich auf dem College in die aus dem südindischen Chennai stammende Tamilin Ananya (Alia Bhatt). Und wer sich vor allem gegen eine zukünftige Ehe stellt, das ist klar: es sind die Eltern. 
 Krish hat zudem mit einem trinkenden Patriarchen zu kämpfen, der auch mal handgreiflich werden kann; ein Vater, der sich ihm nie geöffnet hat und auch seine Zuneigung nur in Schimpftiraden äußern kann. Nach dem College macht sich das Paar an die schier unmögliche Aufgabe, die Eltern umzustimmen. Krish reist Ananya nach und entdeckt die farbenfrohe tamilische Welt. Das Essen, die Sprache, findet bald schon einen Job und kann trotz Vorbehalten immer mehr zum T…

Am Dasein verzweifeln: Ryuichi Hirokis Pinkfilm-Hommage KABUKICHO LOVE HOTEL (Japan, 2014)

Ryuichi Hiroki lässt in einem Stundenhotel in Tokyo eine ganze Menge junger Leute aufeinander treffen, die alle mit ihren beschädigten Biographien zurecht kommen müssen. Ein Pärchen (oben auf dem Poster), er der Manager des Etablissements, sie eine aufstrebende Sängerin (Atsuko Maeda von AKB48) verkrachen sich dann ziemlich, als sie mit einem Produzenten ins Bett steigt um einen Plattenvertrag zu bekommen. Während zeitgleich herauskommt, dass er sie seit Jahren angelogen hat, was seine eigene Arbeitsstelle in diesem Stundenhotel anbelangt. Beide stammen ursprünglich aus Sendai und sind Flüchtlinge der Tsunami- und Atomkatastrophe von Fukushima. In Tokyo versuchen sie neu anzufangen. Und stehen doch mit einem Bein am Abgrund.
 Hiroki, der übrigens selbst aus Sendai stammt, hatte schon immer einen Hang zu Außenseitern, Ausgestoßenen und stillen Eigenbrötlern. Zumindest, wenn es sich nicht um seine ultrakommerziellen Filme handelt. Dieser hier, der auch eine ernüchternde Hommage an den…

Drifting In and Out of Frames: YEAH (Suzuki Yohei, Japan 2018)

Das Mädchen Ako (Elisa Yanagi) ist so etwas wie ein Geist, ein Geist auf der Suche nach der Schwester, vielleicht auch ihrer Mutter - das ist lange nicht klar. Sie wandelt durch die Landschaften dieses ländlichen Vororts. Die Einwohner scheinen sie zu kennen, behandeln sie wie ein verwirrtes Mädchen. Der Film aber behandelt sie wie eine Geistererscheinung und blendet sie immer wieder aus dem aktuellen Filmbild langsam aus. Sie verschwindet nach und nach und entstofflicht sich. Was sie wirklich ist - lebendig oder tot - das weiß man lange Zeit nicht in Yohei Suzukis schönem Film.
 In einzelnen Miniaturen führt uns YEAH in die Welt der Anti-Heldin ein. Ein  Spielplatz, ein kleiner Imbiss, ein Parkplatz. Eine ranzige Junggesellenbude. Eine ziemlich statische Kamera gibt den einzelnen Szenen einen formal-ästhetischen Zusammenhang, wie auch die etwas ausgebleichten, pastellartigen Farbtöne. Dazu das Gemurmel von Ako, die ständig etwas vor sich hin brabbelt. Sie scheint offenbar ni…

Komödiantisches Debüt: PORT OF FLOWERS von Keisuke Kinoshita (Japan, 1943)

Wenn zwei Hochstapler aufeinandertreffen, dann ist für einiges Tohuwabohu gesorgt! In Keisuke Kinoshitas Debütfilm ist ebendies der Fall: die beiden Männer, die sogar unter demselben - falschen - Namen auf einer Insel vor Kyushu landen, planen deren Einwohner um ihr Hab und Gut zu prellen. Mit dem Bau einer Schiffswerft, um genau zu sein.
 Was sich zunächst wie ein federleichter Sommerfilm ausnimmt, bekommt aber dann schnell dunklere Töne, wenn man das Figurenarsenal und deren persönliche Schicksale besser kennenlernt. Ob also der Plan der Ganoven gelingt - das kann man in unserem Podcast nachhören.
Mit Thomas von Schöner Denken habe ich mich über diesen Film unterhalten. Diese Besprechung ist außerdem der Auftakt zu einer kleinen Kinoshita-Privatretrospektive, und also zu einer Reihe von Podcasts, die wir zu diesem Thema erstellen wollen.

