Direkt zum Hauptbereich

#Japanuary 2018 ~ my films



 Auf Twitter wurde Ende Oktober eine Lawine losgetreten, als sich einige Engagierte zu einem japan-infizierten Filmmonat im Januar 2018 verabredeten. Dies schien bei vielen Leuten eine offene Türe einzurennen - und so wurde die Aktion zur Verblüffung aller zu einer Lawine der Begeisterung, die immer größer wurde und weite Teile meiner Timeline mitriss. Die Vorgabe: Es sollen acht japanische Filme geschaut und darüber Podcasts angefertigt oder Texte geschrieben werden. Wer der/die Urheber(in) letztlich überhaupt war, kann ich nicht mehr benennen. Dankenswerterweise hat aber Thomas von SchönerDenken die Aufgabe unternommen, alles etwas zu strukturieren und dem ganzen einen Rahmen zu geben. 

 Auch bei mir stößt er, Thomas, mit dieser Aktion auf offene Ohren - auch wenn auf Schneeland und in meinem Heimkino eigentlich jeden Monat "Japanuary" ist. So wie ich mich sehr gerne von ihm dazu verhaften lasse, Podcasts aufzunehmen, wenn wir auf der Nippon Connection, dem Festival für japanische Filmkultur in Frankfurt, die Tage gemeinsam im Kino verbringen, so findet die gesamte Aktion meine Unterstützung. Schon alleine um viele neue, kreative und japanophile Bekanntschaften zu machen, sich zu vernetzen, Inspiration zu bekommen. Etwas frische Begeisterung kann niemals schaden.

Nun stehen auch meine Filme für die Aktion fest, nachdem ich nochmals ausgetauscht und umsortiert habe. Einen Rahmen geben dem Ganzen zwei Filme von Hirokazu Kore-eda. Die Filme sind folgende:


* AUGUST WITHOUT HIM (Hirokazu Kore-eda, 1994)
* BARREN ILLUSION (Kiyoshi Kurosawa, 1999)
* SUMMER WARS (Mamoru Hosoda, 2009)
* CATERPILLAR (Koji Wakamatsu, 2010)
* MY MAN (Kazuyoshi Kumakiri, 2014)
* KABUKICHO LOVE HOTEL (Ryuichi Hiroki, 2014)
* LA LA LA AT ROCK BOTTOM (Nobuhiro Yamashita, 2015)
* AFTER THE STORM (Hirokazu Kore-eda, 2016)

Ich werde zu allen Filmen eine Kleinigkeit veröffentlichen; entweder hier im Blog, oder auf letterboxd, oder in einem Podcast somewhere. Ich hoffe, es ist für jede(n) etwas Interessantes dabei.

P.S.: Die Jungs vom Podcast Kompendium des Unbehagens hatten nachgefragt, was "der japanische Film" eigentlich sei, was er für einen persönlich bedeutet. Was das japanische Kino für mich ausmacht, habe ich versucht, in einer kurzen Podcastaufnahme zu beantworten, die hier in diesen kollektiven Bundle-Beitrag integriert ist - und bei dem schönerweise auch einige der anderen Teilnehmer zu hören sind. Auch damit viel Spaß!

Michael Schleeh

***

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Die neue Freundin des Sohnes - Masaki Kobayashis Debut-Film YOUTH OF THE SON (1952)

Wenn man in die Filmgeschichte hineinsticht gibt es immer wieder Momente, die einen völlig verblüffen können. So mag einem Masaki Kobayashis Debut-Film als völlig irre vorkommen, wenn man den Regisseur nur von seinen ernsten, gravitätischen Meisterwerken her kennt, die er dann Anfang der 60er gemacht hat: BARFUSS DURCH DIE HÖLLE und HARAKIRI (den ich für den vielleicht besten japanischen Film überhaupt halte, aber das nur nebenbei). Aber Kobayashis Werk ist viel mehr, deutlich vielgestaltiger, als "nur" diese ernsten Schwarzweiß-Dramen, in denen es der menschlichen Existenz an den Kragen geht und schlichtweg alles auf dem Spiel steht. Oder wie in BARFUSS gleich die komplette conditio humana. Weshalb der englische, internationale Titel THE HUMAN CONDITION nicht nur weniger reisserisch ist, als der deutsche, sondern auch genauer am treffenden Originaltitel (Ningen no joken). Hier, in diesem Film, ist die Situation im Vergleich geradezu lächerlich läppisch: es geht um die ers…

Samurai *Gerupftes Huhn*: Takashi Miikes Manga-Adaption BLADE OF THE IMMORTAL (Japan, 2017)

Der Film beginnt mit Verve und einer Eleganz wie ein Film vom Säulenheiligen Kihachi Okamato: hartkontrastige Bilder in schwarz-weiß fügen sich zu einer Oper des stählernen Totschlags. Diese Schwerter sind so scharf wie keine anderen zuvor - die Leichen drapiert wie in einer Choreographie von Akira Kurosawa. So ist der Samurai, der zum Ronin geworden ist, auch ein Bodyguard for hire ein Yojimbo. Diese Anspielung ist sicherlich bewusst gewählt. Und so klassisch dieser Film beginnt, so modern geht es weiter. Wie in einem New Wave - Film entblättert sich der Plot erst nach und nach, wenig wird erklärt. Übersicht stellt sich erst mit der Zeit ein. Dann die Farbenexplosion und die Manga-Adaption, die sich vor allem in den exotischen Waffen und der exaltierten Figurenzeichnung offenbart. Das ist ziemlich toll, wie das alles hier zusammengeführt wird.



 Manji-san ist der zerzauste, unsterbliche Wurm-Samurai (Takuya Kimura), der wie ein zerrupftes Huhn durch diesen Film rennt und sich wie ei…

Von Kriegsschuld und Verzweiflung: Masaki Kobayashis THE THICK-WALLED ROOM (1953)

Japan, vier Jahre nach dem Ende des verlorenen Weltkriegs: ein Erzähler aus dem Off spricht mit ernster Stimme von schlimmen Kriegsverbrechen und verspricht schonungslose Aufklärung. Hinter den Mauern dieses Hochsicherheitsgefängnisses befänden sich die Männer, die sich schlimmster Verbrechen schuldig gemacht hätten. Die Kamera lässt daran keinen Zweifel: bevor wir überhaupt den ersten Gefangenen sehen, haben die schwarz-weißen, hartkontrastigen Bilder bereits ihre Wirkung erreicht. In diesem Szenario der Bedrohung aus unterirdischen Gängen, Gittern, Betonwänden und rechteckigen Linien, scharfen Kanten und bewaffneten Soldaten der amerikanischen Militärpolizei kann sich nur Unvorstellbares abspielen.
 Kurz darauf: tragische Musik und vor Schmerzen verzerrte Gesichter der zusammengepferchten Insassen, ein jeder hängt seinen eigenen Alpträumen nach. Heimlich versucht sich einer im Abort zu erhängen. Aber auch am Tage gibt es keine Erlösung: da wird erbarmungslos im Steinbruch geschuft…