Hier geht es also zum Podcast von Port Of Flowers.

Viel Vergnügen!

Michael Schleeh

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Im Wahnsinn nachtdunkler Farben: The Ghost Bride (Chito S. Rono, Philippinen 2017)

The Ghost Bride ist einer der unzähligen philippinischen Grusel-Horror-Filme, die in ihrer tendenziell dilettantischen Machart hochsympathisch sind, auch weil es ihnen immer wieder gelingt, für Abwechslung und damit Überraschung zu sorgen: immer wieder spektakulär tolle Bilder, die aus einem Wust aus TV-Film-Optik herausragen, komische Geister aus dem südostasiatischen Raum (hier auch aus der chinesischen Mythologie) inmitten unzähliger amerikanisierter Jump-Scares, saturierte Farben verstörender Alpträume in einem Einheitsgrau der Bildgestaltung. Plötzlich hervorbrechend gutes Schauspiel in einem bisweilen an Overacting leidenden und an Ungelenkheiten krankenden Geisterfilm. Also Dinge, die verstören, faszinieren, begeistern. In einem Film, der streckenweise ziemlich öde, der in seiner Narration behäbig ist, und bei dem man immer wieder den Überblick verliert. Weil er vollgestopft ist mit Nebenhandlungen. Es ist eine typisch philippinische, schwer in sich verästelte Überforderung mit…

Digi-Tech und Geta-Klappern: SUMMER WARS von Mamoru Hosoda (Japan, 2008)

"Die Eröffnung, ein wilder Strudel der Farben auf weißer Leinwand. Chaos. Vorbeirauschende Symbolketten und glitzernde Schwärme von Abziehbildchen, blinkende Icons und Avatare, die aufeinander zujagen, in rasanten Kurven wie bisher nur Raumschiffe durchs All schossen, außer Kontrolle oder doch nicht – und in der Mitte, da dreht sich der große Katzen-Bodhisattva. Mit leichtem Grinsen und einem Om auf den Lippen. Irgendwie auch debil wahnsinnig zwischen Digimon und Doraemon und chinesischer Winke-Katze. Im digitalen blank space von Summer Wars, an dem Ort im digitalen Netz, an dem alles zusammenkommt. Im Herzen aller Anwendungen, aller mobilen Dienste, aller Apps und jedes digitalen Contents, dort gibt es den einen Punkt, der die Welt zusammenhält: es ist Oz, der neue Mittelpunkt der Erde. Und wenn er kollabiert, dann geht sprichwörtlich nichts mehr. Nirgendwo."
Für die japanische Kulturwebseite Tanuki Republic habe ich mir Mamoru Hosodas SUMMER WARS angesehen, un…

Shomingeki deluxe: Ein Gespräch über EQUINOX FLOWER von Yasujiro Ozu (Japan, 1958)

Heiraten, ja oder nein? Und wenn, dann wen? Und was sagt der Vater dazu, wenn der Schwiegersohn doch nicht ganz den Erwartungen entspricht? Ein weiteres Mal behandelt Yasujiro Ozu dieses Thema in einem seiner späten Filme, dieses mal erzählt aus der Sicht und Perspektive des Vaters.
 Thomas Laufersweiler von SchönerDenken hat mich eingeladen, mit ihm über EQUINOX FLOWER von Yasujiro Ozu zu sprechen. Wir haben fast eine ganze Stunde miteinander diskutiert und hätten noch viel mehr sagen können, glaube ich. Das Gespräch zu EQUINOX FLOWER findet ihr hier.
 (original Poster)

Michael Schleeh
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Hirokazu Kore-edas früher Dokumentarfilm AUGUST WITHOUT HIM (Japan, 1994)

Kore-edas frühe Entwicklung ist eine ganz andere, als die seiner bekannten Zeitgenossen wie Shinji Aoyama, Kiyoshi Kurosawa oder Akihito Shiota: anstatt vom universitären Experimentalkino zu kommen, oder aus den Untiefen des Direct-to-Video-Sumpfes hervorzusteigen, hatte sich Kore-eda einer TV-Produktionsgesellschaft angeschlossen, die sich auf Dokumentationen spezialisierte. Auf der Tokioter Waseda Universität hatte er sich vor allem Filme angeschaut und Drehbücher gelesen, hielt sich aber von der cinephilen Szene fern. So sind seine ersten sieben Filme allesamt Dokumentarfilme, bevor er seinen ersten Spielfilm drehte - der auch auf einem der vorherigen Dokus beruhte: MABOROSI, in dem eine Frau mit dem Tod ihres Mannes zurecht kommen muss.
 Kore-eda hat schon früh versucht, einen eigenen Weg zu gehen, der vollständig auf das Ausschlachten von dramatischen Gefühlen verzichtete, der nichts skandalisieren will sondern viel eher nüchtern und distanziert sich der Thematik nähert; damit …

Wenn Kunst und Qual und Lust zusammen kommen ~ IREZUMI - The Spirit of Tattoo (Yoichi Takabayashi, Japan, 1982)

Yuki no hana, Blumen des Schnees sind es, die auf perfekte Haut tätowiert werden; Abbildungen, die besonders gelingen, wenn beim Akt des Stechens die körperliche Ekstase einhergeht. In diesem Erotik-Drama, das die Kunst des Tätowierens vor allem auf seinen spirituellen Überbau hin abklopft, gerät das Leben einer Frau aus den Fugen. Die Erfahrungen, die sie macht, verändern sie über die Zeit völlig und so weiß am Anfang niemand, wo das enden wird - jedenfalls nicht dort, wo es die dominante Männergesellschaft vorgesehen hatte. Im Hintergrund lauert aber ein größeres Drama, das sich später enthüllt - und auch hier ist das Motiv der Schneeflocke zentral.
 Hideo Fujii, ehemals Technik-Assistent bei Hideo Gosha und Nagisa Oshima ist Kameramann bei Yoichi Takabayashis IREZUMI (aus dem Jahr 1982 - nicht mit dem gleichnamigen Film von Yasuzo Masumura verwechseln), ist in IREZUMI für die Kamera verantwortlich. Die Bilder sind gelungen in ihrem manchmal etwas biederen Verständnis von Schönhei…

Samurai *Gerupftes Huhn*: Takashi Miikes Manga-Adaption BLADE OF THE IMMORTAL (Japan, 2017)

Der Film beginnt mit Verve und einer Eleganz wie ein Film vom Säulenheiligen Kihachi Okamato: hartkontrastige Bilder in schwarz-weiß fügen sich zu einer Oper des stählernen Totschlags. Diese Schwerter sind so scharf wie keine anderen zuvor - die Leichen drapiert wie in einer Choreographie von Akira Kurosawa. So ist der Samurai, der zum Ronin geworden ist, auch ein Bodyguard for hire ein Yojimbo. Diese Anspielung ist sicherlich bewusst gewählt. Und so klassisch dieser Film beginnt, so modern geht es weiter. Wie in einem New Wave - Film entblättert sich der Plot erst nach und nach, wenig wird erklärt. Übersicht stellt sich erst mit der Zeit ein. Dann die Farbenexplosion und die Manga-Adaption, die sich vor allem in den exotischen Waffen und der exaltierten Figurenzeichnung offenbart. Das ist ziemlich toll, wie das alles hier zusammengeführt wird.



 Manji-san ist der zerzauste, unsterbliche Wurm-Samurai (Takuya Kimura), der wie ein zerrupftes Huhn durch diesen Film rennt und sich wie ei…

Sonne, Strand und Badenixen mit Kanonen ~ STRAY CAT ROCK: WILD JUMBO (Toshiya Fujita, Japan 1970)

Der zweite Teil in der Reihe der STRAY CAT ROCK-Rüpelfilme spielt hauptsächlich am Strand: dort vergnügt sich die Pelican Gang und trainiert für einen großen Coup. Allerdings ist das nichts Politisches, sondern purer Eigennutz. Die revolutionäre Gruppe, die bei viel Bier in einem roten (!) Zelt gegründet wird, der geht schlicht und einfach die Knete aus. Und so plant man den Geldtransporter einer religiosen Vereinigung, der Seikyo Gakkei, zu überfallen - am Ende geht alles schief und den Protagonisten ergeht es entsprechend schlecht. Einen Kommentar zur counterculture kann man hier nur mit viel gutem Willen entdecken, auch wenn man sicherlich anmerken muss, dass der Protest in Japan wohl schon ab dem Zeitpunkt manifest wird, wenn man morgens nicht zur Arbeit geht wie Millionen andere. 
 Dass man aber zwei Drittel des Filmes hinter sich bringen muss - mit allerlei Belanglosigkeiten natürlich - um endlich einmal etwas wie einem sinnvollen Handlungsstrang zu begegen, ist durchaus etwas…

Mein Auspuff ist lauter als deiner! - STRAY CAT ROCK: Delinquent Girl Boss (Yasuharu Hasebe, Japan 1970)

Noch bevor die Pinku-Filmwelt durch die Sasori  aka. Female Convict: Scorpion - Reihe oder das Doppel der Lady Snowblood - Filme von TOEI sich für immer ins Gedächtnis der cinephilen Avantgarde mit Hang zu Transgression und Exploitation einbrennen würde, da gab es den Roman Porno von Nikkatsu. Und auch hier schon war das Starsystem voll intakt, mit einer jungen Meiko Kaji, die in einem illustren Indianerkostüm durch die Industriebrachen am Rande Tokyos und die Bars von Shinjuku reitet - auf einem Motorrad wohlgemerkt, als Anführerin der Alleycats. "Die" Mädchengang im Viertel, die keinen Bullshit toleriert von den Jungs mit den Sonnenbrillen und dem anzüglichen Grinsen.
 So kontrovers diese Filme sind, es häufte sich ein enormer Filmstock an Erotik-Titeln an, der kaum mehr zu überblicken ist und von deren verbotenen Früchten wir heute nur noch ein paar wenige Exemplare naschen dürfen. Zugegeben, das meiste ist wohl vernachlässigbare Ware von der Stange, die kaum noch das I…

#Japanuary 2018 ~ my films

Auf Twitter wurde Ende Oktober eine Lawine losgetreten, als sich einige Engagierte zu einem japan-infizierten Filmmonat im Januar 2018 verabredeten. Dies schien bei vielen Leuten eine offene Türe einzurennen - und so wurde die Aktion zur Verblüffung aller zu einer Lawine der Begeisterung, die immer größer wurde und weite Teile meiner Timeline mitriss. Die Vorgabe: Es sollen acht japanische Filme geschaut und darüber Podcasts angefertigt oder Texte geschrieben werden. Wer der/die Urheber(in) letztlich überhaupt war, kann ich nicht mehr benennen. Dankenswerterweise hat aber Thomas von SchönerDenken die Aufgabe unternommen, alles etwas zu strukturieren und dem ganzen einen Rahmen zu geben. 
 Auch bei mir stößt er, Thomas, mit dieser Aktion auf offene Ohren - auch wenn auf Schneeland und in meinem Heimkino eigentlich jeden Monat "Japanuary" ist. So wie ich mich sehr gerne von ihm dazu verhaften lasse, Podcasts aufzunehmen, wenn wir auf der Nippon Connection, dem Festival für j…